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Debatte um Schottergärten: Umweltschützer fordern Verbot

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Naturschutz Schottergärten Schotterflächen Klaus Gärtner Hönebach Foto: Klaus Gärtner
Der Trend zu Schottergärten wächst seit Jahren. Nur langsam setzt ein Umdenken ein. © Klaus Gärtner

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind die umweltfeindlichen Schottergärten bislang nicht verboten. Es gibt aber Ansätze in diese Richtung.

Hersfeld-Rotenburg – Das Thema Nachhaltigkeit spielt gegenwärtig eine große Rolle. Demgegenüber steht der seit Jahren wachsende Trend zum Schottergarten, kritisieren Umweltverbände in Hersfeld-Rotenburg. Grünflächen werden mit Folien und grobem Schotter oder Kies bedeckt und somit versiegelt, um Bewuchs zu unterbinden. Der Beitrag zum Umweltschutz ist dabei gleich null.

Wie Flächen bebaut und gestaltet werden, wird laut Nadja Speich vom Fachdienst Bauordnung des Landkreises durch Satzungen von den Kommunen bestimmt. In Bad Hersfeld, Heringen, Rotenburg und Bebra zeigt sich ein klares Bild: Bisher seien Schottergärten nicht verboten, es gebe aber Ansätze in diese Richtung. Das teilen Meik Ebert, Pressesprecher der Stadt Bad Hersfeld, Daniel Iliev, Bürgermeister von Heringen, Christian Offer vom Verwaltungszweckverband Alheimer für die Stadt Rotenburg und Jens Meister vom Bebraer Bau- und Planungsamt mit.

Dass es kein grundsätzliches Verbot von Schottergärten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt, bedauern der Nabu Hessen und die Grünen. „Wir müssen die Trendwende schaffen“, sagt Dieter Gothe vom Nabu-Kreisverband. Einerseits könne der Niederschlag in Schottergärten nicht in den Boden eindringen. Andererseits würde die Tierwelt leiden, weil Schottergärten Insekten und Vögeln keine Nahrungs-, Versteck- und Nistmöglichkeiten bieten. Für Viele sei der Aspekt der geringeren Pflegeintensität ausschlaggebend, sich für einen Schottergarten zu entscheiden. „Dann kaufe ich mir aber doch kein Grundstück“, sagt Gothe, der diese Gartenform als „rundum negativ“ bezeichnet.

Laut Christian Offer sind Schottergärten „sogar schwieriger zu pflegen als herkömmliche Gärten“. Der Grund: Unkraut wachse zwischen den Steinen und müsse beseitigt werden. Das ließe sich laut Dieter Gothe kaum vermeiden, da die Folie mit der Zeit porös werde.

„Schottergärten sind lebensfeindlich“, sagt auch Martina Selzer, Sprecherin des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen. Weil sich die Natur langfristig nicht aufhalten lasse, kämen Pflanzengifte wie Glyphosat zum Einsatz, um geschotterte Flächen einigermaßen ansprechend zu erhalten. Vielen Grundeigentümern sei nicht bewusst, dass Schottergärten höhere Kosten für die Entwässerung verursachten. „Durch eine Überlastung bei der Entwässerung könnten Schäden am Wohngebäude entstehen, die nicht zwangsläufig von der Versicherung abgedeckt sind“, betont Jens Meister.

Gestaltung ist rechtlich geregelt

Nach § 8 der Hessischen Bauordnung gilt für Grundstücksfreiflächen, dass die nicht überbauten Flächen der bebauten Grundstücke wasserdurchlässig zu belassen oder herzustellen und zu begrünen oder zu bepflanzen sind, wenn sie nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden. Beschließen Kommunen Satzungen dazu, gelten diese. (lea)

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