Ex-Patient kritisiert vollen Speisensaal

Leitung kontert Corona-Kritik an Vitalisklinik: „Patienten fühlen sich wohl“

Das Archivbild zeigt den Eingangsbereich der Vitalisklinik in Bad Hersfeld.
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Die Vitalisklinik in Bad Hersfeld.

Kritik an seiner Meinung nach nicht coronagerechten Zustände vor allem im Speisesaal der Bad Hersfelder Vitalisklinik übt ein Ex-Patient. Die Klinikleitung kontert.

Bad Hersfeld – So hatte sich Alexander Walter Ueckerseifer aus Burbach seinen erneuten Reha-Aufenthalt in der Bad Hersfelder Vitalisklinik nicht vorgestellt. Er kritisiert seiner Meinung nach nicht coronagerechte Zustände vor allem im Speisesaal, aber auch an anderen Stellen. Die Klinikleitung weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Man tue im Gegenteil sogar mehr als verlangt.

Nach einer großen Bauch-OP sei er vor Kurzem zur Anschlussbehandlung in die Vitalisklinik gekommen, berichtet Ueckerseifer, wo er sich bei früheren Aufenthalten immer sehr wohl gefühlt habe. Über das Hygienekonzept sowie die entsprechenden Regeln und Maßnahmen habe er sich vorab telefonisch erkundigt, doch vor Ort habe er sich schließlich überhaupt nicht sicher gefühlt, vor allem im Speisesaal, wo man dreimal pro Tag hin müsse.

„Alles war wie vor zwei Jahren“, meint der 50-Jährige, von einer geringeren Belegung habe er nichts feststellen können. „Viel zu viele Leute und kein Abstand“, so sein Eindruck. Zwar gebe es nun geteilte Zeiten, aber vermutlich würden sich die Schichten überschneiden. Von Krontrollen habe er nichts mitbekommen. „Gerade für Kranke und frisch Operierte ist das unverantwortlich“, meint der Burbacher und verweist auf kritische Berichte über die Kantinen von Schlachtbetrieben und Ballermannpartys.

Auf den Gängen werde zudem die Maskenpflicht sowohl von Patienten als auch von Beschäftigten nicht sehr ernst genommen, will er beobachtet haben. Masken „werden super luftig umgebunden, hängen oft unter der Nase oder am Kinn“, in den Anwendungsgruppen werde der Mundschutz nicht benötigt, viele Räume seien für die Menge der aktiven Personen zu klein, Anwendungen fänden immer wieder mit wechselnden Patienten statt und Flächendesinfektionen fänden kaum statt.

Hier fühlte sich Ex-Patient Alexander Walter Ueckerseifer unwohl: Im Speisesaal der Vitalisklinik.

Nach acht Tagen habe er seine Reha deshalb abgebrochen, eigentlich seien drei Wochen geplant gewesen. Mit seiner Kritik hat sich Ueckerseifer an das Gesundheitsamt und diverse Medien gewandt. Seine Intention: „Es wäre schön, wenn sich etwas ändert.“

Klaus Schnettger, Geschäftsführer der Vitalisklinik, ist überrascht und kontert der konkreten Kritik. Im Speisesaal mit insgesamt 170 Plätzen werde aktuell in zwei Schichten mit maximal 90 Patienten gegessen, betont er. Das Buffet sei mit Spuckschutz, Handschuhen und Abstandsmarkierungen „doppelt und dreifach geschützt“. Dass sich nicht immer alle an die vorgegeben Zeiten halten oder den Mund-Nasen-Schutz im Gebäude nicht korrekt tragen, könne er indes nicht ausschließen. Aber: „Wir sind ständig dabei, immer wieder drauf hinzuweisen“, so Schnettger, und 90 bis 95 Prozent der Leute hielten sich auch an die Regeln.

„Die Patienten fühlen sich hier wohl, zum Teil sogar wohler als zu Hause“, sagt der Geschäftsführer, dem keine weiteren Beschwerden bekannt seien. Das umfangreiche Hygienekonzept liege dem Ministerium und dem Gesundheitsamt vor und erfülle nicht nur alle geltenden Vorgaben, sondern gehe noch darüber hinaus. So seien in der Vitalisklinik beispielsweise weiterhin keine Besucher erlaubt, abgesehen von Familienangehörigen, die in besonderen Fällen bei der Betreuung unterstützen. Auch Gunter Grimm, Vorsitzender des Aufsichtsrats, kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen: „Hier wird übervorsichtig gearbeitet.“

Infektionen mit dem Coronavirus hat es laut Schnettger bisher keine gegeben, und logischerweise habe man auch kein Interesse daran, Infektionen zu riskieren.

Das sagt das Gesundheitsamt: Keine weiteren Beschwerden

Welche Rolle das Gesundheitsamt in solchen Fällen spielt, erklärt die Pressestelle des Landkreises: „Erster Ansprechpartner ist die Heimleitung beziehungsweise der Träger der Einrichtung. Aber grundsätzlich kann man sich auch an das Gesundheitsamt wenden. F��r den Vollzug der Kontakt- und Betriebsbeschränkungserlaubnis sind neben den Gesundheitsämtern die örtlichen Ordnungsbehörden zuständig, wenn die Gesundheitsämter nicht rechtzeitig erreicht oder tätig werden können, um eine Gefahrensituation abwenden zu können. Ob eine solche vorliegt, ist von den zuständigen Behörden vor Ort zu entscheiden. So wird das Gesundheitsamt auch nur anlassbezogen tätig, wenn der Behörde nachweislich grobe Verstöße bekannt sind zum Beispiel durch Bilddokumentation. Je nach Verstoß folgen weitere Maßnahmen wie eine Kontrolle durch die zuständigen Vollzugsbehörden (z.B. Fachdienst Ordnung und Gewerbe des Kreises, die jeweiligen Ordnungsämter der Kommunen).

Dem Gesundheitsamt liegen keine weiteren Beschwerden und Anfragen zur Vitalisklinik vor.

Die Vitalisklinik in Bad Hersfeld

Die Vitalisklinik in Bad Hersfeld ist eigenen Angaben nach seit über 45 Jahren ein bundesweit anerkanntes Zentrum für Rehabilitationsmedizin. Als Spezialisten für die Diagnostik und Therapie von Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten konzentrieren sich die Ärzte und Therapeuten insbesondere auf Rehabilitation und Anschlussheilbehandlungen bei Patienten mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und deren Folgezuständen. Über die aktuellen Maßnahmen aufgrund des Coronavirus informiert die Klinik online auf www.vitalisklinik.de. 

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