Johannes Katzmann stellte Grund und Boden für Raßdorfs Kirche zur Verfügung

Wir hingen in der Luft

Im Schnee vor Raßdorfs Kirche: Johannes Katzmann. Er schenkte dem Dorf den Grund und Boden, auf dem seit zehn Jahren das Gotteshaus steht. Foto: Düsterhöft

RaSSdorf. Wenn heute Abend in der Raßdorfer Kirche die Glocken das neue Jahr einläuten, dann ist das ein kleines Jubiläum: Vor genau zehn Jahren - in der Silvesternacht zur Jahrtausendwende - erklangen die drei Glocken zum ersten Mal. „Das war für uns etwas ganz Besonderes“, erinnert sich Johannes Katzmann aus Raßdorf heute.

Der 85-Jährige stellte vor über zehn Jahren das Grundstück zur Verfügung, auf dem die Kirche gebaut wurde. „Vorher haben wir immer nur die Glocken aus Hönebach, Großensee oder Bosserode gehört - je nachdem, wie der Wind geweht hat“, sagt Johannes Katzmann.

Eine eigene Kirche mit eigenen Glocken - darauf mussten die Raßdorfer lange warten: Bis 1945 gingen die Menschen in Großensee zur Kirche. Danach fanden die Gottesdienste an verschiedenen Orten im kleinen Wildecker Ortsteil statt. Mal im Feuerwehrgerätehaus, mal im Dorfgemeinschaftshaus. „Wir hingen sozusagen in der Luft“, sagt Johannes Katzmann.

Bemühungen schon lange

Bemühungen, eine Kirche zu bauen, oder zumindest Glocken für den Ort anzuschaffen, gab es schon lange. Bereits Johannes Katzmanns Vater setzte sich für eigenes Geläut ein. Das Vorhaben von Andreas Katzmann - von 1934 bis 1945 Raßdorfer Bürgermeister - scheiterte jedoch: Das für den Glockenguss notwendige Metall wurde nicht freigegeben, die Nationalsozialisten benötigten es für die Rüstungsproduktion. Weitere Bemühungen nach dem Zweiten Weltkrieg waren ebenfalls vergebens.

1997 trugen die Raßdorfer erneut ihren Wunsch nach einem eigenen Geläut an die Wildecker Gemeindeverwaltung heran - mit Erfolg: Zunächst plante man nur einen Glockenturm. Doch der Vorschlag des Architektenehepaars Friedericke und Max von Trott zu Solz, gleich eine kleine Kirche zu bauen, fand viel Zustimmung.

800 Quadratmeter

Ein Bauplatz für das Gotteshaus in Raßdorf war schnell gefunden: Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth stellte Johannes Katzmann 800 Quadratmeter auf einer Wiese mitten im Dorf kostenlos zur Verfügung. „Wir wollten, dass Raßdorf endlich eine Kirche bekommt“, sagt Johannes Katzmann heute.

Im September 1999 fand der erste Spatenstich statt. Und nur wenige Monate später war es soweit: Mit dem ersten Glockengeläut in der Silvesternacht gingen die Raßdorfer ins neue Jahrtausend. Für die Menschen ging ein langjähriger Wunsch in Erfüllung. „Wenn das mein Vater miterlebt hätte“, dachte Johannes Katzmann, als er um Mitternacht die Glocken erklingen hörte.

HINTERGRUND

Von Stefan Düsterhöft

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