Zentrale Lage ist Teil des Erfolgs

Sommerinterview mit Friedewalds Bürgermeister Dirk Noll

 Bürgermeister Dirk Noll auf dem Turm der Wasserburgruine in Friedewald.
+
Behält die Übersicht: Die Wasserburgruine in Friedewald ist nicht nur Anziehungspunkt für Touristen. Auch Bürgermeister Dirk Noll genießt vom Turm des alten Gemäuers den Panoramablick auf den Kernort.

Historie und Gegenwart sind in Friedewald eng verbunden: Vom Bergfried der Wasserburgruine fällt der Blick über den Ortskern auf das Neubaugebiet und die Logistikhallen, die im Gewerbegebiet an der Autobahnabfahrt in die Höhe gewachsen sind. Im Sommerinterview sprachen wir mit Bürgermeister Dirk Noll über Tourismus, Gewerbeansiedlungen und die Auswirkungen der Coronakrise.

Wie ist die Gemeinde bislang durch die Corona-Pandemie gekommen?

Das muss man zweigeteilt betrachten: In der Verwaltung haben wir die Situation dank Homeoffice und Schließung für den Publikumsverkehr gut gemeistert. Finanziell haben wir als gewerbesteuerstarke Kommune natürlich deutliche Einbußen zu verzeichnen.

Die Nachfrage nach Gewerbeflächen hält offenbar trotz Krise an. Mit den Plänen für ein Logistikzentrum haben Sie die nächste Neuansiedlung präsentiert, während anderenorts die Gewerbegebiete teils über Jahrzehnte brachliegen. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Die zentrale Lage an der Autobahn spielt sicherlich eine Rolle. Aber auch die guten politischen Verhältnisse in der Gemeinde, wo wir mit den beiden engagierten Fraktionen frühzeitig Gespräche darüber führen, was machbar ist, und eigentlich immer an einem Strang ziehen. Das sind die beiden wesentlichen Erfolgsfaktoren.

Jeder neue Betrieb verändert das Gesicht der Gemeinde und bringt auch Lärm, Schmutz und Verkehrsbelastung mit sich – wie viel Gewerbegebiet verträgt eine kleine Gemeinde wie Friedewald noch?

Wir müssen aufpassen, dass wir in Zukunft keineswegs noch näher an den Ort heranrücken. Mit Aco-Passavant will sich im Gewerbegebiet West ein Unternehmen ansiedeln, das Logistik, Bürotätigkeiten und Produktion verbindet. Ich kann mir schon vorstellen, dass weiter entfernt vom Ort noch einiges möglich ist.

Die Flächen an der B62 bei Lautenhausen sind als möglicher Standort für ein interkommunales Gewerbegebiet nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Gewerbegebiete stoßen grundsätzlich nie nur auf Begeisterung. Es gibt immer auch kritische Punkte. Das ist gut so und dem stellen wir uns. Wir sind auf der Suche nach Alternativflächen und sehr optimistisch, gemeinsam mit den Partnern etwas auf den Weg zu bringen.

Also läuft es auf die Wald-Variante östlich des bestehenden Gewerbegebiets hinaus?

Das ist im Moment unser Favorit. Wir wären dort ein gutes Stück vom Ort entfernt und würden eine Zersiedelung vermeiden.

Auch die Nachfrage nach Grundstücken im Neubaugebiet ist groß. Geraten bei diesem Boom im Kernort die Ortsteile ins Hintertreffen?

Nein, keinesfalls. Wir haben in Lautenhausen Flächen im Baugebiet Im Erlich hinzugekauft und gehen fest davon aus, dort in den kommenden Tagen einen Bauplatz zu verkaufen. Und wir arbeiten daran, die Erschließung der restlichen Flächen im Bebauungsplan Kastanienweg in Motzfeld zu realisieren. Auch in Hillartshausen haben wir noch den einen oder anderen freien Bauplatz. Wir verlieren die Ortsteile also nicht aus den Augen.

Bei der Diskussion um den Erlass von Kita-Gebühren während der coronabedingten Schließung konnten Sie sich entspannt zurücklehnen, denn für die Betreuung ab dem dritten Lebensjahr werden diese ohnehin nicht mehr erhoben. Kann sich das die Gemeinde trotz Krise weiterhin leisten?

Ja, nach wie vor. Wir bekommen auch finanzielle Unterstützung des Landes. Wir halten das für einen wichtigen Faktor. Dieses Angebot werden wir sogar eher noch auf den Krippen-Bereich ausweiten. Das hängt aber tatsächlich davon ab, wie sich die finanzielle Situation weiterentwickelt.

Um das geplante Gesundheitszentrum scheint es ruhig geworden zu sein. Wie ist der aktuelle Sachstand?

Wenn es nach außen ruhig ist, bedeutet das nicht, dass sich nichts tut. Wir haben inzwischen den fertigen Mietvertrag mit dem Roten Kreuz als Bauherrn vorliegen und bereits die Gespräche mit der Bäckerei als Untermieter erfolgreich abgeschlossen. Jetzt stehen noch die finalen Gespräche mit dem Hausarzt an. Ich bin sehr optimistisch, dass wir in diesem Jahr alles auf den Weg bekommen und dass es dann zeitnah losgehen kann.

In einer Machbarkeitsstudie soll der Bau eines Aussichtsturms am Dreienberg-Wanderweg geprüft werden. Planen Sie insgeheim einen Wachturm, um die Fusionsbestrebungen aus Schenklengsfeld abzuwehren?

(lacht) Mit Sicherheit nicht. Der Turm wäre aus unserer Sicht ein guter Mehrwert für den Tourismus. Wo und in welcher Form sich ein solcher Aussichtspunkt realisieren lässt, wird die Machbarkeitsstudie zeigen.

Durch Corona liegt Urlaub in Deutschland im Trend. Die heimischen Beherbergungsbetriebe beklagen aber, dass die Region davon bislang noch nicht profitiert. Wurden touristisch die falschen Schwerpunkte gesetzt oder gibt es gar ein grundsätzliches Imageproblem?

Ich glaube nicht, dass es am Image liegt. Mit den großen Ferien-Regionen an der Küste können wir uns natürlich nicht vergleichen. Die Wellness-Angebote im Schlosshotel werden aber gut angenommen. Auch als Zwischenstopp bei Radtouristen ist Friedewald beliebt. Ich sehe jeden Tag von meinem Bürofenster, was hier im Schloss doch los ist. Das ist der touristische Mehrwert in unserer Region, auf den wir setzen.

Wie wirkt sich Corona auf Ihre eigenen Urlaubspläne aus – verreisen Sie oder bleiben Sie lieber in der Heimat?

Wir verreisen. Als Camper steuern wir meist Ziele in der näheren Umgebung an. Vielleicht wagen wir uns aber auch bis an den Gardasee. Das steht noch nicht abschließend fest.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.