Grüne Dächer und eigener Strom

Pflege-Resort in Hauneck: Bürger wurden informiert

Soll sich in die Landschaft einfügen: Das Anima Care Resort ist zwischen Sieglos, Eitra und Bodes geplant, wo sich jetzt noch Wiesen und Ackerflächen befinden. Die Visualisierung zeigt das Resort mit dem Demenzbereich im vorderen Bildbereich, dahinter Richtung B 27 befinden sich zwei w-förmige Zwillingsgebäude und das Gebäude mit SB-Markt und Parkflächen (rechts). Vorn im Bild verläuft die Fuldaer Straße, links die Eiterfelder Straße/Rhönstraße, rechts die B 27. Wenn möglich soll das Resort noch 2023 fertiggestellt werden. Der See ist nur eine lose Idee.
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Soll sich in die Landschaft einfügen: Das Anima Care Resort ist zwischen Sieglos, Eitra und Bodes geplant, wo sich jetzt noch Wiesen und Ackerflächen befinden. Die Visualisierung zeigt das Resort mit dem Demenzbereich im vorderen Bildbereich, dahinter Richtung B 27 befinden sich zwei w-förmige Zwillingsgebäude und das Gebäude mit SB-Markt und Parkflächen (rechts). Vorn im Bild verläuft die Fuldaer Straße, links die Eiterfelder Straße/Rhönstraße, rechts die B 27. Wenn möglich soll das Resort noch 2023 fertiggestellt werden. Der See ist nur eine lose Idee.

Die Pläne für das als einzigartig angepriesene Pflege-Resort in Hauneck sind jetzt auch den Bürgern vorgestellt worden.

Hauneck – Etwas mehr als 200 Interessierte hatten sich im Vorfeld für die zwei von der Gemeinde und den Beteiligten organisierten Informationsveranstaltungen angemeldet. Dabei gab es neben kritischen Fragen auch Lob.

Als Chance für den gesamten Kreis Hersfeld-Rotenburg bezeichnete Landrat Dr. Michael Koch das in der 3200 Einwohner kleinen Gemeinde geplante Vorhaben, das auf sieben Hektar oberhalb der Bundesstraße 27 entstehen soll. Betroffen sind die Gemarkungen Eitra, Bodes und Sieglos. Wie bei jedem Großprojekt müsse man die Vor- und Nachteile abwägen, wobei kritische Diskussionen durchaus erwünscht seien. Insgesamt überwögen seiner Einschätzung nach aber die Vorteile, so Koch mit Blick auf den künftigen Pflegebedarf und die in Aussicht gestellten Arbeitsplätze. Er werde das Vorhaben unterstützen, so gut es ihm möglich sei.

Miniaturformat: Anhand eines Modells sollten sich die interessierten Bürger einen Überblick über Lage und Aufbau des Anima Care Resorts verschaffen können.

Unter dem Titel Anima Care Resort soll ein deutschlandweit einzigartiges und innovatives Pflegezentrum inklusive Pflegeheim, -hotel und Demenzdorf entstehen, das sich architektonisch in die Landschaft einfügt und komplett mit regenerativer Energie versorgt wird (unsere Zeitung berichtete bereits). Tagespflege soll dort ebenso möglich sein wie die Betreuung und Versorgung von Wachkomapatienten. Außerdem sind in diesem Zuge 100 neue Wohnungen im Gemeindegebiet vorgesehen. Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen ist das Resort aufgrund der Spezialisierung nicht, betonte Bürgermeister Harald Preßmann.

Die Planer hoffen auf eine Baugenehmigung bis Ende 2021, geplante Bauzeit: zwei Jahre. Coronabedingt habe man bisher sechs Wochen verloren. Auch die Regionalversammlung muss noch zustimmen.

Hinter dem geplanten Pflegezentrum steckt die eigens dafür gegründete Betreiber- beziehungsweise Projektgesellschaft Anima Care Resort GmbH & Co. KG. Geschäftsführer ist Ralf Baumgardt, der die Gemeinde gut kennt. Anima mit Sitz in Grebenhain blickt eigenen Angaben nach auf mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Pflege zurück. Den Startschuss hatten die Gemeindevertreter im Juni gegeben, als sie der Änderung des Flächennutzungs- und des Bebauungsplans zustimmten.

Fragen und Antworten

Worum ging es bei den Infoveranstaltungen?
Zum Einen haben die Projektverantwortlichen anhand von Kurzvorträgen und bebilderten Präsentationen die Pläne zum Bauleitverfahren, zum geplanten Pflege- und Wohnungsbau, zum übergeordneten Pflegekonzept und zur CO2-neutralen Energieversorgung vorgestellt. Zum Anderen hatten die Bürger die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern. Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann warb in diesem Sinne auch noch einmal dafür, miteinander statt übereinander zu sprechen. Erste Details waren auch schon vor der Gemeindevertretersitzung Mitte Juni bekannt gegeben worden, als die notwendigen Änderungen des Flächennutzungs- und des Bebauungsplans beschlossen wurden. Gleichzeitig hatten die jetzigen Veranstaltungen mit Blick auf die Beteiligung der Öffentlichkeit auch einen rechtlichen Hintergrund.
Wo genau und wie soll gebaut werden?
Wie bereits berichtet soll das Resort sozusagen zwischen den Ortsteilen Sieglos, Eitra und Bodes gebaut werden, wo sich jetzt noch Wiesen und Ackerflächen befinden. Umschlossen wird die Fläche quasi von der B 27, Fuldaer Straße, Eiterfelder Straße/Rhönstraße und Sandweg (siehe Visualisierung). Für die angedachten Wohngebäude gibt es noch keinen konkreten Standort, aber man habe zwei Eisen im Feuer, so der Bürgermeister.
Für die Planer macht die zentrale Lage der Gemeinde den Standort besonders attraktiv, wie Diplom-Ingenieur Immo Zillinger vom Ingenieurbüro Zillinger, erklärte. Die Besonderheiten der Natur- und Kulturlandschaft der Kuppenrhön-Region spielen bei der Konzeption eine wesentliche Rolle, hieß es. „Der Wert der landschaftlichen Umgebung des Grundstücks ist uns nicht nur bewusst, sondern für unsere Bauplanungen von zentraler Bedeutung“, so Diplom-Ingenieur/Architekt Gunther Götz von bgf+ Architekten. Sowohl die naturnahe Architektur mit Holzverkleidung und begrünten Dächern als auch die Innenarchitektur sollen sich in die Landschaft einfügen.
Mit dem neuen Pflegezentrum sollen Plätze der Pflegestufe „F“, stationäre Pflegeplätze, Tagespflegeplätze sowie Demenzpflegeplätze und Kurzzeitpflegeplätze entstehen. Zusätzlich sind für das angeschlossene Health Resort Hotel 48 barrierefreie Doppelzimmer geplant, die auch von Angehörigen belegt werden könnten. Für einen Teil der knapp 300 benötigten Mitarbeiter und für betreutes Wohnen sollen die circa 100 Wohnungen entstehen sowie eventuell eine Kindertagesstätte. Als weiterer Bestandteil ist auf dem Areal ein Supermarkt mit 1200 Quadratmetern geplant. 250 der rund 350 benötigten Parkplätze sollen unsichtbar darunter angelegt werden.
Was macht das Resort so besonders?
Einzigartig ist laut der Planer nicht nur das pflegerische Gesamtkonzept, wie Stefan Weinz von der Lilien Pflegegesellschaft betonte, der das Anima Care Resort für eine „einmalige Sache“ hält. Das fortschrittliche Projekt sei außerdem energie-, ressourcen- und umweltschonend konzipiert. Die am Hang oberhalb der B 27 Richtung Haunetal vorgesehene eigene Photovoltaikanlage soll so viel Solarstrom erzeugen, dass die gesamte Anlage mit regenerativer Energie versorgt werden könne, erläuterte Uwe Hoffmann von Terra Value Consulting. Die Regelenergie werde über Brennstoffzellen erzeugt, der dafür benötigte Wasserstoff werde ebenfalls vor Ort produziert. Auch sollen Fahrzeuge des Anima Care Resorts mit Wasserstoff betrieben werden.
Wie soll das Großprojekt finanziert werden?
Das fragten sich auch einige Bürger, denn eine Summe im dreistelligen Millionenbereich erscheint nicht unrealistisch. Der Projektverantwortliche Harald Ebert sprach diesbezüglich von mehreren Stufen und Töpfen von Eigenkapital über verschiedene Investoren bis hin zur klassischen Finanzierung über die Banken. Vertreter der Sparkasse, des VR-Bankvereins und der VR-Bank Nordrhön saßen am Montagabend auch im Publikum. „Die Finanzierung passt“, meinte Bürgermeister Preßmann, selbst ehemaliger Banker. Auch er sei anfangs sehr skeptisch gewesen, aber nun überzeugt.
Wie sollen die Gemeinde und Bürger profitieren?
Laut Preßmann könnten die Bürger etwa durch den Bau eines neuen Kindergartens, des Hotels und Supermarkts profitieren. Bei steigender Einwohnerzahl seien zudem sinkende Gebühren etwa für Wasser und Abwasser sowie höhere Einnahmen bei der Einkommenssteuer zu erwarten. „Man kann dem Bürgermeister zu so einem Projekt, das auch andere gerne gehabt hätten, nur gratulieren“, so Landrat Dr. Michael Koch.
Welche Fragen und welche Bedenken gab es?
Fragen aus dem Publikum gab es – neben Lob und Zuversicht – unter anderem zu möglichen innerörtlichen Verkehrsbelastungen, diese sollen sich aber in Grenzen halten, da der Großteil des Verkehrs über die Fuldaer Straße anfahren soll. Unsicher ist derzeit noch der Trassenverlauf der geplanten Schnellbahnstrecke, und da eine Variante südlich am Resort vorbeiführt, müsste das Thema Lärm eventuell noch mal neu bewertet werden. Preßmann hält diese Trasse aber für unwahrscheinlich.

Eine Videoaufzeichnung soll in Kürze unter www.hauneck.de und www.anima-care-resort.de zu finden sein.

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