Aus Klimapaket

Landrat fordert Geld vom Bund für Ausbau des Gasnetzes

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Viele Gemeinden im Kreis gucken in die Röhre – denn sie sind nicht an das Gasnetz angeschlossen. Unser Foto zeigt einen Arbeiten im brandenburgischen Klosterdorf, der an einem Rohr auf der Baustelle der europäischen Gas-Anbindungsleitung (EUGAL) schleift.

Landrat Dr. Michael Koch (CDU) hat die Bundesregierung dazu aufgefordert, im Zuge des Klimapakets auch den Ausbau der regionalen Gasnetze zu fördern.

In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) schreibt Koch, dass viele Bürger wegen des Verbots des Neu-Einbaus von Ölheizungen, das ab 2026 greifen soll, verunsichert sind. Gasheizungen als alternative Wärmeversorgung kämen allerdings in weiten Teilen des Kreises nicht in Frage, weil viele Gemeinden gar nicht an das Gasnetz der EAM (Energie aus der Mitte) angeschlossen seien (siehe Hintergrund).

Der kommunale Gasversorger EAM habe den Wunsch nach einem Ausbau des Gasnetzes „sehr zurückhaltend aufgenommen“, weil damit hohe Erschließungskosten verbunden seien, deren Amortisation zumindest fraglich sei. „Zur Steigerung der Akzeptanz von Energiewende und Klimaschutzpaket durch die Bürger der Bundesrepublik ist eine klare Botschaft zur Grundsicherung der Wärmeversorgung im ländlichen Raum erforderlich“, schreibt Koch. Diese Akzeptanzsteigerung könne kurzfristig durch Einrichtung eines Förderprogramms erreicht werden, das die Kommunen bei der Deckung von Wirtschaftlichkeitslücken in der Ortsnetzerschließung unterstützt. Die Bürgermeister im Kreis begrüßen die Initiative des Landrats. „Gas bringt zusätzliche CO2-Einsparungen“, betont der Sprecher der Bürgermeister, Harald Preßmann aus Hauneck, den Nutzen für das Klima. Er versteht, dass die EAM bei den Zuleitungskosten auf die Wirtschaftlichkeit achten müsse und hofft deshalb auf Unterstützung von Bund und Land.

Zustimmung zu der Initiative von Landrat Koch kommt auch von der EAM selbst. „Gasleitungen werden über Netzentgelte finanziert. In diesem regulierten Geschäft wird die wirtschaftliche Investitionsfähigkeit für Energieversorger insbesondere im ländlichen Raum immer schwieriger. Insofern begrüßen wir den Vorstoß des Landrates und die Anregung von Förderprogrammen für Kommunen“, heißt es in einer Stellungnahme des Gasversorgers auf Anfrage unserer Zeitung. 

Fünf Gemeinden ohne Gasanschluss

Insgesamt 15 der 20 Kommunen des Kreises sind Mitglied im Gasversorungszweckverband. Davon sind Breitenbach/H., Cornberg, Haunetal, Nentershausen und Neuenstein nicht ans Gasnetz angeschlossen. In Kirchheim ist die Erschließung in der Planung. Die Gasversorgung in Heringen, Hohenroda und Wildeck ist über Einzelkonzessionsverträge mit der EAM sichergestellt. Bebra und Bad Hersfeld stellen ihre Gasversorgung über eigene Stadtwerke sicher. 

Viele Gemeinden wollen ans Netz

Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch kann schon bald Gas geben. Zumindest die Kerngemeinde soll in absehbarer Zeit an das EAM-Gasnetz angeschlossen werden. Dazu müssen die Leitungen rund vier Kilometer weit aus Niederaula, das bereits über einen Gasanschluss verfügt, über Kleba nach Kirchheim verlängert werden. Möglich wird der Anschluss durch eine Zuzahlung der Autobahngemeinde in Höhe von 300 000 Euro. „Es war immer unser großes Anliegen, Erdgas nach Kirchheim zu holen“, berichtet Bürgermeister Koch. Da die Gemeinde zur Erschließung des Gewerbegebiets Friedrichsfeld Zuschüsse vom Land erhalten hatte, die nicht zurückgezahlt werden müssen, kann sich Kirchheim mit diesem Geld an den Erschließungskosten beteiligen. 

Dafür verzichtet die Gemeinde darauf, den Konzessionsvertrag mit der EAM vorfristig zu kündigen. Besonders die Gastronomie in der Autobahngemeinde sei an einem Gasanschluss interessiert, erklärt Bürgermeister Koch. „Erdgas ist vernünftig, weil es wirtschaftlicher ist, auch für Privathaushalte rechnet sich das schnell“, meint der Rathauschef. Auch sein Kollege Walter Glänzer aus Neuenstein hofft darauf, bald an das Gasnetz angeschlossen zu werden. Im Falle Neuensteins müsste dieser Anschluss von Asbach aus erfolgen und dann über den Beiersgraben geführt werden. „Das ist aber sehr teuer“, weiß Glänzer. „Wenn wir künftig weniger CO2 ausstoßen wollen, dann müssen wir den Menschen auch sagen, wie sie künftig heizen sollen“, sagt Glänzer mit Blick auf das geplante Einbauverbot für Ölheizungen ab 2026. „Neuenstein ist seit letztem Jahr in Gesprächen mit der EAM und ergänzend auch mit den Stadtwerken Bad Hersfeld und deren Geschäftsführer Markus Gilbert, um über eine Kooperation zwischen beiden eine Lösung herbei zuführen“, berichtet Glänzer und zeigt sich optimistisch, dass dies auch gelingt. Auch Nentershausens Bürgermeister Ralf Hilmes verweist auf den Klimawandel und das geplante Verbot von Ölheizungen. „Das ist auch bei uns in Nentershausen ein großes Thema“, sagt er. Ähnlich wie bei Ausbau des Glasfaserkabelnetzes sieht er aber auch hier ein Versagen der privaten Anbieter im ländlichen Raum. 

Dabei gehe es darum, die Lebensverhältnisse in allen Regionen des Landes gleichwertig zu gestalten. „Wir müssen Geld in die Hand nehmen, um Deutschland flächendeckend attraktiv zu halten“, sagt Hilmes und plädiert dafür, den Gasleitungsbau zentral zu organisieren anstatt die Gemeinden damit allein zu lassen. „Wir müssen uns um den Anschluss ans Gasleitungsnetz bemühen – und Nentershausen will dabei sein!“ Unterstützung erhalten die Bürgermeister von Landrat Dr. Michael Koch, der deshalb an die Bundesregierung geschrieben hat. „In Zeiten, in denen über ein Verbot von Ölheizungen laut diskutiert wird, müssen zunächst die strukturellen Rahmenbedingungen verbessert werden. Ich bin überzeugt davon, dass der Gasnetzausbau finanziell vom Bund gefördert werden muss“, sagt Koch gegenüber unserer Zeitung. kai

Quelle: Hersfelder Zeitung

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