Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Corona: Lockerungen für Schüler - für Gastwirte ändert sich nichts

Ärgert sich über fehlende Lockerungen für die Gastronomen: Hotelier Achim Kniese hätte sich Änderungen bei der Testpflicht in der Innengastronomie gewünscht.
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Ärgert sich über fehlende Lockerungen für die Gastronomen: Hotelier Achim Kniese hätte sich Änderungen bei der Testpflicht in der Innengastronomie gewünscht.

Die Corona-Lage entspannt sich. In den Schulen gibt es Lockerungen, aber auch individuelle Lösungen sind denkbar. In der Gastronomie überwiegt die Enttäuschung.

Hersfeld-Rotenburg – Impffortschritt und sehr niedrige Inzidenzzahlen machen es möglich: Die Hessische Landesregierung hat angesichts der zurzeit deutlich entspannteren Corona-Lage weitere Lockerungen verkündet. Die Gastronomen allerdings profitieren nicht davon. Denn für die Innenräume setzen Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Corona-Kabinett angesichts der sich auch in Hessen weiter verbreitenden Delta-Variante des Coronavirus’ auf das Prinzip Vorsicht und Besonnenheit.

„Das hält viele Gäste ab“

„Wir sind sehr enttäuscht und hatten angesichts der stabil niedrigen Inzidenzzahlen fest mit Lockerungen für die Gastronomie gerechnet“, sagt Holger Reichenauer, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Waldhessen (Dehoga). Die weiterhin geltende Testpflicht in den Innenräumen sei ein schweres Hemmnis und halte viele Gaste, die seine Branche nach dem Endlos-Lockdown jetzt dringend brauche, ab. „Das ist traurig, zumal es in Nachbarbundesländern bereits viel lockerer gehandhabt wird“, sagt der Dehoga-Vorsitzende.

Keine Maske im Unterricht?

Anders sieht es in den Schulen aus. Dort dürfen die Schüler nun zumindest während des Unterrichts im Klassenzimmer aufs Maskentragen verzichten. Wenn sie im Schulgebäude unterwegs sind, gilt allerdings noch Maskenpflicht. Schulamtsleiterin Anita Hofmann geht aber davon aus, dass es in den Schulen durchaus individuelle Regelungen geben wird. Lehrkräfte, die noch nicht vollständig geimpft sind, wünschen sich, dass in ihrem Unterricht weiterhin Masken getragen werden, hat sie gehört.

Für Einzelhändler kaum Veränderungen

Stefan Pruschwitz, Geschäftsführer der Stadtentwicklung Bebra (SEB), betrachtet die neuen Regeln mit gemischten Gefühlen. Einerseits gelte es weiterhin vorsichtig zu sein, andererseits brächten die jetzigen Lockerungen vor allem für die Einzelhändler kaum Veränderungen mit sich. „Ich bin immer für vorsichtige Lockerungen, wenn die Situation es zulässt“, sagt Pruschwitz. Der Wegfall der Quadratmeterbeschränkung helfe den Händlern aber kaum. „Das ist nicht das Problem“, so seine Erfahrung.

Vorsicht gefällt nicht allen

Die Lockerungen, auf die sich Landrat Dr. Michael Koch und die 20 Bürgermeister der Kommunen für den Landkreis verständigt haben, sehen für die Öffnung der Bürger- und Dorfgemeinschaftshäuser folgende Hygieneauflagen und Kontaktbeschränkungen vor: Angelehnt an die jeweils geltenden Verordnungen des Landes muss pro anwesender Person eine Fläche von drei Quadratmetern zur Verfügung stehen – je nach vorhandener Fläche wird die erlaubte Zahl anwesender Personen also vorerst noch begrenzt. Das schließt geimpfte, getestete und genesene Menschen sowie unter 14-Jährige mit ein.

Tanz- und Gesangsveranstaltungen sind noch nicht wieder erlaubt, sportliche Betätigung von Vereinen oder Organisationen ist wie bisher nur unter Einhaltung eines Hygienekonzepts möglich.

Auch die Vereinsheime dürfen ab Montag, 28. Juni, wieder geöffnet werden. Ebenfalls wie in den DGHs müssen sich die anwesenden Personen an Hygienekonzepte halten, auch in den Vereinsheimen gilt die Drei-Quadratmeter-Regelung. Bei Veranstaltungen herrscht grundsätzlich Maskenpflicht – am Platz und im Sitzen. Bei einem Mindestabstand von 1,50 Metern kann die Maske abgenommen werden.

„Vorstände tragen die Verantwortung“

Harald Preßmann, Sprecher der Bürgermeister, sagt: „Die Öffnungsschritte bedeuten nicht, dass wir alle Vorsicht fallen lassen. Die Vereinsvorstände tragen bei der Öffnung ihrer Heime die Verantwortung.“ Wie in der Gastronomie müssten anwesende Personen einen Nachweis haben, dass sie entweder geimpft, getestet oder genesen sind.

Ab dem 28. Juni sollen auch Besuche von runden Geburtstagen und Jubiläen wieder vermehrt stattfinden. Gratulationen und Geschenke seitens der Kommunen können wieder übergeben werden – an der Haustür und mit ausreichendem Mindestabstand. Vorher sollen die Treffen telefonisch vereinbart werden.

Ab Montag, 5. Juli, gilt in den Kindertagesstätten im Landkreis wieder der uneingeschränkte Regelbetrieb. Kinder sollen jedoch auch weiterhin an den Eingangstüren der Einrichtungen abgegeben werden. Bei Eingewöhnungen müssen Eltern eine Maske tragen. Wer die Einrichtung betritt, muss geimpft, getestet oder genesen sein. Die Maskenpflicht für angestellte Fachkräfte und Erzieherinnen entfällt.

Die Städte- und Gemeindeverwaltungen im Landkreis sind grundsätzlich wieder für Publikumsverkehr geöffnet – nach wie vor wird jedoch dringend um vorherige Terminvereinbarung gebeten, wenn ein Besuch der jeweiligen Verwaltung ansteht. Im Inneren gilt weiterhin die Maskenpflicht.

Ab Montag, 5. Juli, gibt es eine Veränderung bei Sitzungen der kommunalen Gremien: Neben der Erfassung der Kontaktdaten anwesender Personen haben die Verwaltungsspitze und die Bürgermeister für den Aufenthalt am eigenen Platz – mit ausreichend Abstand zu Nachbarn – eine Empfehlung zum Maskentragen ausgesprochen. Auf dem Weg zum eigenen Platz ist das Tragen weiterhin verpflichtend.

Als Hemmnis für den Handel sieht Stefan Pruschwitz, Geschäftsführer der Stadtentwicklung Bebra (SEB), die weiterhin geltende Maskenpflicht. Zwar wolle niemand, dass sich das Virus weiterverbreite, das Masketragen halte aber immer noch viele vom entspannten Einkaufsbummel ab. Das berichteten so auch die Mieter im „be!“, die teilweise immer noch unter 50 Prozent des normalen Umsatzes machen würden. In der Bebraer Gastronomie sei man ebenfalls noch von der Normalität entfernt, sagt Pruschwitz.

Enttäuscht und verärgert

„Für unsere Branche gibt es keine weiteren Lockerungen. Gast zu sein, bleibt komplizierter als nötig. Die Politiker halten an ihrer Strategie fest, nicht nachvollziehbare und nicht einheitliche Regelungen zu treffen und unsere Branche trifft es nun zu x-ten Mal – wie soll man das noch kommentieren, irgendwann ist alles gesagt“, zeigt sich auch der Bad Hersfelder Hotelier und Gastronom Achim Kniese auf Anfrage unserer Zeitung enttäuscht und verärgert.

„Gäste sitzen lieber draußen“

Anders sieht das Harald Döttger vom Breitenbacher Hof: „Wenn das Wetter schön ist, sitzen die Gäste bei mir eh lieber draußen im Biergarten – und wegen Corona sind viele so vorsichtig, dass sie sich tatsächlich nicht gerne reinsetzen wollen“, berichtet der 55-Jährige. Die Leute hätten Angst, sich drinnen anzustecken – das sei immer noch ein großes Thema, hat der Gastwirt beobachtet. Er befürchte, dass die Lockerungen zu groß ausfallen könnten „und das Ende vom Lied ist dann, das wir wieder ganz zusperren müssen“. Das wolle er auf keinen Fall noch mal erleben. „Die Nähe zu den Gästen, das persönliche Gespräch, das macht meinen Beruf ja erst schön“, sagt der Gastwirt. Das habe er in der langen Zeit des Lockdowns sehr vermisst – „auch wenn wir unter anderem durch unsere Stammgäste beim Außer-Haus-Geschäft sehr gut unterstützt worden sind“.

Von sehr vorsichtigen und nur graduellen Veränderungen spricht Matthias Glotz, Leiter des Fachbereichs Stadtmarketing in Bad Hersfeld. Auch er sieht im Handel eher die Maske als Hemmnis als die Quadratmeterbeschränkungen.

Überrascht habe ihn die vorerst kurze Gültigkeit der neuen Regeln, die wenig Planungssicherheit mit sich bringe – weder für private Veranstaltungen noch für kommerzielle Veranstaltungen. Er vermutet dahinter Vorsicht mit Blick auf die Delta-Virusvariante. „Für die, die eingeschränkt sind, ist es nach wie vor schwierig“, so Glotz. Für die in Kürze geplanten kulturellen Freiluftangebote in kleinerem Rahmen in Bad Hersfeld sieht er derzeit aber keine Gefahr. (Peter Gottbehüt/Nadine Maaz/Christine Zacharias)

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