Hilfe gegen Übergriffe

Halte.Punkt und Not.Bremse beraten bei sexualisierter Gewalt

Bieten Beratung bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche an: Daniel Hohlwegler (Beratungsstelle NOT.BREMSE) und Nadine Günther (Beratungsstelle HALTEPUNKT) bei pro familia in Bad Hersfeld.
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Bieten Beratung bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche an: Daniel Hohlwegler (Beratungsstelle NOT.BREMSE) und Nadine Günther (Beratungsstelle HALTEPUNKT) bei pro familia in Bad Hersfeld.

Die Übergriffe kommen meist aus dem persönlichen Umfeld, von Menschen, denen Kinder oder Jugendliche vertrauen.

Bad Hersfeld - Der Opa, der Stiefvater, der Freund oder andere Bekannte sind meist die Täter von sexualisierter Gewalt, sagt Nadine Günther von der Beratungsstelle Halte.Punkt in Bad Hersfeld, die zu Pro Familia gehört. In Zeiten von Corona sei es für Kinder und Jugendliche besonders schwierig, sich Hilfe zu holen, weil der Kontakt zu Freunden und Freundinnen, zu Lehrkräften und Schulsozialarbeitern stark eingeschränkt ist, erklärt Günther. Dabei hat sie im vergangenen Jahr einen Anstieg bei den Beratungen im Vergleich zum Jahr 2019 festgestellt. Ob es da einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, mit beengten Lebensverhältnissen und weniger externen Freizeitmöglichkeiten gibt, kann Günther nur vermuten.

Sie weiß aber, dass es bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche eine sehr hohe Dunkelziffer gibt. Die Hemmschwelle, mit jemandem über die ungewollten Berührungen oder gar Vergewaltigungen zu reden, sei hoch. Oft setzten die Täter Kinder und Jugendliche massiv unter Druck, damit sie es nicht wagten, sich jemandem anzuvertrauen.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hatte Nadine Günther überwiegend mit Mädchen im Alter zwischen sechs und 17 Jahren zu tun. Die meisten Gespräche führte sie mit 14- bis 16-Jährigen. Sie sind in der Regel von Dritten, Eltern, Lehrern oder Mitarbeitern des Jugendamtes, auf die Beratungsmöglichkeit aufmerksam gemacht worden, hat Nadine Günther festgestellt.

Jungen kämen eher selten in die Beratungsstelle, berichtet sie. Möglicherweise spielt es eine Rolle, dass sie neben der sexuellen Gewalt auch noch mit der Tatsache umgehen müssen, von einem Mann missbraucht worden zu sein. In einem oft homophoben Umfeld eine zusätzliche Belastung für die Jugendlichen.

Im Zuge ihrer Weiterbildung zur traumazentrierten Fachberaterin hat Nadine Günther jetzt eine Broschüre erarbeitet, die sich sowohl an Eltern und Verwandte, als auch an Fachkräfte wendet. Darin wird zum einen definiert, was sexualisierte Gewalt ist und welche Symptome möglicherweise darauf hindeuten, dass ein Kind oder Jugendlicher davon betroffen ist. Vor allem aber finden sich dort ein Handlungsleitfaden für den Umgang mit betroffenen Kindern und Jugendlichen und viele Kontaktdaten, über die man Hilfe und weitergehende Informationen finden kann.

Das Beratungsangebot zu sexualisierter Gewalt wurde übrigens inzwischen erweitert um die „Not.Bremse“. Daniel Hohlwegler kümmert sich hier um sexuell übergriffige Kinder und Jugendliche, macht ihnen deutlich, welche Grenzen sie überschritten haben und begleitet sie bei Bedarf bis zu einer Therapie. Die jederzeit auch für Jugendliche verfügbaren Pornos und das elterliche Vorbild prägten bei vielen Jugendlichen die Rollenbilder von Mann und Frau, die noch immer sehr traditionell seien.

Beide Beratungsstellen bieten zudem Präventionsveranstaltungen in Kitas, Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen und sozialen Institutionen, Fachberatungen und Fortbildungen sowie Unterstützung bei der Entwicklung von Schutzkonzepten an. Sie werden vom Landkreis Hersfeld-Rotenburg finanziert, der auch, gemeinsam mit der Stiftung „Gutes tun“ der Sparkasse, die Herstellung der Broschüre ermöglicht hat.

Von Christine Zacharias

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