Seit 100 Tagen im Amt

Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner: Es wird kein einfaches Jahr

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Telefonate statt Ortstermine: Wegen der Corona-Krise greift Timo Heusner derzeit noch häufiger als sonst zum Smartphone, um etwa die Pläne für die Erschließung des Neubaugebiets abzustimmen. Foto: Jan-Christoph Eisenberg

Genau 100 Tage ist Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner (40) im Amt. Wir sprachen mit ihm über seine ersten Monate als Rathauschef und die Auswirkungen der Corona-Krise.

Erst eine Haushaltssperre wegen Gewerbesteuer-Einbrüchen und dann der Ausbruch der Corona-Pandemie – haben Sie Ihre Kandidatur angesichts dieser Startbedingungen eigentlich schon bereut?

Nein. Es ist ein ganz toller Beruf, der mir viel Spaß macht. Am Anfang habe ich mit dem Haushalt gekämpft, jetzt kämpfe ich mit den Folgen der Pandemie. Das ist natürlich kein leichter Start. Aber ich glaube, ich schlage mich ganz gut.

Konnten Sie trotz dieser Umstände schon Ihre Ziele umsetzen?

Wir sind dabei, vieles umzusetzen. Mit dem Neubaugebiet Krumme Äcker sind wir schon ziemlich weit gekommen. Auch bei der Vermarktung des Gewerbegebiets Röhrigshof als Solarpark und beim Kauf des ehemaligen Herrmann-Geländes in Heimboldshausen für den Gemeindebauhof sind wir ein gutes Stück weiter. Natürlich hätte ich gerne meine Bürgersprechstunden begonnen. Ich bin ein Mensch, der gerne den direkten Kontakt mit den Bürgern hat. Aber im Moment ist Abstand halten das Wichtigste.

Sind Sie schon auf eine sprichwörtliche „Leiche“ gestoßen, die Ihr Vorgänger im Keller hinterlassen hat?

Nein, bin ich noch nicht.

Sie haben noch keinen Haushaltsentwurf vorgelegt. Wäre das nicht gerade in der jetzigen Situation wichtig, um handlungsfähig zu sein?

Den Dienstbetrieb können wir ja auch bei vorläufiger Haushaltsführung aufrechterhalten. Durch die aktuelle Lage wäre der Haushalt jetzt ohnehin überholt. Zur Zeit stunden wir Gewebesteuerzahlungen. Wir arbeiten natürlich an der Aufstellung und berücksichtigen dabei die neuen Voraussetzungen. Ich hoffe, dass ich den Entwurf im Mai oder Juni einbringen kann. Es wird kein einfaches Jahr. Die Auswirkungen der Krise werden wir auch noch in den kommenden Jahren spüren. Das komplette Ausmaß kann man noch gar nicht absehen.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Projekte wie das geplante Neubaugebiet?

Bis jetzt ist das Projekt nicht ins Stocken geraten. Alles, was wir machen mussten, haben wir per Telefon abgestimmt. Die Vermessungsarbeiten sind vergeben, die naturschutzrechtlichen Maßnahmen sind alle umgesetzt und es gibt bereits Kaufinteressenten. Man kann natürlich nur schwer abschätzen, ob die Nachfrage ohne Corona noch größer wäre. Wir bewerben das Projekt auch weiterhin. Eigentlich sollten unsere neue Homepage und eine separate Seite für das Neubaugebiet schon fertig sein. Aber die Präsentation wäre genau in die Corona-Krise gefallen, das ist ein bisschen schade.

Es gibt Überlegungen für ein gemeinsames Gewerbegebiet der Ostkreis-Gemeinden bei Friedewald. Wäre ein eigenes Ansiedlungsprojekt nicht besser, als sich Gewerbesteuereinnahmen zu viert teilen zu müssen?

Natürlich, aber dafür muss man auch die geeigneten Flächen haben. Durch die Hochwasser-Problematik in Röhrigshof haben wir mit dem geplanten Solarpark das Beste aus der Situation gemacht. Andere Industrie wäre durch die hohen Erschließungskosten nicht möglich gewesen. Durch den Verkauf dieser Flächen machen wir zwar den Weg für Gewerbeflächen im Bimbacher Feld frei. Das Regierungspräsidium drängt aber auf interkommunale Projekte. Ich glaube auch, dass das eine gute Sache ist. Es muss dabei zwischen den Beteiligten gerecht zugehen. Da sind wir auf einem guten Weg.

Gemeinsam mit Heringen setzt sich Philippsthal für eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke durchs Werratal ein. Wie realistisch ist das?

Das ist ein schöner Zukunftsgedanke. Es wird sich zeigen, ob die Bahn durch die Verkehrswende wieder an Bedeutung gewinnt. Natürlich müssen noch viele Fragen geklärt werden. Im Moment kann ich mir noch nicht vorstellen, dass über K+S-Gelände Personenzüge fahren. Aber die Idee an sich finde ich gut.

Ihr Vorgänger hat Ihnen als Rat mit auf den Weg gegeben, eine gute Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden. Ist Ihnen das bisher gelungen?

Das funktioniert bis jetzt ganz gut. Natürlich kommt es vor, dass ich abends beim Fernsehen noch am Tablet-PC eine E-Mail schreibe. Ich habe aber selbst in den zeitintensiven ersten Wochen feste Familientage im Kalender eingeplant und auch genommen. Schwer ist es, wenn in den Sitzungswochen nacheinander jeden Abend die verschiedenen Gremien tagen.

Das Osterwochenende steht bevor. Über welches Geschenk im Osternest der Gemeinde würden Sie sich besonders freuen?

Dass alle gesund bleiben. Das ist derzeit das Wichtigste. 

Zur Person:

Timo Heusner (40) ist im Schenklengsfelder Ortsteil Wüstfeld aufgewachsen. Nach dem Realschulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Forstwirt und war bis 2006 in diesem Beruf tätig. Danach schulte er um zum Finanzwirt und arbeitete seit 2008 als Finanzbeamter in Bad Hersfeld. 

Als Kandidat der SPD setzte sich Heusner zur Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 55,65 Prozent der Stimmen gegen Carsten Wiegand (CDU) und Anja Zilch (FWG) durch. Seine Amtszeit begann am 1. Januar. 

Timo Heusner ist verheiratet und hat zwei Söhne. Die Familie lebt in Philippsthal.

Quelle: Hersfelder Zeitung

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