Sein Wunsch: Mehr Planungsfreiheit

Sommerinterview mit Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch

Das Bild zeigt Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch im weißen Hemd am Aussichtspunkt oberhalb seines Wohnhauses in Heddersdorf. Von dort kann man das Aulatal überblicken von Kirchheim (im Hintergrund) bis nach Olberode.
+
Diesen Aussichtspunkt oberhalb seines Wohnhauses in Heddersdorf mag Bürgermeister Manfred Koch. Hier kann er das Aulatal überblicken von Kirchheim (im Hintergrund) bis nach Olberode.

Im HZ-Sommerinterview steht diesmal der Bürgermeister von Kirchheim, Manfred Koch, Rede und Antwort. 

Kirchheim – Die Autobahnen 4, 5 und 7 haben Kirchheim in der Vergangenheit stark geprägt und sind auch heute noch für die Entwicklung der Gemeinde von großer Bedeutung. Welche Veränderungen das geringere Verkehrsaufkommen und der Rückgang des Tourismus mit sich bringen und was Kirchheim derzeit bewegt, darüber sprach Bernd Löwenberger mit Bürgermeister Manfred Koch.

Herr Bürgermeister, zu Beginn gleich etwas ganz persönliches. Ihr Alheimer Amtskollege Georg Lüdtke hat bekannt gegeben, nach vier Amtsperioden mit 66 Jahren nicht noch einmal zu kandidieren. Damit sind Sie ab September der Bürgermeister mit den meisten Dienstjahren im Kreis. Macht das stolz?

Ach gut. Ich denke, das ist schon eine gewisse Auszeichnung, wenn man immer wieder die Bestätigung von den Bürgerinnen und Bürgern bekommen hat. Man freut sich darüber und kann da auf einige Ereignisse zurückschauen, wobei in der Erinnerung die positiven überwiegen. Die Zeiten haben sich natürlich geändert in diesen mittlerweile 20 Jahren, aber es macht nach wie vor noch Spaß mit immer wieder neuen Herausforderungen zu leben und Kirchheim ist eine interessante Gemeinde, in der man auch ein bisschen was gestalten kann.

2022 endet Ihre Amtszeit. Ist dann Schluss?

Wenn nichts Gravierendes dazwischen kommt, sehe ich keine Veranlassung aufzuhören. Ich habe dann die sechzig knapp überschritten und andere Arbeitnehmer müssen ja auch bis 63 oder länger arbeiten. Deshalb ist für mich klar, dass ich mich nochmal für eine Amtsperiode zur Verfügung stelle.

Weniger Verkehr, weniger Tourismus – Wie ist Kirchheim bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Das ist eine interessante Herausforderung. Es wird nach Corona nichts so sein, wie es war. Bei den Hauptgewerbesteuereinahmen werden wir hoffentlich keine dramatischen Einbrüche haben, weil wir viele Bauunternehmen mit relativ stabilen Zahlen und wenige Betriebe haben, die ihre Arbeit einstellen mussten. In der Tourismusbranche ist natürlich ein starker Einbruch da. Der aufblühende Deutschlandtourismus an Nord- und Ostsee oder an den Alpen ist in der Mitte Deutschlands noch nicht so richtig angekommen. Hier wollen wir mit dem Rotkäppchenland und den Kommunen des Naturparks Knüll gegensteuern. Viele Gedanken mache ich mir allerdings über die großen Waldflächen, von denen bald nix mehr da ist. Auch hier muss man sehen, wie man vernünftige Konzepte schaffen kann. Vom Einzelhandel kommen je nach Branche unterschiedliche Signale. Der ländliche Raum darf nicht länger als unbeliebtes Anhängsel an die Seite geschoben und muss stattdessen unter anderem bezüglich Wohnqualität, Infrastruktur und Arbeitsplatzangebot gefördert werden. Man hätte bei Corona in Wiesbaden erkennen können, dass das auch eine Chance ist.

Ist die Autobahn in dieser Zeit eher Fluch oder Segen?

Eine gute Verkehrsanbindung ist eigentlich immer ein gewisser Segen. Durch die umfangreichen Umbauarbeiten an der Autobahn wird es auch ein bisschen ruhiger werden hier, auch wenn die Autos bis dahin vielleicht (lacht) leise mit Brennstoffzellen oder Batterien fahren. Nach wie vor wird das Logistikproblem mit dem Schwerverkehr erhalten bleiben.

Thema Eichenprozessionsspinner. Wer hat hier wen im Griff?

Das ist auch so’n Ding, wo wir mit leben müssen (lacht). Der hat seinen Weg mittlerweile in unsere Region gefunden. Überall wo Eichen stehen ist er zu Hause. Überall im öffentlichen Raum, wo wir an die Nester herankommen, bekämpfen wir ihn, wo das nicht möglich ist, bleibt nur abzusperren. Ganz weg kriegen werden wir den wohl nie mehr und er ist ja jetzt wohl in jeder Gemeinde im Kreis angekommen.

Seit Jahren gibt es schon Gespräche über eine Gemeinschaftskläranlage mit Oberaula. Offensichtlich tut sich hier aber aktuell nichts oder nur wenig. Woran liegt’s?

Die Oberaulaer Kläranlage in Wahlshausen muss ertüchtigt werden, was einem Neubau gleich käme und wirtschaftlich völliger Unsinn wäre. Das ist auch den Oberaulaern klar. Sinnvoll wäre der Kanal zwischen Wahlshausen und Gersdorf. Das wäre eine Win-Win-Situation für beide Kommunen. Im Moment aber scheint mir, fehlt so ein wenig der Druck in der Angelegenheit. Ich werde in der kommenden Woche Kontakt mit meinem Oberaulaer Amtskollegen aufnehmen und die Mandatsträger der Gemeinde Oberaula zu einer Besichtigung unserer Kläranlage einladen.

Ebenfalls seit Jahren haben Sie mehrfach versucht, weitere Outlets in Kirchheim anzusiedeln sind aber von der Regionalversammlung immer wieder ausgebremst worden.

Oftmals sind wir sogar schon am Regierungspräsidium in Kassel gescheitert. Mich ärgert, dass Kirchheim einerseits als großer Verkehrsknotenpunkt angesehen wird und dass wir keine Probleme haben, Logistiker anzusiedeln, beim Einzelhandel wird hingegen bei Läden mit gerade mal 200 Quadratmetern Verkaufsfläche schon Theater gemacht.

Herr Bürgermeister, stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Wunsch frei, welcher wäre das?

(Lacht und überlegt lange) Ich würde mir wünschen, mehr Möglichkeiten im Bereich des Planungsrechtes zugunsten der Gemeinde zu kriegen.

Herr Koch, welche Auswirkungen hatte, bzw. hat die Corona-Krise für Sie und ihre Familie?

Ich hatte gehofft, ich würde mal wieder die Farbe meiner Schreibtischplatte erkennen können, tatsächlich war die Arbeit auf der kommunalen Seite mehr geworden. Eine Verordnung jagte die andere, es gab ungezählte Telefonkonferenzen und ich war froh, dass wir wenigstens ein schnelles Internet hatten um damit das ein oder andere erledigen zu können und auch den Bürgern zur Seite zu stehen.

Privat?

Man muss sich erst daran gewöhnen, dass man fast jeden Abend zu Hause sitzt und am Wochenende auch keine Termine hat. Ich habe dann die Zeit genutzt um in Haus und Garten zu werkeln und so einiges aufzuarbeiten. (lö)

Zur Person: Manfred Koch

Manfred Koch ist am 27. Juni 1961 in Heddersdorf geboren worden, wo er heute noch auf dem umgebauten Hof seiner Eltern wohnt. Er ging in Kirchheim zur Schule und war bis zu seinem Amtsantritt als Bürgermeister 1998 als Beamter bei der Deutschen Bundespost tätig. Schon früh engagierte er sich in der heimischen Feuerwehr und setzte sich später als Gemeindevertreter für die Belange der Kommune ein. Er ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Unter anderem ist er Vorsitzender des Tourismusverbandes Rotkäppchenland und stellvertretender Sprecher der Bürgermeister im Landkreis. Seine Hobbys sind Fotografieren und Motorradfahren. Im Urlaub erhält die Ostsee den Vorrang vor der Nordsee, noch lieber aber reist er Richtung Süden in die Berge.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.