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Zweiter Anlauf für Windpark - sechs Anlagen am Monte Kali bei Heringen geplant

 Die Visualisierung des Projektentwicklers Energiequelle zeigt den Windpark aus Blickrichtung Dippach. Im Vordergrund der Heringer Stadtteil Widdershausen und die K+S-Abraumhalde.
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So könnte es aussehen: Die Visualisierung des Projektentwicklers Energiequelle zeigt den Windpark aus Blickrichtung Dippach. Im Vordergrund der Heringer Stadtteil Widdershausen und die K+S-Abraumhalde.

Die Pläne für einen Windpark am Fuß des Monte Kali bei Heringen hat Thomas Stopp von der Firma Energiequelle jetzt den Ortsbeiräten von Bengendorf und Kleinensee vorgestellt.

Heringen. Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was genau ist geplant?

Auf zwei im Regionalplan ausgewiesenen Vorrangflächen auf dem Höhenzug zwischen den Heringer Stadtteilen Bengendorf und Kleinensee am Fuß der Abraumhalde des K+S-Standorts Wintershall möchte die Firma Energiequelle mit Hauptsitz in Kallinchen bei Berlin sechs Windräder errichten. Sie sollen einschließlich Flügelspitze 250 Meter hoch sein, einen Rotordurchmesser von 160 Metern und eine Leistung von 5,5 Megawatt haben. Fünf Bauplätze liegen im Wald von Hessen Forst, die sechste Anlage auf einem Grundstück der Stadt Heringen.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Die Genehmigungsunterlagen will Energiequelle Ende des dritten oder Anfang des vierten Quartals 2021 beim RP einreichen. Mit einer Entscheidung rechnet Energiequelle Ende 2022. 2023 könnte mit dem Bau begonnen werden. Dieser Zeitplan könne sich allerdings verschieben – unter anderem, weil das Unternehmen an einer Ausschreibung zur Einspeisevergütung teilnehmen muss.

Im Jahr 2017 wurde das Projekt vom RP abgelehnt. Warum also jetzt ein neuer Anlauf?

Grund ist das Urteil zum benachbarten Windpark Gaishecke zwischen Heringen, Friedewald und Wildeck. Beide Projekte hatte das RP 2016 und 2017 wegen negativer Effekte auf den Vogelzug und das Naturschutzgebiet Rhäden nicht genehmigt. Dagegen gingen die Investoren juristisch vor. Für den Windpark Monte Kali zog der damalige Projektierer Enercon seine Klage jedoch zurück. Für zehn der zwölf Anlagen des Windparks Gaishecke kippte das Verwaltungsgericht Kassel im Frühjahr 2019 die Entscheidung des RP mit der Maßgabe, deren Auswirkungen auf den Vogelzug neu zu bewerten. Nach dieser Neubewertung genehmigte das RP kürzlich dem Investor, der Heringer Firma Bürgerwind Gaishecke, den Bau dieser Rotoren. Das Urteil ist nach Ansicht von Thomas Stopp auf den Windpark Monte Kali übertragbar, weshalb die Planungen wieder aufgenommen wurden. Mangels eigener Kapazitäten habe Enercon für das Projekt die Firma Energiequelle mit ins Boot geholt.

Welche Belastungen sind zu erwarten?

Neben dem Eingriff in Natur und Landschaftsbild verursachen Windräder Schallemissionen und Schattenwurf. Nach entsprechenden Gutachten geht der Investor davon aus, die gesetzlichen Grenzwerte einhalten zu können, ohne die Anlagen abschalten zu müssen. Das jeweils nächste Windrad sei von Bengendorf etwa 1200 Meter und von Kleinensee 1600 Meter entfernt. Der gesetzliche Mindestabstand von 1000 Metern zu geschlossenen Siedlungen werde also eingehalten. Das Jagdhaus Bodesruh liegt etwa 600 Meter von der nächstgelegenen Anlage entfernt.

Wirkt sich der Windpark auf den Haldenbetrieb von K+S aus?

Laut Thomas Stopp stehen Energiequelle und K+S in engem Kontakt wegen der Nutzung der Wege, und um eine Beeinträchtigung der Messstellen des Bergbau-Unternehmens zu vermeiden. Auf ein siebtes Windrad bei Bengendorf sei verzichtet worden, um dieses Areal für eine Haldenerweiterung freizuhalten.

Profitiert die Stadt Heringen finanziell?

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bietet laut Stopp die Möglichkeit, die Kommunen im Umkreis von 2,5 Kilometern mit 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde zu beteiligen. Bei zwölf Millionen Kilowattstunden pro Jahr und Anlage würden auf Heringen von dieser Ausschüttung laut Energiequelle-Beispielrechnung jährlich rund 100 000 Euro entfallen. Für das Windrad auf dem städtischen Grundstück bietet das Unternehmen der Kommune zudem ein Entgelt von 15 Prozent der Netto-Einspeisevergütung an – abgesichert durch einen jährlichen Mindestbetrag. Bei 5,4 Cent Vergütung pro Kilowattstunde wären das laut Projektentwickler jährlich rund 74 000 Euro. Angedacht seien zudem eine Bürgerwindenergieanlage, an der sich Anwohner beteiligen können, oder alternative Modelle wie eine Stiftung, die Projekte in den direkt betroffenen Orten finanziert. Dazu sollen sich nun die Ortsbeiräte positionieren.

Wie fielen die Reaktionen auf die Pläne aus?

Für Unbehagen im Saal sorgte neben der Höhe der Windräder vor allem der relativ geringe Abstand – die exakte Entfernung blieb an diesem Abend unklar – eines Windrades zum Forsthaus Bengendorf sowie den benachbarten Wohnhäusern an der Landesstraße nach Hönebach. Thomas Stopp verwies auf niedrigere Mindestabstände für solche Einzelbebauung. Bedenken wurden auch hinsichtlich einer Mehrfachbelastung von Kleinensee durch die geplante Schnellbahntrasse und mit Blick auf den Vogelzug geäußert. Der Investor geht hingegen davon aus, dass die meisten Zugvögel den einfacheren Weg durchs Werratal nehmen. Einzige Ausnahme: Die Kraniche, an deren Zugtagen die Anlagen abgeschaltet würden.

Mit Broschüren und Veranstaltungen sollen die Pläne bald auch den Anwohnern vorgestellt werden. Direkten Einfluss auf das Projekt hat die Stadt Heringen allerdings nur bei der Verpachtung ihrer eigenen Fläche, wie Bürgermeister Daniel Iliev verdeutlichte. (Jan-Christoph Eisenberg)

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