Fahrten für schwerkranke und gehunfähige Menschen

Kampf um faire Bezahlung: Taxi-Unternehmen kündigen Vertrag mit AOK Hessen

ARCHIV - Ein Taxischild spiegelt sich am 04.05.2012 in Stuttgart (Baden-Württemberg) in einem Autodach. Foto: Franziska Kraufmann/dpa (zu lsw Meldung: "Taxipreise“ vom 07.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Göttingen
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Zahlreiche Taxi-Unternehmen haben ihre Verträge mit der AOK gekündigt.

Der Fachverband Pkw-Verkehr Hessen und die Krankenkassen AOK Hessen und Knappschaft haben sich nicht auf eine neue Vergütung für Liegend- und Tragestuhlkrankenfahrten einigen können.

Hersfeld-Rotenburg – Das hat Folgen für schwerkranke AOK- und Knappschaft-Versicherte, die auf die spezialisierten Transportfahrten angewiesen sind. Rund 50 der 120 Dienstleister für Liegend- und Tragestuhlkrankenfahrten, die der Fachverband Pkw-Verkehr Hessen vertritt, haben ihren Vertrag mit der AOK Hessen und der Knappschaft zum 1. Januar gekündigt. Damit fahren 350 Autos weniger für diese beiden Kassen. Einer dieser Dienstleister ist das Taxiunternehmen von Jens Marggraf, das unter anderem einen Standort in Rotenburg hat. „Das Angebot der AOK Hessen ist weit unter dem, was andere Krankenkassen zahlen“, sagt der Firmeninhaber. Die Mitarbeiter von Jens Marggraf fahren schwerkranke und gehunfähige Menschen zu ihren Behandlungen in sämtlichen ärztlichen Einrichtungen.

AOK Hessen erklärt Forderungen für zu hoch

Die Verbandsforderungen seien laut Stephan Gill von der AOK Hessen mit Zusatzausgaben von zehn Millionen Euro im Jahr 2022 verbunden – das Gesamtvolumen betrage derzeit 14 Millionen. Das Angebot der AOK Hessen, das Mehrkosten von insgesamt fünf Millionen Euro verursachen würde, sei vom Fachverband abgelehnt worden. Die AOK sei weiterhin gesprächsbereit. Die Kündigungen der Unternehmen werden sich nicht negativ auf Versicherte auswirken, betont Gill.

Inflation, Erhöhung des Mindestlohns, hohe Spritpreise, Anschaffungs- und Reparaturkosten für die Fahrzeuge sowie ihre Ausrüstung – alles stemmen die Transportunternehmen, sagt Marggraf. Mit der derzeit von der AOK Hessen und der Knappschaft gezahlten Vergütung für die Fahrten sei das nicht möglich. Die übrig gebliebenen Dienstleister, die noch Liegend- und Tragestuhlkrankenfahrten für die AOK Hessen und die Knappschaft fahren, können zumindest im Landkreis Hersfeld-Rotenburg den Markt nicht ausreichend bedienen, sagt Kai Hebeler von Taxi Hebeler aus Friedewald: „Wir sind erst einmal weiterhin Vertragspartner der AOK.“ Die Kasse verweise ihre Kunden aus dem Landkreis an das Taxiunternehmen. „Diese Aufträge kommen also noch zu unseren Stammfahrten hinzu.“ Es überschreite die Kapazitäten der Firma. „Wir fahren auf Teufel komm raus und wollen gern alle Fahrten übernehmen. Aber wir schaffen es nicht“, sagt Hebeler. Die Leute reagieren auf Absagen verärgert. „Doch uns sind leider die Hände gebunden“, sagt er. So entstehen häufig Wartezeiten, und kurzfristige Fahrten könne das Unternehmen fast gar nicht mehr annehmen.

Mathias Hörning, Pressesprecher des Fachverbands, hofft, dass sich die AOK Hessen auf den Verband zubewegt: „Wir haben klar signalisiert, dass wir weiterhin verhandlungsbereit sind.“

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