SPD-Herausforderer holt 62 Prozent – Michael Koch (CDU) klar abgewählt

Hersfeld-Rotenburg: Warnecke wird Landrat - Koch ist enttäuscht

Blumen für den Wahlsieger: Staatsminister Michael Roth gratuliert Torsten Warnecke.
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Blumen für den Wahlsieger: Staatsminister Michael Roth gratuliert Torsten Warnecke (SPD).

Klarer Sieg für Torsten Warnecke: Der 58-jährige Sozialdemokrat wird neuer Landrat im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Amtsinhaber Michael Koch (CDU) zeigt sich enttäuscht.

Hersfeld-Rotenburg - Torsten Warnecke setzte sich am Sonntag mit 61,9 Prozent der Wählerstimmen gegen CDU-Amtsinhaber Dr. Michael Koch (38,1 Prozent) durch.

So deutlich ist noch niemand ins Landratsamt eingezogen, seit im Kreis der Landrat direkt gewählt wird (1997). Warneckes Vorsprung beträgt nach dem vorläufigen Endergebnis fast 11 778 Stimmen.

„Ich bin beeindruckt“, sagte Warnecke im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich hatte mit einem knappen Sieg gerechnet, aber dass es so deutlich wird, hätte ich nicht gedacht.“ Der SPD-Unterbezirksvorsitzende behielt in 18 von 20 Kreiskommunen die Oberhand, Koch holte lediglich in Haunetal und Neuenstein die Mehrheit. In Rotenburg erzielte Warnecke mit mehr als 80 Prozent der Stimmen einen Erdrutschsieg.

Dr. Michael Koch (47) zeigte sich in einer Videokonferenz enttäuscht, „denn wir haben sechs Jahre hart und gut gearbeitet. Auch im Kreistag gab es meist breite Mehrheiten.“ Gleichzeitig übernahm Koch die Verantwortung für das Ergebnis, denn es handele sich um eine Persönlichkeitswahl. „Offenbar glaubt die Mehrheit der Wähler, dass Herr Warnecke es besser kann“, sagte Koch.

Die Wahlbeteiligung lag bei 53,9 Prozent. 2422 Menschen, fast fünf Prozent, gaben einen ungültigen Stimmzettel ab – offenbar ein Zeichen, dass sie mit keinem der beiden Kandidaten zufrieden waren.

„Klare Ansage aus Rotenburg“

Er klang enttäuscht, aber gefasst. Dr. Michael Koch (CDU) hat die Landratswahl so klar verloren, wie er sie vor sechs Jahren gegen Elke Künholz (SPD) gewonnen hatte. „Ich nehme das Ergebnis an, wie es ist – das gehört zur Demokratie dazu“, sagte Koch in einer Videokonferenz am Wahlabend. Die Debatte um das Klinikum sei sicher ein wichtiger Faktor beim Wahlausgang gewesen, wie schon das Ergebnis in Rotenburg zeige, wo Warnecke über 80 Prozent geholt hat, doch nicht allein wahlentscheidend.

„Aus Berlin gab es sicher keinen Rückenwind“, sagte Koch mit Blick auf die Maskenaffäre in der CDU. Die Zusammenarbeit mit Wiesbaden sei hingegen gut gewesen. „Ich will die Verantwortung aber nicht abschieben, es ist nun mal eine Personenwahl“, so Koch.

Noch-Landrat Dr. Michael Koch bei seiner Online-Pressekonferenz.

Er bedauerte die Schärfe, die der Wahlkampf zuletzt angenommen hatte, zumal es in den sechs Jahren zuvor immer breite Mehrheiten für die meisten Entscheidungen im Kreistag gegeben habe. Mit Bitterkeit fügte er an, dass Torsten Warnecke „nun aufhören soll, Unwahrheiten zu verbreiten.“ Als Landrat müsse er nun „sechs Jahre lang mal richtig arbeiten“. Für seine eigene Zukunft gebe es noch keinen Plan B. Im Kreistag werde er aber keine Rolle übernehmen, zumal Koch noch bis August als Landrat im Amt sein werde.

Warnecke stieß derweil mit engen Mitarbeitern in der SPD-Zentrale in Bad Hersfeld auf seinen Sieg an. Dass es am Ende für ihn reichen könnte, damit hatte er gerechnet, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. „Wenn ich antrete, will auch gewinnen.“ Dass es so deutlich wurde, damit hatte er allerdings nicht gerechnet.

In 18 Kreiskommunen holte er mehr Stimmen als Amtsinhaber Koch. „Vor allem aus Rotenburg gab es eine klare Ansage“, sagte Warnecke mit Blick auf die Pläne des Klinikums, das HKZ nach Bad Hersfeld verlagern zu wollen.

Koch hatte sich als Aufsichtsratsvorsitzender immer wieder für die Verlagerung ausgesprochen. „Viele Wähler sind offenbar nicht nur nicht damit einverstanden, dass das HKZ geschlossen wird, sondern auch, wie das kommuniziert wurde.“ (Sebastian Schaffner und Kai A. Struthoff)

Hier finden Sie den Wahlticker zur Landratswahl im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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