Zumindest für die Abschlussklassen

Mit möglichst wenig Kontakt: Am Montag öffnen die Schulen im Landkreis wieder

17.04.2020, Baden-Württemberg, Mannheim: Stühle stehen in einem Klassenraum der Uhlandschule, einer Grund- und Werkrealschule. Foto: Uwe Anspach/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
+
Bald sollen sich die Klassenräume wieder füllen - allerdings mit weniger Schülern als üblich, damit der Abstand eingehalten werden kann.

In den Schulen des Landkreises Hersfeld-Rotenburg wird mit Hochdruck daran gearbeitet, angemessene Rahmenbedingungen für den Unterricht in Corona-Zeiten zu schaffen.

Ab kommenden Montag sollen die Abschlussklassen wieder ihre Schulen besuchen.

Das heißt, Kinder und Jugendliche der Grundschulen (Klasse 4), der Haupt- und Realschulen (Klassen 9 und 10) sowie die der Qualifizierungsphase 2 (Oberstufe) kehren zurück. Auch an den Beruflichen Schulen und den Fachoberschulen bekommen die Abschlussklassen wieder Unterricht.

An den allgemeinbildenden Schulen werden zunächst 20 Stunden Unterricht erteilt. Und weil das Thema Hygiene einen zentralen Raum einnimmt, haben sich die Schulen auf unterschiedliche Art darum gekümmert, dass sich die Schüler außerhalb dieses Unterrichts so wenig wie möglich begegnen müssen – wohlwissend, dass die Jungen und Mädchen sich eigentlich auf den Kontakt untereinander freuen.

Kleinere Lerngruppen aufgeteilt

Maximale Gruppengröße ist 15, doch haben sich die Schulen von sich aus um möglichst kleinere Lerngruppen bemüht. „Unsere Räume sind gar nicht groß genug, um jedem Schüler den vorgeschriebenen Abstand von 1,5 Metern zu ermöglichen, wenn wir 15 Schüler in den Raum lassen“, sagt Kerstin Glende, die Leiterin der Gesamtschule Obersberg in Bad Hersfeld. Die 70 Schüler wurden in Gruppen zu maximal neun Jugendlichen aufgeteilt.

Am Obersberg und auch an der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg mit etwa 200 betroffenen Schülern werden die Lerngruppen zudem in unterschiedlichen Gebäudeteilen untergebracht. Die Grimm-Schüler zum Beispiel müssen drei verschiedene Eingänge benutzen.

Beim Landkreis als Schulträger gibt es eine Reihe von Vorgaben, die die Fachdienstleiterin der Schulen, Anja Csenar, gemeinsam mit dem Gesundheitsamt erarbeitet hat. Nach ihren Angaben müssen die Reinigungskräfte besonderes Augenmerk auf häufig genutzte Oberflächen legen wie Türgriffe oder Geländer. Mehrere Schulleiterinnen sprechen sich für den Gebrauch von einfachem Mundschutz aus. 

Nicht alle Lehrer dürfen zurück in die Schule

Unterrichtsbeginn in Coronazeiten – das fordert auch Lehrkräften ein hohes Maß an Flexibilität und Krisenmanagement ab, ist die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Anita Hofmann, überzeugt. Denn nicht alle Lehrer dürfen zurück in die Schule: Schwangere und Stillende sowie Kollegen mit Vorerkrankungen stehen für Unterricht vor Ort nicht zur Verfügung. 

Nicht nur sie müssen ersetzt werden. Es besteht außerdem zunehmender Bedarf an Lehrern für die Notbetreuung von Schulkindern, weil der Kreis derer, die ihre Kinder betreuen lassen dürfen, erweitert wird, wie Hofmann erklärte. Man werde Kollegen entsprechend des Bedarfs an andere Schulen abordnen müssen. 

An der Albert-Schweitzer-Grundschule in Rotenburg gibt es sechs Lehrkräfte, die zu den Risikogruppen gehören, erklärt der neue Schulleiter Eckhardt Bick. Er weiß um die Herausforderung, kleine Kinder zu bändigen, die sich wochenlang nicht sehen durften und die auch den persönlichen Kontakt zu ihren Lehrkräften brauchen. In acht Gruppen werden die Kinder aus vier Klassen nun unterrichtet, vier Stunden am Tag. Für sie wurden vier Pausenbereiche festgelegt, der Unterricht beginnt außerdem für einen Teil der Lerngruppen 15 Minuten später, damit sich die Laufwege der Kinder nicht kreuzen. Das Thema Abstand und Hygiene müssen Eltern und Kollegen den jüngsten Schülern immer wieder in Erinnerung rufen, meint Bick. 

Dass dies auch bei den älteren Schülern passiert, hofft Sabine Amlung, Leiterin der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg, die den neuen Schulalltag für etwa 200 Schüler der Abschlussklassen vorbereiten muss. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie die Schulöffnung ein wenig skeptisch sieht. Eine Maskenpflicht wäre nach Amlungs Einschätzung eine sinnvolle Voraussetzung gewesen. Sie hofft, dass möglichst viele Kinder auch ohne Pflicht mit Masken erscheinen. 

An der Geistalschule in Bad Hersfeld will man über den Förderverein Masken organisieren, am Obersberg haben Lehrkräfte sie selbst genäht. Dass es noch an Papierhandtüchern in den Klassenräumen fehlt, wie auch in den Räumen an der Gesamtschule Obersberg, bedauert Amlung. 

Beim Landkreis will man da nachbessern, erklärte Kreis-Sprecher Pelle Faust. Während sich die Schulen auf die Öffnung vorbereiten, überlegt Kreiselternbeiratsvorsitzender Arno Hagedorn (Gesamtschule Niederaula), ob eine Öffnung vor den Sommerferien mit möglichen Risiken überhaupt sinnvoll ist. Es kämen jetzt noch einige Wochen, die durch Feiertage verkürzt seien, und zwei bis drei Wochen vor Beginn der Sommerferien werde ohnehin „nichts mehr gemacht“ an den Schulen, meint er. Hagedorn spricht sich deshalb für „politische Abschlusszeugnisse“ im Haupt- und Realschulzweig aus, die ohne Prüfungen, aber leicht nach oben korrigiert ausgestellt werden könnten.

Schulbusse vermutlich leerer als sonst

Der Abstand zwischen Schülern innerhalb von Räumen lässt sich organisieren. Aber wie soll der Mindestabstand in Schulbussen eingehalten und kontrolliert werden, fragt Wiebke Maibaum vom Kreisschülerrat. Beim NVV und beim Landkreis geht man davon aus, dass die Schüler sich mit Abstand in die Busse setzen können, weil das Angebot beibehalten wird, obwohl nur ein Bruchteil der Schüler mitfährt. Eltern sollten darauf hinwirken – ebenso wie auf einfachen Mundschutz. (sis)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.