Mehrere Ausbrüche in Kitas

Hersfeld-Rotenburg: Sprunghafter Anstieg bei Corona-Fällen, Schulöffnungen ausgesetzt

Symbolbild Coronatest
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Die Corona-Fälle im Kreis Hersfeld-Rotenburg steigen sprunghaft an.

Die dritte Welle hat den Landkreis Hersfeld-Rotenburg wohl voll erfasst.

Hersfeld-Rotenburg – Durch 104 gemeldete Corona-Infektionen in den vergangenen zwei Tagen ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis sprunghaft auf 138,6 angestiegen. Der Wert lag damit den zweiten Tag in Folge über der 100er-Marke. Als Konsequenz hat das Landratsamt gestern Nachmittag mitgeteilt, weitere Schulöffnungen auszusetzen, wie zuvor auch schon die Kreise Fulda und Werra-Meißner.

Der Landkreis traf die Entscheidung, noch bevor Ministerpräsident Volker Bouffier einige Stunden später dieselbe Maßnahme für ganz Hessen verkündete. Eigentlich sollten ab 22. März Schüler ab der Jahrgangsstufe 7 im Wechselunterricht die Schule besuchen.

Landrat Dr. Michael Koch sagt: „Die aktuelle Situation lässt uns keinen Spielraum. Eine weitere Öffnung von Schulen und sonstige Lockerungen sind angesichts dieser dritten Infektionswelle nicht vertretbar.“ Eine Ausnahme bilden die Abschlussklassen, die weiterhin in Präsenz unterrichtet werden. In den Jahrgangsstufen 1 bis 6 bleibt es beim Wechselunterricht.

Rund 75 Prozent der Neuinfektionen im Kreis sind mittlerweile auf die ansteckendere britische Mutation zurückzuführen. Das mache sich auch in Betrieben und im privaten Bereich bemerkbar. Vor allem im Familienkreis bereits Infizierter gebe es zahlreiche Fälle. „Wir rechnen damit, dass die Fallzahlen in den kommenden Wochen weiter ansteigen. Es kommt jetzt darauf an, dass wir schnell handeln, um die Wucht der dritten Infektionswelle zumindest abschwächen zu können“, sagt Gesundheitsamtsleiterin Adelheid Merle.

Corona-Neuregelungen abgesehen von Kitas und Schulen gibt es vorerst nicht. Wenn der Landkreis drei Tage in Folge eine Inzidenz von über 100 hat, hat das keine automatischen Folgen.

Der massive Anstieg von Corona-Fällen im Landkreis ist auch auf mehrere Ausbrüche in Kitas zurückzuführen – ebenso wie die deutlich gestiegene Zahl von Menschen, die in Quarantäne sind. Betroffen sind 791 Kreisbewohner. Am Montag waren es noch 581.

Kita-Personal soll Masken tragen

Landrat Dr. Michael Koch und die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz betonen in einer gemeinsamen Stellungnahme: „Die Situation hat sich innerhalb weniger Tage dramatisch verschärft.“ Deswegen formulieren beide die „dringende Bitte“ an das Personal in den Kindergärten, medizinische Masken zu tragen. Das gilt zwar aus pädagogischer Sicht als hinderlich, weil gerade für die jüngeren Kinder Gestik und Mimik sehr wichtig sind. Nun müsse aber gelten, dass der gegenseitige Schutz vor dem Virus vorgehen müsse. „Nur so können wir verhindern, dass die Situation weiter eskaliert“, sagen Koch und Künholz. Sie rufen auch die für die Kitas zuständigen Bürgermeister dazu auf, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

Harald Preßmann, Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, sagte gestern auf Nachfrage: „Wir haben in der heutigen Telefonkonferenz abgesprochen, den Erzieherinnen dringend ans Herz zu legen, Masken zu tragen. Das galt bisher nicht. Wir wollen alles dafür tun, dass die Kindergärten geöffnet bleiben können. Es wäre fatal, wenn die Kinder wieder zu Hause bleiben müssen.“ Außerdem würden alle Kita-Angestellten zweimal pro Woche getestet.

Diese Kitas betroffen

Derzeit ist die gesamte Kita Kirchheim mit 151 Kindern und 28 Erzieherinnen in Quarantäne. Außerdem sind in der Evangelischen Kita der Stadtkirche Bad Hersfeld 32 Kinder und vier Erzieherinnen betroffen, 34 Kinder und vier Erzieherinnen der Gruppen „Krümel“ und „Keks“ in Bosserode und 22 Kinder und eine Erzieherin der Katholischen Kita St. Bonifatius in Bad Hersfeld.

Das Infektionsgeschehen in den Kindergärten spiegelt sich laut Landkreis-Sprecher Pelle Faust auch in der Altersstruktur der Neuinfizierten wider. Bei Kindern sei vor allem der Nachwuchs im Kindergartenalter betroffen. Bei Schulkindern sei die Infektionsquelle meist die Familie oder das engere Umfeld. In den Schulen gebe es umfassendere Hygienekonzepte als in Kitas – etwa häufiges Lüften und Maskenpflicht. Bei Coronafällen müssten nicht ganze Klassen in Quarantäne geschickt werden. Trotzdem sei es in jedem Fall sinnvoll, die weitere Schulöffnung auszusetzen. Angesichts des allgemein ansteigenden Infektionsgeschehens müsse man präventiv handeln, wie es auch die benachbarten Landkreise tun. (czi)

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