Hohe Nachfrage wegen Festspielen

Hersfeld-Rotenburg: Coronatest-Boom an Wochenenden, einige Zentren schon wieder zu

Hat seit einer Woche schon wieder geschlossen: das Testzentrum im Kesselhaus am Bebraer Bahnhof.
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Hat seit einer Woche schon wieder geschlossen: das Testzentrum im Kesselhaus am Bebraer Bahnhof.

Die Nachfrage nach Corona-Schnelltests im Kreis Hersfeld-Rotenburg hat sich in den vergangenen Wochen verschoben.

Hersfeld-Rotenburg – Anfangs, im März und April, nahmen die Menschen die Angebote der Testcenter vornehmlich unter der Woche wahr. Mittlerweile bilden sich hauptsächlich am Wochenende Schlangen vor den Centern – vor allem in Bad Hersfeld und Rotenburg.

„In Bad Hersfeld verzeichnen wir einen enormen Absatz, am Wochenende verlängern wir sogar unsere Test-Zeiten“, sagt Angelika Stolle, Geschäftsführerin der „Weißen Elfen“, die in Bad Hersfeld, Breitenbach/H., Hauneck, Haunetal und Kirchheim Tests anbieten. „Allein am vergangenen Samstag waren es in Bad Hersfeld 342 Tests.“ Grund für diesen Boom seien die Festspiele.

Ähnliches berichtet Klinikumsprecher Werner Hampe für das Drive-In-Testzentrum am Klinikum-Parkplatz: „Die Nachfrage ist unverändert hoch.“ An Wochentagen ließen sich rund 250 Menschen testen, am Wochenende seien die jeweils 150 Termine in der Regel ausgebucht. Das extra im Stift aufgebaute Testcenter für die Festspiele sei ebenfalls gut besucht.

Abseits der Festspiele nimmt die Nachfrage allerdings vielerorts ab. In Bebra und Rotenburg haben erste Anbieter sogar schon wieder geschlossen. „Wir machen eine Pause, der Bedarf ist aktuell sehr niedrig“, sagt Oberin Karla Krause-Heid vom Kreiskrankenhaus (KKH). Während sich im April und Mai noch rund 80 Menschen täglich im KKH testen ließen, seien es zuletzt nur noch rund zehn gewesen. Krause-Heid: „Mit steigender Impfquote lässt die Testnotwendigkeit nach.“ Sollte der Bedarf wieder steigen, werde das Testzentrum reaktiviert. Das Center im Bebraer Lokschuppen pausiert bereits seit einer Woche. „Die Nachfrage ist deutlich geringer geworden“, begründet Michael Heise von der Elch-Apotheke diesen Schritt. Auch personelle Engpässe hätten eine Rolle gespielt.

Auch im Testzentrum mit der größten Kapazität weit und breit (120 Tests pro Stunde), im Testzentrum Werratal in Heringen, sei die Nachfrage „deutlich weniger geworden“, wie Betreiber Stefan Göbel auf Nachfrage mitteilt.

Die niedrige Corona-Inzidenz einerseits und die steigende Impfquote andererseits sorgen offenbar dafür, dass sich vor allem unter der Woche weniger Menschen testen lassen. Das geht zumindest aus einer Umfrage unserer Redaktion in verschiedenen Testzentren hervor.

18 Kommunen haben ein Testzentrum

Seit März können sich alle Bürger mindestens einmal wöchentlich mit einem Schnelltest testen lassen. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg gibt es nach Auskunft des Landkreises derzeit in 18 von 20 Kreiskommunen mindestens ein Schnelltestzentrum. Während einzelne Zentren in Bad Hersfeld, Heringen und Rotenburg täglich geöffnet haben, bieten andere in kleineren Gemeinden Tests nur an einem Tag in der Woche an.

„Anfangs brauchten die Menschen Tests für den Friseur und Geschäfte, jetzt geht es eher um kulturelle Veranstaltungen, Konfirmationen und touristische Aktivitäten“, sagt beispielsweise Dietrich Grimme von der Hubertus-Apotheke, die mit dem DRK-Ortsverein in Rotenburg ein Testzentrum betreibt.

Während in Bad Hersfeld wegen der Festspiele und in Rotenburg auch aufgrund erster Schließungen anderer Zentren die Nachfrage speziell an Wochenenden zuletzt zugenommen hat, sinkt sie in zahlreichen kleineren Kreiskommunen.

„Außerhalb von Bad Hersfeld ist die Nachfrage rückläufig“, sagt etwa Angelika Stolle, Geschäftsführerin der „Weißen Elfen“, die auch Breitenbach am Herzberg, Hauneck, Haunetal und Kirchheim Testcenter betreibt. Das Angebot dort solle vorerst aufrechterhalten bleiben, einzelne Öffnungszeiten würden aber eventuell verkürzt.

„Die Nachfrage ist fast nicht mehr planbar“, sagt Stefan Göbel von der Brückenapotheke, der im Heringer Bürgerhaus zusammen mit der Stadt das Testzentrum Werratal betreibt. Die Nachfrage sei in den vergangenen Wochen insgesamt merklich zurückgegangen und schwanke derzeit extrem, so Göbel: „Es gibt Tage, da kommen in acht Stunden 40 Menschen, und dann gibt es Tage mit Großveranstaltungen, an denen sind wir plötzlich komplett ausgebucht.“

Grundsätzlich werben die Betreiber kreisweit dafür, sich trotz niedriger Inzidenzen – der Wert lag gestern bei 0,8 im Landkreis – weiterhin testen zu lassen. „Vor allem die, die noch nicht vollständig geimpft sind, sollten das Angebot wahrnehmen und sich testen lassen“, appelliert Saskia Hildwein von der Bad Hersfelder City-Apotheke. „Wir befinden uns im Wettlauf mit der Delta-Variante und den können wir nur gewinnen, wenn wir schneller impfen und weiterhin viel testen.“

Am Ende des Tages spielt das Finanzielle für die Betreiber der Testzentren auch eine Rolle. Durften die Zentren zu Beginn der bundesweiten Schnelltestoffensive noch 12 Euro brutto pro Testabnahme und bis zu 6 Euro pro Testkit abrechnen, also maximal 18 Euro pro Schnelltest, sind es jetzt nur noch 11,50 Euro: 8 Euro gibt es pauschal für jede Testabnahme und 3,5 für jedes Testkit.

„Hyperlukrativ ist das für uns natürlich nicht“, sagt Dietrich Grimme von der Rotenburger Hubertus-Apotheke. „Aber da die Menschen Testmöglichkeiten benötigen, werden wir die Tests auch trotz geringerer Vergütung anbieten.“ (Sebastian Schaffner)

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