Ministerpräsident Volker Bouffier besucht Filament Factory

Spezialgarn für Schutzmasken: Bad Hersfelder Faserhersteller plant Millionenproduktion

Das Bad Hersfelder Traditionsunternehmen The Filament Factory (ehemals Hoechst) will im großen Stil in die Produktion von Schutzmasken und -kleidung einsteigen.

Auf Tuchfühlung: Ministerpräsident Volker Bouffier, hier mit Geschäftsführer Florian Mitzscherlich, besuchte die Filament Factory. Aus dort gefertigtem Spezialgarn wird Gewebe für spezielle Schutzmasken hergestellt.

Bei einem Besuch von Ministerpräsident Volker Bouffier wurde der Prototyp einer wiederverwendbaren Maske vorgestellt, die dank einer besonderern Garnbeschichtung antibakteriell, antiviral und bis zu 100-mal waschbar sein soll. „Unsere Maske ist weitaus besser als die anderen verfügbaren Community-Masken am Markt“, versprach Geschäftsführer Florian Mitzscherlich.

„Wir verwenden ein spezielles, dreilagiges Garn, das besonders dicht verwebt wird“, erklärt Geschäftsführer Matthias Heß und lobt vor allem die Atmungsfähigkeit und Nachhaltigkeit. „Das ist kein Wegwerfprodukt“, betont Heß. Mit Produktionspartnern in Deutschland und Europa, die die Garne aus Bad Hersfeld verarbeiten, sei die Firma in der Lage „eine zwei-stellige Millionenzahl“ an Masken im Monat zu produzieren. Der Markt ist vorhanden. Nach Aussagen des Bundeswirtschaftsministers werden in Deutschland pro Jahr zwischen acht und zwölf Milliarden Masken benötigt.

Betriebsratsvorsitzender Frank Sandrock

Für die Filament Factory ist dieses neue Standbein ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der 359 Arbeitsplätze in Bad Hersfeld. In der Corona-Krise hat das Unternehmen Umsatzeinbrüche von 50 Prozent verzeichnet. Die Belegschaft ist bis Ende August in Kurzarbeit und hält mit halbierter Arbeitszeit in Schichtbetrieb rund um die Uhr die Produktion aufrecht.

„Wir sind einer der letzten Filament-Spinn-Betriebe in Europa“, sagte Geschäftsführer Mitzscherlich, „wir sind in vielen Nischen aktiv, weshalb die Mitbewerber in Fernost oft neidisch sind.“ Auch der Betriebsratsvorsitzende Frank Sandrock lobt den Einstieg in die Maskenproduktion. „Die Belegschaft zieht komplett mit, wir sind ja auch ein krisenerprobtes Unternehmen.“ Der Besuch des Ministerpräsidenten mache den Mitarbeitern zusätzlich Mut in schwerer Zeit.

Volker Bouffier zeigte sich beeindruckt von „Unternehmergeist und Flexibilität“ des Unternehmens und erklärte: „Diese Firma hat eine Zukunftsperspektive.“

Eine Firma mit wechselvoller Geschichte

Die Produktion der heutigen Filament Factory begann 1966 unter Leitung des Hoechst-Konzerns. Zu Spitzenzeiten arbeiteten über 2000 Beschäftigte bei dem Unternehmen, das mit der Billigkonkurrenz aus Fernost zu kämpfen hat. Diverse Besitzerwechsel folgten. Nach einer Umstrukturierung im Jahr 2017 produziert The Filament Factory erstmals eigenständig hochfeste Spezialgarne, etwa für Sicherheitsgurte, vor allem für die Automobil- und Luftfahrtindustrie. kai

Rubriklistenbild: © Struthoff, Kai A.

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