Insgesamt sechs Windräder sind am Monte Kali geplant

Windpark: Heringer Parlament lehnt Anlage auf städtischem Grundstück ab

Diese vorläufige Visualisierung der Firma Energiequelle zeigt den Windpark Monte Kali aus Blickrichtung Dippach.
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So könnte es aussehen: Diese vorläufige Visualisierung der Firma Energiequelle zeigt den Windpark Monte Kali aus Blickrichtung Dippach. Das Heringer Stadtparlament hat sich am Donnerstagabend mehrheitlich gegen das Projekt positioniert.

Mehrheitlich gegen den geplanten Bau von sechs Windrädern am Fuß der K+S-Abraumhalde Monte Kali hat sich das Heringer Stadtparlament positioniert.

Einen entsprechenden gemeinsamen Antrag von SPD und CDU beschlossen die Mandatsträger am Donnerstagabend während der Sitzung im Bürgerhaus bei zwei Gegenstimmen der WGH sowie drei Enthaltungen von WGH und SPD. Damit hebt das Parlament eine positive Stellungnahme zur Windkraft auf dem Höhenzug zwischen Bengendorf und Kleinensee aus dem Jahr 2013 auf und bekräftigt stattdessen eine Resolution aus dem Jahr 2017, in der das Regierungspräsidium Kassel aufgefordert wurde, die Anlagen nicht zu genehmigen. Ausdrücklich abgelehnt wird mit dem am Donnerstag gefassten Beschluss der Bau einer Anlage auf einem städtischen Grundstück. Anders als auf die übrigen fünf Rotoren, die im Wald von Hessen Forst entstehen sollen, hat die Kommune hier als Grundeigentümer direkten Einfluss.

Die neuerlichen Pläne für sechs Windräder mit einer Gesamthöhe von 250 Metern, einem Rotordurchmesser von 160 Metern und 5,5 Megawatt Leistung hatte die Firma Energiequelle aus Kallinchen bei Berlin im vergangenen Juli in einer gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte Bengendorf und Kleinensee vorgestellt.

Im ersten Anlauf waren die Rotoren vom Regierungspräsidium Kassel (RP) im Jahr 2017 wegen negativer Effekte auf den Vogelzug und das Naturschutzgebiet Rhäden nicht genehmigt worden. Eine zunächst eingereichte Klage gegen diese Entscheidung zog der damalige Projektierer Enercon zurück.

Dass zehn der zwölf zunächst ebenfalls abgelehnten Anlagen des Nachbarwindparks Gaishecke in Folge eines Gerichtsurteils im zweiten Anlauf genehmigt wurden, hat Energiequelle nun jedoch dazu ermutigt, die Enercon-Pläne am Monte Kali wieder aufzugreifen (unsere Zeitung berichtete).

Erneuerbare Energien seien unverzichtbar, müssten jedoch im Einklang mit Mensch und Natur realisiert werden, begründete Bernd Maus (SPD) den gemeinsamen Antrag von Christ- und Sozialdemokraten. Er verwies auf das große Zug- und Rastvogelvorkommen sowie negative Auswirkungen auf Kultur und Tourismus. Die geplante Aufwertung des benachbarten Mahnmals Bodesruh wäre nach Ansicht des SPD-Fraktionsvorsitzenden durch den Windpark hinfällig und der dort verlaufende Lutherweg verliere an Wert – ebenso wie möglicherweise die Immobilien in den umliegenden Orten. Für Kleinensee drohe zudem eine Mehrfachbelastung durch den Bau der Schnellbahntrasse. Dass das Parlament dem Winkraft-Standort 2013 noch positiv gegenüberstand, begründete Maus mit den veränderten Dimensionen: „Damals waren nur 123 Meter hohe Anlagen mit 77 Metern Rotordurchmesser geplant.“

Er sei kein großer Freund von Windrädern – mit Blick auf Strombedarf, Klimawandel und Energiewende gelte es aber, diese zu ertragen, betonte hingegen Thomas Mötzing (WGH). Er merkte zudem an, dass mit der Anlage auf dem städtischen Grundstück auch auf Einnahmen verzichtet werde. Energiequelle hat Heringen eine Pacht von 15 Prozent der Netto-Einspeisevergütung, abgesichert durch einen jährlichen Mindestbetrag, angeboten. Laut einer von der Firma im Juli vorgestellten Beispielrechnung mit 5,4 Cent Vergütung pro Kilowattstunde wären das jährlich rund 74 000 Euro. Bernd Maus bezeichnete diese Summe am Donnerstag allerdings als „fiktive Zahlen, die ich so noch nicht in der Stadtkasse sehe.“ (Jan-Christoph Eisenberg)

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