„Prognose wäre Blick in Glaskugel“

Sommerinterview mit Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner

Das grüne Herz der Marktgemeinde: Für den
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Das grüne Herz der Marktgemeinde: Für den Fototermin zum Sommerinterview hat Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner sich den Schlosspark ausgesucht. Dort waren zahlreiche Veranstaltungen geplant, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten. 

Mit Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner sprachen wir im Sommerinterview über die aktuelle Situation der Marktgemeinde.

Für den Fototermin zum Sommerinterview hat Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner sich den Schlosspark ausgesucht. Dort ist es in diesem Jahr stiller als gewöhnlich: Zahlreiche Veranstaltungen wie Kirmes, Weinfest, Konzerte und private Hochzeitsfeiern, die hier stattfinden sollten, sind Corona zum Opfer gefallen. Mit Heusner sprachen wir über Wirtschaft, Finanzen, Verkehr und die Folgen der Coronakrise.

Sie sind kürzlich aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt. Wie erholsam ist Verreisen in Corona-Zeiten?

Wir waren an der Nordsee und haben uns sehr gut erholt. Ich habe ein halbes Jahr durchgearbeitet. Deshalb hat es gutgetan, neue Kraft zu tanken.

Wie ist Philippsthal bislang durch die Krise gekommen?

Philippsthal hat die Krise bislang gut überstanden. In der Verwaltung haben wir uns immer schnell auf die neuen Situationen eingestellt. Ich habe versucht, den Kontakt mit den Gewerbetreibenden zu halten. Außerdem bin ich froh, dass unsere beiden Seniorenheime, in denen es Corona-Fälle gab, diese Situation so gut gemeistert haben.

Der Haushaltsausgleich gelingt nur durch die Einnahmen aus Grundstücksverkäufen. Eigentum lässt sich nur einmal veräußern – wie wollen Sie die Finanzen langfristig stabilisieren?

Zu sagen, wie wir das Jahr beenden, wäre ein Blick in die Glaskugel. Wir haben teilweise Gewerbesteuern gestundet. Das bedeutet nicht zwingend, dass diese komplett wegfallen. Eventuell ist es am Ende bei den Unternehmen doch besser gelaufen als befürchtet. Wir planen aber lieber konservativ und warten ab, bis konkrete Zahlen vorliegen. Ich bin froh, dass wir die Bürger in diesem Jahr nicht zusätzlich belasten mussten. Es kann durchaus passieren, dass wir in Zukunft nicht um eine Erhöhung der Grundsteuern herumkommen. Die Gebühren für Wasser und Abwasser müssten aufgrund der anstehenden Investitionen und zukünftigen hohen Kosten der Klärschlammentsorgung angepasst werden. Letztendlich entscheidet darüber die Gemeindevertretung im Herbst.

Die SPD-Fraktion hat sich bereits klar positioniert: Bis Ende 2021 keine Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuern, keine sonstigen Zusatz-Belastungen und weiterhin beitragsfreie Kitas. Kann sich Philippsthal das leisten?

Keiner möchte, dass unsere Bürger mehr als nötig belastet werden. Wenn Erhöhungen vermeidbar sind, setze auch ich mich dafür ein. Aber gerade in dieser Zeit lässt es sich schwer planen und ich kann leider nichts versprechen.

Philippsthal ist besonders vom Kalibergbau abhängig. Droht mit dem Ende der Laugenversenkung die nächste Hängepartie für die Kalikumpel und damit auch für die Gemeinde?

Ich hoffe, dass die Flutung der Grube Springen als Entsorgungsweg bis dahin funktioniert. Sollte das nicht der Fall sein, möchte ich mir die Folgen gar nicht ausmalen.

Hat Corona Auswirkungen auf die Planungen für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses sowie die Erweiterung der Kita?

Bei der Planung für die Feuerwehr sind wir gut vorangekommen. Ich hoffe, dass wir am 24. August in der Gemeindevertretung darüber abstimmen können. Wir sichern das Projekt mit einem Kredit ab, hoffen aber, ihn nicht zu benötigen. Im Interesse der Sicherheit müssen wir auf jeden Fall bauen. Für die Kita-Erweiterung haben wir bereits die Baugenehmigung, aber bisher keine Förderzusage. Ohne Fördergeld zu bauen, wäre verrückt.

Die Gemeinde hat für das Land die Projektleitung für die Sanierung der Ortsdurchfahrt Harnrode übernommen. Können die geplagten Anwohner auf den Baubeginn im kommenden Jahr hoffen?

Dieses Thema hat schon meine Amtsvorgänger Hartwig Klotzbach und Ralf Orth beschäftigt. Mit der Planung sind wir fast fertig. Ich hoffe, dass Hessen Mobil zu seinem Wort steht. Es hängt derzeit noch an den Umleitungsstrecken, weil auch in Heringen gebaut wird. Ich finde es schade, dass wir in Vorleistung treten müssen und vom Land alleine gelassen werden. Die derzeitige Fahrbahn ist für den heutigen Verkehr nicht ausgelegt. Den Unmut der Anwohner, die teilweise Risse in ihren Häusern haben, kann ich verstehen. Es muss zeitnah gebaut werden. Ich befürchte aber, dass das nächstes Jahr noch nicht der Fall sein wird.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz pro Schiene halten den Bahn-Lückenschluss zwischen Philippsthal und Vacha für eines der bundesweit mit geringstem Aufwand umsetzbaren Reaktivierungsprojekte. Ist das für Sie ein Ansporn, sich bei Bund und Ländern für die Umsetzung starkzumachen?

Mein Kollege Daniel Iliev ist bei diesem Projekt federführend. Auch ich werde mich jetzt verstärkt mit dem Thema befassen. In einem Telefonat mit dem VDV-Geschäftsführer Dr. Henke habe ich mir bereits die Einschätzung der Verbände erläutern lassen. Zusammen mit meinen Amtskollegen und den übrigen Befürwortern müssen wir jetzt klären, wie wir in die entsprechenden Förderprogramme aufgenommen werden können. Die große Resonanz zeigt mir, das richtige Thema aufgegriffen zu haben.

Von der Umgestaltung des Werra-Plastic-Geländes in Röhrigshof zum Gewerbepark ist äußerlich noch nicht viel zu sehen. Stehen Sie in Kontakt mit dem Eigentümer und gibt es Neuigkeiten?

Ich stehe in Kontakt mit dem Eigentümer. Er wurde natürlich coronabedingt etwas ausgebremst. Es wurden aber bereits die Dächer abgedichtet, die Wasserleitungen ausgetauscht und die Fassade des Verwaltungsgebäudes teilweise erneuert. Eine Halle wird bereits von einem Unternehmen genutzt. Ich hoffe, dass ich im nächsten Gespräch erfreuliche Neuigkeiten erfahre.

Urlaub in Deutschland liegt im Trend. Könnte Philippsthal sein touristisches Potenzial nicht besser nutzen als bisher?

Wir arbeiten bereits daran, den Tourismus anzukurbeln, beispielsweise über die Radarena Werratal oder die interkommunale Zusammenarbeit Nördliche Kuppenrhön. Gerade der Radtourismus spielt hier eine große Rolle. Erfolg werden wir aber nur gemeinsam mit unseren Nachbargemeinden haben. Alleine funktioniert es nicht.

Zu welchen Veränderungen hat Corona in Ihrem Arbeitsalltag geführt?

Viele Termine sind weggefallen. Dafür gab es Telefon- und Videokonferenzen. Als Neuling hatte ich dadurch mehr Zeit, mich in die Verwaltung einzuarbeiten – um der Situation noch etwas positives abzugewinnen.

Und wie sehr hat sich Ihr persönliches Leben durch Corona verändert?

Durch den Wegfall vieler Termine hatte ich an den Wochenenden mehr Zeit für die Familie. Ansonsten hat sich für mich relativ wenig geändert. Für Eltern, die im Homeoffice zeitgleich ihre Kinder betreuen mussten, Alleinstehende, deren soziale Kontakte weggebrochen sind, oder Senioren, die im Altenheim nicht von ihren Angehörigen besucht werden durften, war die Situation wesentlich belastender.

Zur Person

Timo Heusner (40) ist im Schenklengsfelder Ortsteil Wüstfeld aufgewachsen. Nach dem Realschulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Forstwirt und war bis 2006 in diesem Beruf tätig. Danach schulte er um zum Finanzwirt und arbeitete seit 2008 als Finanzbeamter in Bad Hersfeld. Als Kandidat der SPD setzte sich Heusner bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 55,65 Prozent der Stimmen gegen Carsten Wiegand (CDU) und Anja Zilch (FWG) durch. Seine Amtszeit begann am 1. Januar 2020. Timo Heusner ist verheiratet und hat zwei Söhne. Die Familie lebt in Philippsthal. 

Von Jan-Christoph Eisenberg

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