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Wassernetz von Kleinensee wird mit Thüringen verknüpft

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Millimeterarbeit: Die Mitarbeiter der Baufirma Bauer bringen das neue Schachtbauwerk für die Wasserversorgung vom Kleinensee in die richtige Position.
Millimeterarbeit: Die Mitarbeiter der Baufirma Bauer bringen das neue Schachtbauwerk für die Wasserversorgung vom Kleinensee in die richtige Position. © Jan-Christoph Eisenberg

Um die Wasserversorgung von Kleinensee zu sicher, ist eine Druckerhöhungsstation installiert worden, um den Heringer Ortsteil mit den Nachbargemeinden in Thüringen zu verbinden.

Heringen – Das Runde muss ins Eckige – diese Binsenweisheit aus dem Fußball gilt am Mittwochmorgen auch in Kleinensee. Wobei das Eckige die Baugrube am Ende am Ende des Amselwegs unmittelbar an der Grenze zu Thüringen ist. Und das Runde ein 2,25 Meter hohes, rund drei Tonnen schweres Schachtbauwerk, das per Tieflader aus dem südhessischen Mörfelden-Waldorf angeliefert wurde. Die Kunststoffröhre mit 3,50 Metern Durchmesser ist so etwas wie das Fertighaus unter den Druckerhöhungsstationen: Das gesamte Innenleben – Rohrleitungen, Pumpen, Elektrik – sei bereits fertig installiert, erklärt der Betriebsleiter der Heringer Stadtwerke, Heiko Habermann.

In Kleinensee muss das Bauteil nur noch abgeladen, in die Horizontale gebracht und an seinen Bestimmungsort gehoben werden – wobei die Anschlüsse an der Außenhülle auf die bereits im Boden verlegten Rohrleitungen ausgerichtet werden. Diese Aufgabe übernehmen ein Kettenbagger und fünf Mitarbeiter der Baufirma Bauer. Anschließend werde der doppelte Boden noch mit Beton gefüllt, damit das Bauwerk nicht vom Grundwasser nach oben gedrückt werde, erklärt Ingenieur Thomas Huth vom Kasseler Büro AGC.

Die aktuellen Arbeiten sind einer von insgesamt drei Bauabschnitten, die nötig sind, um das Wassernetz von Kleinensee mit dem der thüringischen Nachbarorte zu verknüpfen. Eine weitere Verbindungsleitung soll die Quelle Hönebach, aus der Großensee bislang sein Wasser bezieht, mit den Quellen Großensee und Kleinensee verbinden. Deren Wasser wird dann gemeinsam im Wasserwerk der Stadtwerke in Kleinensee aufbereitet und am dortigen Hochbehälter ins Ortsnetz eingespeist.

Über das neue Schachtbauwerk und eine in den vergangenen Monaten verlegte Leitung gelangt es ins Ortsnetz und den Hochbehälter von Großensee. Im dritten Abschnitt wird in den kommenden Jahren die Wasserleitung nach Dankmarshausen neu gebaut. Sie wird dann nicht mehr in Großensee, sondern in Kleinensee angeschlossen.

Das schaffe doppelte Versorgungssicherheit verdeutlicht Heiko Habermann: Überschüssiges Wasser fließe aus Großensee und Kleinensee nach Dankmarshausen, bei Wasserknappheit, könne aber auch in umgekehrter Richtung von Dankmarshausen nach Großensee und Kleinensee gepumpt werden. Denn der Stadtteil von Werra-Suhl-Tal sei auch an eine Fernleitung aus dem Thüringer Wald des Zweckverbandes Horschlitter Mulde angeschlossen.

Bereits im vergangenen Jahr war eine Leitung zwischen Dankmarshausen und Widdershausen gebaut worden. Dieser Heringer Stadtteil kann damit sowohl über den Wasserbeschaffungsverband Ostteil Hersfeld-Rotenburg als auch aus dem Wartburgkreis versorgt werden.

Für den aktuellen Abschnitt des Verbundprojekts sind Kosten von rund 402 000 Euro kalkuliert, wobei diese Summe bereits 15 Prozent Puffer für unerwartete Steigerungen enthält. Mit rund 196 000 Euro wird das Projekt vom Bund bezuschusst. Die verwendeten Kunststoffleitungen und -bauteile sollen eine Lebensdauer von mindestens 80 Jahren haben.

Wenn alle Wasser- und Stromleitungen des neuen Kunststoffschachts angeschlossen und die Rohre gespült sind, startet voraussichtlich Ende März oder Anfang April der Probebebtrieb.

Nach Abschluss der Arbeiten wird die Kunststoffröhre weitgehend unter der Erde verschwunden sein. Nur die Schachtdeckel, eine Pflasterfläche und ein Zaun sollen dann noch an das Eckige und das Runde am Ende des Amselwegs erinnern. (Jan-Christoph Eisenberg)

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