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Corona: Viele Mini-Jobs auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg weggefallen

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Von: Mario Reymond

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Gastronomie in der Krise: Da hat selbst der Cappuccino nichts zu Lachen.
Gastronomie in der Krise: Da hat selbst der Cappuccino nichts zu Lachen. © Foto: NGG/Alireza Khalili/nh

Viele Gastro-Mini-Jobber sind in der Logistik untergekommen und werden in der Gastronomie fehlen, wenn die Corona-Situation besser wird.

Hersfeld Rotenburg – In den vergangenen zwei Corona-Jahren sind insgesamt 610 Minijobs im Landkreis Hersfeld-Rotenburg verloren gegangen. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Besonders stark betroffen davon war das Gastgewerbe. Dort gingen in diesem Zeitraum 320 Stellen auf 450-Euro-Basis flöten – ein Einbruch von 22 Prozent. Bei ihrer Erhebung bezieht sich die NGG auf Zahlen der Agentur für Arbeit.

Sollte sich die Corona-Situation jetzt ein wenig verbessern, dann könnte der Gastrobereich erhebliche personelle Schwierigkeiten bekommen. „Denn Gastro-Mini-Jobber, die nun beispielsweise in der Logistikbranche untergekommen sind, werden nie wieder zurückkehren“, erklärt Holger Reichenauer, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gastronomieverbands (Dehoga). Er begründet dies mit den doch sehr schwierigen Arbeitsbedingungen in der Gastronomie. Dort sei Arbeit an Samstagen und Sonntagen unabdingbar.

Das Wochenende frei

„Wer einmal festgestellt hat, dass es auch freie Wochenenden geben kann, der wird sich nicht um einen Job in der Gastronomie reißen“, ist sich Reichenauer sicher. Daher jage bei Dehoga ein Runder-Tisch den nächsten, um zu überlegen, wie künftig Stellen in der Gastronomie wieder besetzt werden könnten. Auch ausländische Kräfte seien da im Blick.

„Es geht nur übers Geld“

„Es geht eigentlich nur übers Geld. Da aber auch die Preise enorm anziehen, wird es schwierig, Mitarbeitern noch mehr Geld zu bezahlen“, erklärt Reichenauer. Und da kommen dann doch wieder die Mini-Jobs ins Gespräch, die nun seitens der Berliner Ampel-Koalition aufgewertet werden sollen. Danach sollen Mini-Jobber künftig 520 statt der bisher üblichen 450 Euro im Monat verdienen können – ohne dafür automatisch arbeitslosenversichert zu sein.

Mehr Geld für Mini-Jobber könnte aus Reichenauers Sicht den Mini-Job einerseits wieder interessanter machen, andererseits aber zu einer Gefahr für Festangestellte im Gastro-Bereich werden, wenn die Chefs künftig auf billigere Arbeitskräfte zurückgreifen wollen. „Die Politik baut prekäre und krisenanfällige Stellen weiter aus, statt sie einzudämmen. Das ist ein Irrweg“, kritisiert daher auch Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG-Mittelhessen.

(Mario Reymond)

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