Ihr Vater soll ein Mörder sein

Hirngespinst oder Straftat: Mansbacherin sucht nach Leichenteilen

Der Suchort: Direkt neben dem Blauen Schloss in Mansbach will Parry K. mit Helfern menschliche Gebeine ausgegraben haben. Ein Rechtsmediziner hat die Knochen jedoch eindeutig als tierische Überreste bewertet. Foto: Reymond

Mansbach. Auf einer Wiesenfläche in unmittelbarer Nähe zum Blauen Schloss in Mansbach haben Privatleute damit begonnen, Erde abzutragen. Sie suchen menschliche Gebeine.

Parry K., die 54 Jahre alte in Mansbach (ein Ortsteil der Gemeinde Hohenroda im Landkreis Hersfeld-Rotenburg) aufgewachsene Initiatorin, beschuldigt schon seit Jahren ihren bereits toten Vater, dort eine oder mehrere Leichen vergraben zu haben. Beim Mord an einer Tramperin will sie in den sechziger Jahren als junges Mädchen sogar dabei gewesen sein. Selbst will sie – völlig verängstigt und eingeschüchtert – ihrem Vater einen Hammer aus dem Kofferraum geholt haben, damit dieser die Frau, die er zuvor bereits gewürgt haben soll, erschlagen konnte.

Sexueller Missbrauch

So beschreibt es die heute in Dinslaken lebende Parry K. in ihrem 2014 erschienenen Buch „Verbrannte Seele – Eine wahre Geschichte“. Darin führt sie auch ihr eigenes Martyrium an, denn über viele Jahre soll sie der Vater sexuell missbraucht haben.

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass es sich bei den von Parry K. und ihren Helfern in Mansbach ausgegrabenen Stücken um Tierknochen handelt. Das teilt Polizeipressesprecher Manfred Knoch auf Anfrage mit. Ein Rechtsmediziner habe am Dienstag die Knochen in Augenschein genommen und festgestellt, dass sie keinesfalls zu einem Menschen gehört haben können.

Seit vielen Jahren aktiv

Schon seit Jahrzehnten stehe die Kriminalpolizei in Kontakt mit der gebürtigen Mansbacherin, die bei den Beamten immer wieder einmal ihre offensichtlich unbegründeten Mordgeschichten platziert.

Aktuell dürfte es darum gehen, ihr neues Schriftwerk zu bewerben. Bereits in ihrem Erstlingswerk kündigte sie Teil zwei ihrer Lebensgeschichte an. Darin will sie die merkwürdige Wende bei der Aufklärung der Verbrechen ihres Vaters thematisieren.

Verloren: Teil eines Knochens auf der Wiese.

So sieht es auch Hohenrodas Bürgermeister Andre Stenda, der während der Jahreshauptversammlung der Hohenrodaer Feuerwehren am vergangenen Samstagabend über die Ausgrabungen in Mansbach erfahren hatte. „Die ganze Geschichte ist doch mehr als unglaubwürdig. Die Frau will mit ihrer Aktion Aufmerksamkeit erhaschen. Die reine Promotion für ihr Buch.“

Unser Versuch, mit Parry K. Kontakt über Telefon und Facebook aufzunehmen, scheiterte. In ihrem ersten Buch schreibt sie davon, ihre Lebensgeschichte unter therapeutischer Begleitung aufarbeiten zu wollen. Die Grabungen bei Mansbach gehören für Parry K. wohl dazu.

Von Mario Reymond

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