Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda

Prognose: Im Jahr 2020 wird es mehr Arbeitslose geben

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Die Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda rechnet für das neue Jahr mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosenzahlen in der Region. Mehr Kurzarbeit gibt es schon.

„Ich gehe davon aus, dass wir auf die Werte von 2018 zurückfallen werden“, sagte Agenturchef Waldemar Dombrowski bei der Jahresbilanzpressekonferenz im Haunetaler Rathaus.

2018 waren in Hersfeld-Rotenburg durchschnittlich 2500 Menschen arbeitslos gemeldet, was einer Quote von vier Prozentpunkten entsprach. Im vergangenen Jahr war sie auf 3,6 Prozentpunkte gesunken, im Schnitt waren nur noch 2338 Menschen arbeitslos.

Waldemar DombrowskiLeiter der Arbeitsagentur

„Die abnehmende Konjunktur kommt langsam auch bei uns an“, sagte Dombrowski, „es gibt aber keinen Grund zur Panik.“ Ein Indikator für die von Dombrowski erwartete „leichte Delle“ sei die vor allem Ende 2019 verstärkt angemeldete Kurzarbeit. Im November – aktuellere Zahlen gibt es noch nicht – seien beispielsweise im gesamten Agenturbezirk 590 Arbeitnehmer in Kurzarbeit geschickt worden. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es nur 70. Allerdings erinnerte Frank Kamolz, Bereichsleiter der Arbeitsagentur, auch daran, dass während der Weltwirtschaftskrise 2008 in der Region zeitweise 3000 Menschen in Kurzarbeit geschickt worden waren.

Fachkräftemangel bereitet Sorga

Sorgen bereiten den Arbeitsvermittlern der Fachkräftemangel etwa im Handwerk, der Strukturwandel in der Automobilbranche, internationale Schutzzölle und drohende Krisen wie im Nahen Osten. „Das alles kann auch bis zu uns durchschlagen“, warnte Dombrowski.

Er sieht allerdings auch Chancen für 2020: Vor allem die Pflege sei eine „Boombranche“, die nicht von der Konjunktur abhänge. „Hier werden überall händeringend qualifizierte Mitarbeiter gesucht.“ Auf dem Bau und im Handwerk könnten sich heimische Unternehmen nach wie vor kaum vor Aufträgen retten. Die Finanzierungsbedingungen für Investitionen seien günstig. Zudem sei die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis (49 200) auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau.

2019 war ein außergewöhnlich gutes Jahr

Das vergangene Jahr war aus Sicht der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda ein außergewöhnlich gutes. Das machte Waldemar Dombrowski, Vorsitzender Arbeitsagentur-Geschäftsführung, bei einer Pressekonferenz in Haunetal deutlich. Der Überblick. 

Die Arbeitslosenzahlen 

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote (3,0 Prozent) des gesamten Agenturbezirks war 2019 die niedrigste in ganz Hessen. Allein in Hersfeld-Rotenburg sank der Wert von 4,0 auf 3,6 Prozentpunkte, im Schnitt waren landkreisweit 2338 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Schnitt hielt dieser Status 106 Tage an. „Erfreulich ist, dass von der positiven Entwicklung alle Personen- und Altersgruppen profitiert haben“, sagte Dombrowski. Den größten Arbeitslosenrückgang verzeichnete die Agentur bei Langzeitarbeitlosen. Auch unter den Ausländern seien immer weniger ohne Job. Gründe seien sinkende Zuweisungszahlen von Flüchtlingen und Integrationserfolge der Arbeitsagentur und den Jobcentern. „Allerdings reden wir hier nicht nur über qualifizierte Jobs, sondern auch über Anlerntätigkeiten“, so Dombrowski. 

Die Unterbeschäftigung 

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es neben offiziell arbeitslos gemeldeten Menschen auch andere gibt, die keiner geregelten Arbeit nachgehen. Die Arbeitsagentur spricht dann von „Unterbeschäftigung“. Dazu zählen – neben den regulär Arbeitslosen – auch jene Menschen, die an arbeitsmarktpolitischen Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen teilnehmen sowie krank gemeldete Arbeitslose. Unterbeschäftigt waren 2019 im Landkreis 3149 Menschen (Vorjahr: 3328).

Die Beschäftigten 

Im Vergleich zu 2018 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis um 648 auf 49 147. „Bemerkenswert ist, dass davon 548 Menschen, also der Großteil, über 55 Jahre alt war“, sagte Dombrowski. Mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre verzeichneten im gesamten Agenturbezirk fast alle Wirtschaftsbereiche Stellenzuwächse. Besonders stark legten Speditionen, Paketdienste sowie der Bereich Schienenverkehr zu („Verkehr und Lagerei“, plus 21,7 Prozent). Die meisten Beschäftigungsverluste gab es im Bergbau (minus 11 Prozent) und bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (minus 10 Prozent). 

Die offenen Stellen

 Größer geworden ist 2019 auch die Anzahl der offenen Stellen. Laut Arbeitsagentur waren im Landkreis durchschnittlich 1515 Stellen unbesetzt (2018: 1334). „Im Logistikbereich ist der Bedarf besonders groß“, sagte Dombrowski. Im Schnitt gingen 92 Tage ins Land, bevor ein freier Arbeitsplatz besetzt wurde.

Von Sebastian Schaffner

Quelle: Hersfelder Zeitung

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