Leiharbeitskräfte unterstützen in pflegeintensiven Bereichen

50 Stellen am Klinikum Hersfeld-Rotenburg offen

Auch am Klinikum Bad Hersfeld sind viele Stellen unbesetzt.
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Auch am Klinikum Bad Hersfeld sind viele Stellen unbesetzt.

Überall ist vom Notstand in den Kliniken die Rede. Auch am Klinikum Hersfeld-Rotenburg sind vom Praktikanten bis zum Oberarzt viele Stellen offen.

Hersfeld-Rotenburg – Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht Nachrichten von völlig erschöpften Pflegekräften, von Ärztemangel und Notstand in den Kliniken über die Bildschirme flimmern. Ein Blick auf die Homepage des Klinikums Hersfeld-Rotenburg zeigt, dass das Problem auch hier im Kreis akut ist. Rund 50 freie Stellen werden da angeboten, vom Praktikanten bis hin zum Oberarzt werden Kräfte auf allen Qualifizierungsebenen gesucht.

Zeitarbeitskräfte auf der Intensivstation

Immer öfter müssen Kliniken unbesetzte Stellen mit Zeitarbeitskräften besetzen, um weiter einsatzbereit zu bleiben. In geringem Umfang ist das auch im Klinikum Hersfeld-Rotenburg der Fall, bestätigt auf Anfrage die Pflegedirektorin, Oberin Birgit Plaschke. Eingesetzt würden diese Kräfte im OP-Bereich und auf der Intensivstation für die Covid-Betreuung. Die entscheidende Größe sei hier die Verordnung der Festlegung von Pflegepersonaluntergrenzen (PpUGV), erläutert Plaschke. Damit werde festgelegt, wie viele Pflegekräfte für welche Patientenzahl in pflegeintensiven Bereichen in Krankenhäusern vorhanden sein müssten. „Der Einsatz von Zeitarbeitskräften ist hier zeitweise notwendig, da wir, wie der Großteil deutscher Krankenhäuser auch, an einem Fachkräftemangel im Bereich der Pflege leiden, sodass Stellen nicht besetzt sind“, erläutert die Pflegedirektorin.

Kreiskrankenhaus hat vier Stellen ausgeschrieben

Ohne Leiharbeitskräfte kommt dagegen zurzeit das Kreiskrankenhaus Rotenburg aus. „Unsere Personaldecke ist so, dass wir die Aufgabe schultern können“, sagt Personalleiterin Karla Krause-Heid. Das Kreiskrankenhaus hat derzeit vier unbesetzte Stellen im Internet ausgeschrieben.

Mit einer eigenen Personalreserve arbeitet das Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation (KfH), erklärt auf Nachfrage Margit Titze, die kaufmännische Leiterin des KfH-Nierenzentrums Bad Hersfeld. Es gebe sogenannte Springer, beim KfH fest angestellte Mitarbeiter verschiedener Berufsgruppen, die gut eingearbeitet seien und bundesweit als Vertretungskräfte zur Verfügung stünden. Zudem unterstützten sich benachbarte Zentren auch gegenseitig.

Entspannung nicht in Sicht

Dem Pflegenotstand treten sowohl das Kreiskrankenhaus Rotenburg als auch das Klinikum Hersfeld-Rotenburg mit eigenen Krankenpflegeschulen aktiv entgegen. Am Institut für Gesundheitsberufe in Bad Hersfeld würden junge Menschen im Beruf der Pflegefachkraft ausgebildet und sammelten ihre praktischen Erfahrungen direkt in einem der angeschlossenen Häuser, erklärt Oberin Birgit Plaschke. „Auf diese Menschen bauen wir bereits während ihrer Ausbildung und möchten ihnen gerne nach ihrem Abschluss einen direkten Berufseinstieg bei uns ermöglichen“, sagt die Pflegedirektorin.

Oberin Birgit Plaschke

Den Vorteil, den Nachwuchs im eigenen Haus zu generieren, sieht man auch am Kreiskrankenhaus Rotenburg, das sich in Trägerschaft des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf befindet. In Rotenburg gibt es laut Homepage sowohl eine Schule für Gesundheits- und Krankenpflege als auch eine für Altenpflege. Absolventinnen und Absolventen beider Schulen werden nach erfolgreichem Abschluss am Kreiskrankenhaus übernommen.

Dennoch ist der Bedarf an Pflegekräften groß. Neben steigenden Patientenzahlen im Covid-Bereich, die einen hohen Pflegebedarf mit sich brächten, fielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst, bedingt durch Krankheit oder eine Quarantänesituation, aus, erläutert Oberin Birgit Plaschke für das Klinikum Hersfeld-Roteburg. „Basierend auf den weiterhin steigenden Fallzahlen gehen wir demnach kurzfristig nicht von einer Entspannung dieser Situation aus“, sagt Plaschke. Sie betont jedoch, dass viele Mitarbeiter aktuell Überstunden und zusätzliche Schichten auf sich nähmen, um Kollegen zu entlasten und Ausfälle zu kompensieren: „Die Pflege leistet aktuell einen unfassbaren Anteil an der Bekämpfung der Pandemie.“

Leiharbeit vor allem in Fertigung und Logistik

Leiharbeit spielt derzeit im Landkreis Hersfeld-Rotenburg generell keine große Rolle. Es gibt allerdings Branchen, in denen deutlich mehr Leiharbeitskräfte eingesetzt werden, als im Gesundheitswesen, zum Beispiel in der Logistik und bei Fertigungsberufen. Das teilt Melanie Bonacker von der Abteilung Presse und Marketing der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Im Bereich Fertigung waren zum Stichtag 30. September 2020 151 Leiharbeitskräfte (von insgesamt 2965 Arbeitnehmern) registriert. Das entspricht einem Anteil von 5,1 Prozent. Bei den Verkehrs- und Logistikberufen waren es 540 von 12 513 Arbeitskräften, ein Anteil von 4,3 Prozent. Bei sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen betrug der Anteil der Leiharbeitnehmer im September 2020 4,1 Prozent, das waren 127 von 3121 Personen. Im Lebensmittel- und Gastgewerbe waren zum Stichtag 43 von 2809 Arbeitskräften Leiharbeitnehmer, das entspricht einem Anteil von 1,5 Prozent. In allen anderen Berufssparten sind die Anteile an Leiharbeitern noch geringer.

Der ohnehin relativ geringe Anteil an Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmern im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist in den vergangenen acht Jahren in den Branchen zurückgegangen. Bei den Fertigungsberufen zum Beispiel von 8,7 Prozent im Jahr 2014 auf 5,1 Prozent 2020. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit waren vor allem in den Jahren 2014 und 2015 relativ viele Leiharbeiter im Kreis im Einsatz.

Leiharbeit oder auch Zeitarbeit wird häufig von Unternehmen genutzt, um flexibel auf die Auftragslage reagieren zu können. Die Arbeitnehmer werden nicht vom jeweiligen Betrieb eingestellt, sondern von einer Leiharbeitsfirma, die sie dann an die Betriebe ausleiht. Da nicht nur die Löhne für die Beschäftigten, sondern auch eine Gebühr für die Leiharbeitsfirma bezahlt werden muss, ist der Einsatz von Leiharbeitnehmern kurzfristig oft teurer, ermöglicht aber mehr Flexibilität. Für Arbeitnehmer hat die Zeitarbeit ebenfalls sowohl Vor- als auch Nachteile. (Christine Zacharias)

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