Martin Löwenberg machte als jüdisches Kind in Deutschland schlimme Erfahrungen

Menschen sind eben so

Auch mit 83 Jahren hat Martin Löwenberg, ehemalige jüdischer Einwohner von Schenklengsfeld, keine Probleme damit, Kontakt zu Jugendlichen aufzunehmen – wie hier während seines Besuchs in der Gesamtschule Schenklengsfeld. Foto: nh

Schenklengsfeld. „Wehret den Anfängen!“ – dieses Motto, treibt den mittlerweile 83 Jahre alten Martin Löwenberg auch heute noch dazu an, vor amerikanischen und deutschen Jugendlichen aufzutreten, um als Zeitzeuge über die unvorstellbaren Gräueltaten der Nazis und ihrer Mitläufer zu berichten.

9. und 10. Klassen

Am Freitag sprach der gebürtige Schenklengsfelder, der seit Kriegsende in den USA lebt, zu Schülerinnen und Schülern der 9. Und 10. Klassen an der Gesamtschule Schenklengsfeld.

Den jungen Leuten erzählte Martin Löwenberg, wie er als Kind einer angesehenen Schenklengsfelder Familie nach Hitlers Machtergreifung erniedrigt, bespuckt und geschlagen wurde, wie die Familie aus ihrem Haus vertrieben und schließlich ins Rigaer Ghetto deportiert wurde.

Die Eltern und die jüngeren Geschwister starben später in Hitlers Konzentrationslagern. Auf die Frage der Schüler, wie und wieso es ihm gelungen sei, der Vernichtungsmaschinerie zu entkommen, konnte Löwenberg selbst keine eindeutige Antwort geben. Er hatte eben das Glück, jung, arbeits- und leidensfähig zu sein.

Deutschland lange gemieden

Mit Hilfe des Roten Kreuzes gelangte er bei Kriegsende nach Schweden, von dort übersiedelte er nach Amerika. Erst sehr spät in seinem Leben, nach seiner Pensionierung, ließ er sich überreden, wieder deutschen Boden zu betreten.

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich zuvor im Unterricht mit dem Thema befasst, waren aber nach den unter die Haut gehenden Schilderungen Löwenbergs zunächst einmal sprachlos.

Auf die Frage, ob er glaube, dass so etwas wieder passieren könnte, antwortet Martin Löwenberg traurig: „Ja, Menschen sind eben so.“ Diese Einsicht lässt ihn weiterhin den Kontakt zur Jugend suchen. (red)

Quelle: Hersfelder Zeitung

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