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Kreis Hersfeld-Rotenburg wappnet sich gegen Blackout

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Von: Sebastian Schaffner

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Wie gut sind wichtige Einrichtungen für den Ernstfall gewappnet? Dieser Frage geht der Landkreis mit dem Fraunhofer-Institut IEE jetzt mit ihrem Konzept „Energy-Islands“ nach. Auch das Feuerwehrgerätehaus in Rotenburg, das auf dieser Luftaufnahme zu sehen ist,  ist ein potenzielles Demonstrationsobjekt.
Wie gut sind wichtige Einrichtungen für den Ernstfall gewappnet? Dieser Frage geht der Landkreis mit dem Fraunhofer-Institut IEE jetzt mit ihrem Konzept „Energy-Islands“ nach. Auch das Feuerwehrgerätehaus in Rotenburg (Foto) ist ein potenzielles Demonstrationsobjekt. © Bernd Krautkremer

Vom Krankenhaus bis zur Kläranlage - ein langer Stromausfall hätte verheerende Folgen. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg bastelt an einem Konzept zur Vorbeugung.

Hersfeld-Rotenburg – Wenn im Kreis Hersfeld-Rotenburg über einen längeren Zeitraum der Strom ausfällt, droht ein Kollaps. Um gegen einen Blackout besser gewappnet zu sein, entwickelt der Landkreis mit dem Kasseler Fraunhofer-Institut IEE ein Versorgungskonzept auf Basis regenerativer Energien. Das Konzept ist Teil eines bundesweiten Wettbewerbs. Im Erfolgsfall winkt eine millionenschwere Förderung.

„Wir arbeiten daran, unsere kritische Infrastruktur widerstandfähiger gegen flächendeckende Stromausfälle zu machen“, sagt Marius Bartholmai vom Fachdienst Gefahrenabwehr, der für die wissenschaftliche Ausarbeitung des Projekts zuständig ist. Ziel ist es, Krankenhäuser, Stadtwerke, Behörden und andere wichtige Einrichtungen so auszustatten, dass sie im Ernstfall unabhängig vom Stromnetz sind.

1500 gefährdete Einrichtungen

Insgesamt gebe es kreisweit rund 1500 Einrichtungen, die zur kritischen Infrastruktur zählen, sagt der 33-Jährige nach einer Abfrage aller 20 Kreiskommunen: darunter die zentrale Rettungsleitstelle für den Katastrophenschutz und Rettungsdienst, Apotheken, Arztpraxen, Polizei, Kläranlagen, aber auch der Güterverkehr, Nahrungsmittelbetriebe sowie Logistikunternehmen.

Energieversorgungsinseln einrichten

„In der Leitstelle haben wir ein Dieselaggregat, mit dem wir uns im Notfall versorgen können“, sagt der Ronshäuser, der dort als Disponent arbeitet. „Eine Kläranlage hat das meist nicht. Wenn die Kläranlage aber nicht mehr läuft, haben wir ein riesengroßes Problem.“ Deshalb schauen die Katastrophenschützer mit dem IEE und ihren fast ein Dutzend Partnern, wo es sinnvoll ist, sogenannte Energieversorgungsinseln einzurichten. „Das kann eine Photovoltaikanlage sein oder auch ein Blockheizkraftwerk“, erklärt Bartholmai. Auch sei es möglich, mit der Kombination aus Solarstrom und Batteriespeichern Verbrauchspitzen abzufangen. Dadurch könnten die Netzersatzanlagen kleiner ausfallen.

Arbeitet in der Rettungsleitstelle: Marius Bartholmai (33) aus Ronshausen.
Arbeitet in der Rettungsleitstelle: Marius Bartholmai (33) aus Ronshausen. © Sebastian Schaffner

Ein Altenheim beispielsweise müsse laut Bauordnung kein Notstromaggregat haben. „Es hält in der Regel auch kein Altenheim so eine Anlage vor, weil sie sich wirtschaftlich oft kaum lohnt“, sagt der studierte Biologe, „dabei wäre es super, wenn jedes Altenheim eine hätte.“

PV-Anlage auf dem Dach

Was schlägt er also vor? „Zum Beispiel eine PV-Anlage auf dem Dach. Sie könnte einerseits ein kleines Blockheizkraftwerk im Ernstfall am Laufen halten und andererseits in Nicht-Krisenzeiten die Energiekosten senken“, sagt Bartholmai, der mit seinen Kollegen um Martin Orf und Fachdienstleiter Thorsten Bloß nun verschiedene Szenarien durchspielt und schaut, wo welche Energieinseln Sinn ergeben.

Grundannahme der Szenarien ist ein bundesweiter Stromausfall, der 72 Stunden andauert. „Wenn einmal alles down ist, könnte es durchaus so lange dauern, bis wieder alles hochgefahren ist“, sagt Bartholmai. Während dieser Zeit gehe es darum, Licht und fließendes Wasser zu haben sowie Pflegebedürftige und kranke Menschen zu versorgen. „In so einer Situation spielt Luxus keine Rolle. Da geht es nur noch um Grundbedürfnisse.“

Hackern keine Infos liefern

Viel mehr Details, etwa darüber, welche Einrichtungen konkret in die Szenarien eingebunden sind, darf der 33-Jährige allerdings nicht verraten, weil er Hackern und anderen Kriminellen keine Informationen über mögliche Schwächen der heimischen Infrastruktur liefern möchte.

Die erste Wettbewerbsrunde hat das Projekt übrigens als einziges aus Hessen überstanden. Mit ihm stehen 13 weitere kommunale Mitbewerber aus ganz Deutschland in der nächsten Runde. Bis Ende November werden diese Projekte mit jeweils bis zu 250 000 Euro gefördert.

Spannend wird es Ende des Jahres. Dann werden die fünf besten Projekte ausgewählt und in die Praxis umgesetzt. Für die fünf Gewinner stehen dann insgesamt 30 Millionen Euro zur Verfügung.

Arbeit in keinem Fall umsonst

Und wenn es „Energy-Islands“ nicht schafft? Dann sei die Arbeit nicht umsonst gewesen, betont Marius Bartholmai. „Durch die Ausarbeitungen haben wird eine große Menge Grundlagedaten erhoben, die in unserer Einsatzplanung und für zukünftige Beschaffungen im Katastrophenschutz wichtig sind.“ Zudem hätten sich neue Kontakte und Kooperationen zwischen Unternehmen und dem Katastrophenschutz des Landkreises ergeben. „Allein das ist ein hoher Zugewinn.“

Kontakt: energy-islands@hef-rof.de

(Sebastian Schaffner)

Wettbewerb ist mit 33,5 Millionen Euro dotiert

Mit ihrem Energieinsel-Projekt „Energy-Islands-HeRo“ treten der Fachdienst Gefahrenabwehr und das Fraunhofer-Institut IEE beim sperrig klingenden Wettbewerb „SifoLife - Demonstration innovativer, vernetzter Sicherheitslösungen“ an. Ziel des vom Bundesforschungsministerium mit insgesamt 33,5 Millionen Euro geförderten Wettbewerbs ist es, dass Städte und Landkreise wegweisende Ideen für den Katastrophenschutz erproben. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg und das Fraunhofer-Institut haben sich dafür fast ein Dutzend Partner an Bord geholt: die Städte Rotenburg und Bad Hersfeld, die Gemeinde Alheim, die EAM, die Deutsche Bahn, das Polizeipräsidium Osthessen, die Landesfeuerwehrschule, das Bundesamt für Katastrophenschutz, das hessische Innenministerium und die Landesbetriebe Landwirtschaft sowie Bau und Immobilien. (ses)

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