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Missbrauch: Immer mehr Betroffene suchen Hilfe bei Beratungsstelle in Bad Hersfeld

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Von: Christine Zacharias

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In den allermeisten Missbrauchsfällen finden sich die Täter im Kreis der Bekannten oder der Familie.  (Symbolbild)
In den allermeisten Missbrauchsfällen finden sich die Täter im Kreis der Bekannten oder der Familie. (Symbolbild) © picture alliance / dpa

Die Zahl der Beratungen von Missbrauchsopfern steigt auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Sie hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.

Hersfeld-Rotenburg – Es ist in der Regel nicht der große Unbekannte, der sexualisierte Gewalt an Kindern ausübt. In den allermeisten Fällen sind es Stiefväter, Großväter, leibliche Väter, Geschwister, andere Verwandte oder Bekannte der Familie, sagt Nadine Günther, Kinderschutzfachkraft und traumazentrierte Fachberaterin in der Beratungsstelle „Halte.Punkt“ der Pro Familia. Immer mehr Betroffene melden sich bei ihr. Die Zahl der Beratungen habe sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, berichtet Günther.

Waren es vorher maximal 60 Beratungen im Jahr seien es aktuell 140. Immer mehr Anfragen aus allen Bereichen würden gestellt, sagt Günther. Dabei seien sowohl Kinder und Jugendliche, die sich im Anschluss an eine Informationsveranstaltung in der Schule offenbarten oder sich über die App in der Beratungsstelle meldeten als auch Eltern, Lehrkräfte und Erzieherinnen, die einen Verdacht hätten. Außerdem benötige jede Kita und jede Schule ein Schutzkonzept, bei dessen Erarbeitung Nadine Günther ebenfalls unterstützt. Es sei dringend erforderlich, die Arbeit auszuweiten, betont sie.

Nadine Günther, Kinderschutzfachkraft und traumazentrierte Fachberaterin in der Beratungsstelle „Halte.Punkt“ der Pro Familia in Bad Hersfeld
Nadine Günther © Christine Zacharias

Nadine Günther geht davon aus, dass nicht nur mehr Menschen Rat suchen, die sich bisher nicht getraut haben, sondern, dass auch die Zahl der Fälle steigt. Besonders problematisch sei die Flut von pornografischen Bildern und Filmen im Internet. „Es ist zunehmend schwieriger geworden, Kinder zu schützen“, weiß die Fachberaterin. Zwischen 12 und 14 Jahren hätten die meisten Kinder schon pornografisches Material gesehen. Viele Kinder würden mit Nacktfotos erpresst. Zudem werde über die Pornos ein Bild von Sexualität und Beziehungen vermittelt, das nicht realistisch sei.

„Strafmaß viel zu gering“

Mit Unterstützung amerikanischer Ermittler, die weniger von Datenschutzvorgaben eingeschränkt würden, als in Deutschland, hätte auch die deutsche Polizei mehr zu tun. Beamte tauchten regelmäßig in Schulen auf und fragten, ob Lehrkräfte Kinder auf Fotos erkennen. Das Strafmaß bei sexuellem Missbrauch sei viel zu niedrig und „ein Witz“, kritisiert Günther. Davon werde niemand abgeschreckt. (Christine Zacharias)


Das sagt die Polizei

Die Erfahrung, dass immer mehr Betroffene von sexuellem Missbrauch Rat suchen, spiegelt sich nicht in der polizeilichen Statistik wider. Es habe keine signifikante Steigerung der Fallzahlen gegeben, erklärt Patrick Bug, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Osthessen. In den vergangenen Jahren wurden im Kreisgebiet jährlich zwischen 25 und 19 Missbrauchsfälle bei Kindern angezeigt und einer bei Jugendlichen. Auf die Bekämpfung dieser Delikte legt die osthessische Polizei ein Hauptaugenmerk, betont Bug. (zac)

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