Gemeinde will die Bürger von Fahrpreisen befreien

Kostenlos mit dem NVV durch Ludwigsau

Vermummte Gemeindevertretung: Wegen Corona behielten alle Gemeindevertreter auch während der Sitzung in der Besengrundhalle ihre Masken auf.
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Vermummte Gemeindevertretung: Wegen Corona behielten alle Gemeindevertreter auch während der Sitzung in der Besengrundhalle ihre Masken auf.

Die Gemeinde Ludwigsau hat sich den Klimaschutz nicht nur auf die Fahnen geschrieben, sie will damit auch ernst machen. Die Ludwigsauer sollen nun die NVV-Busse kostenlos nutzen dürfen.

Ludwigsau – Das Gemeindeparlament hat am Montagabend einstimmig einen SPD-Antrag verabschiedet, wonach der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ab dem 1. Januar 2021 für alle Bürger der Gemeinde innerhalb Ludwigsaus kostenfrei nutzbar sein soll. Für Fahrten in die Kreisstadt Bad Hersfeld soll künftig nur noch die Preisstufe 1, also der Stadttarif, gelten.

Die Gemeinde will damit einen „wichtigen Beitrag zu den globalen Bestrebungen zur Minimierung der belastenden Luftemissionen“, leisten, erklärte der SPD-Fraktionschef Frank Sandrock bei der Einbringung des Antrags. Der Anteil der Wege, die mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV zurückgelegt werden, stagniere seit Jahren, wohingegen der motorisierte Verkehr ständig zunehme.

Fahrplanangebot erweitern

Gleichzeitig reiche das Fahrplanangebot in der Gemeinde nicht aus. Zudem müssten die Fahrpläne auch auf das Angebot des Cantus und der Bahn ausgerichtet sein, damit möglichst viele Menschen das Angebot nutzen. „Das Rohrbachtal ist davon aber abgeschnitten“, kritisierte Sandrock. Hier gelte es, klare Zeichen und ein Angebot der Gemeinde Ludwigsau zu setzen, forderte Sandrock. Bundesweit werde derzeit überall über kostenlosen ÖPNV oder sogenannte Bürgertickets diskutiert. Die Erlösausfälle, die dem NVV durch ein kostenloses Angebot in Ludwigsau entstehen würden, sollen laut SPD-Antrag durch die Gemeinde ausgeglichen werden.

Die SPD schlägt dafür eine noch auszuhandelnde Regelung zwischen Gemeinde und NVV vor und veranschlagt maximal 50 000 Euro pro Jahr, die im Haushalt 2021 und in den Folgejahren bereitgestellt werden sollen.

Für die WGL begrüßte deren Vorsitzender Wolfgang Weber den SPD-Antrag und auch den Vorschlag, dem NVV die Erlösausfälle zu erstatten. Er plädierte aber dafür, die tatsächliche Nutzung „genau im Blick zu behalten, denn wir haben kein Geld zu verschenken.“

Zuvor hatte die WGL einen eigenen Antrag eingebracht, wonach der Gemeindevorstand zusammen mit dem NVV im neuen Fahrplan eine Anbindung von Oberthalhausen und eine Bushaltestelle am Besengrundcenter im Bereich des Rewe- und Norma-Marktes vorsehen soll. Dafür solle eine Planungsgruppe eingerichtet werden. „Wir dürfen den Busfahrplan nicht vernachlässigen, auch vor dem Hintergrund einer älter werdenden Bevölkerung“, mahnte Weber.

Dem widersprach Bürgermeister Wilfried Hagemann. Er berichtete, dass ein Mitarbeiter des NVV vor Ort die Fahrpläne überprüfen werde. „Das Ding ist am Laufen, wir brauchen keine Planungsgruppe“, sagte er, wurde aber vom Parlament überstimmt. (Kai A. Struthoff)

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