Das schwerkranke Mädchen hat sich zurück ins Leben gekämpft – vorerst

Jeder Tag ist ein Geschenk: Aliana geht es besser

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Dass sie auch in diesem Jahr gemeinsam mit ihrer Tochter Aliana Weihnachten feiern können, ist für Suvarez Iljaz und Mirella Kunzmann aus Bad Hersfeld wie ein Geschenk. Vor gut einem Jahr hatten Mediziner schon den baldigen Tod des heute fünf Jahre alten Mädchens prognostiziert. Aliana leidet nach einer Masernerkrankung an tödlichem SSPE.

Bad Hersfeld. Wenn Mirella Kunzmann und Suvarez Iljaz in diesen Tagen mit ihren Kindern Nedzat, Amelia und Aliana Weihnachten feiern, ist das fast ein kleines Wunder. Denn noch im vergangenen November sah es so aus, als wäre es für die kleine Aliana das letzte Fest – wenn sie es überhaupt erleben würde.

Vor etwas mehr als anderthalb Jahren begann Alianas Leidensweg, und der ihrer Familie. Die damals Vierjährige fiel immer wieder hin, schlief ein, hatte Probleme beim Sprechen. Der erste Verdacht: Epilepsie. Doch nach einigen Wochen war klar, dass das Mädchen an der seltenen unheilbaren Krankheit SSPE leidet – einer Gehirnhautentzündung als Folge einer unerkannten Masernerkrankung.

Schon wenige Monate später war das zuvor stets fröhliche Mädchen ein Pflegefall. Aliana konnte nicht mehr sprechen, nicht mehr lächeln, sich nicht mehr bewegen. Nicht nur für die Eltern, auch für die älteren Geschwister eine schwierige Situation. Nichts war mehr so, wie es einmal war.

Inzwischen nimmt Aliana ihre Umgebung wieder wahr, sie reagiert auf Stimmen und Licht, und manchmal lächelt sie sogar. „Sie freut sich immer ihren Bruder zu sehen, kann uns aber auch mitteilen, wenn ihr etwas nicht gefällt, zum Beispiel beim Haarekämmen“, berichtet ihre Mutter.

Physiotherapie und Logopädie haben einiges bewirkt. Über eine Pumpe bekommt das kranke Mädchen Medikamente, alle sechs Wochen muss diese in Aachen aufgefüllt werden. „Im Moment macht sie sehr viele Fortschritte“, freut sich Mirella Kunzmann, aber es gebe immer Höhen und Tiefen.

„Sie hat einen starken Willen, unsere Prinzessin kämpft um ihr Leben“, sagt die 28-Jährige, die allerdings schon im vergangenen Jahr nicht glauben mochte, dass ihre Tochter nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben haben sollte.

Auf Facebook dokumentiert Kunzmann Alianas Leben, auch im Fernsehen war die Familie aus Bad Hersfeld mehrfach zu sehen. „Viele finden es gut, dass wir das machen und die Kraft dafür haben“, so die Hersfelderin. Aber es gibt auch Kritik: Von Impfgegnern wird Kunzmann angegangen, andere werfen ihr vor, Aliana vorzuführen. „Wir wollen andere aufklären und schützen“, betont Mirella Kunzmann, die in den 1980er-Jahren nicht gegen Masern geimpft wurde und ihrer Tochter offenbar keinen Nestschutz mit auf den Weg geben konnte. „Nur Aliana hilft das leider nicht mehr.“

Mit Vorwürfen will sich die 28-Jährige aber nicht quälen. „Hätte, wäre, wenn ...“, sagt sie. „Das Schicksal kann man nicht ändern. Wir leben heute und denken nicht an das, was noch kommt. Wir genießen die Zeit, die wir noch haben.“

Natürlich fließen auch mal Tränen, aber für Aliana und ihre beiden Geschwister versuchen Kunzmann und Iljaz stark zu sein. Und irgendwo ist ein Fünkchen Hoffnung, dass vielleicht doch noch ein Medikament entdeckt wird, das helfen könnte, Alianas Schicksal zu beeinflussen. Zumindest in der Türkei werde auf diesem Gebiet geforscht, berichtet Kunzmann.

Am 3. Januar wird Aliana sechs Jahre alt, ab dem 4. Januar soll sie mit Unterstützung einer Integrationskraft wieder in den Kindergarten gehen können. Mirella Kunzmann hofft, dass so wieder ein wenig Normalität in das Leben ihrer Tochter tritt. „Sie soll einfach Kind sein können.“

Das Weihnachtsfest möchte die Familie ganz gemütlich verbringen, denn der Alltag ist anstrengend genug. Was sich Mirella Kunzmann abgesehen von einem medizinischen Wunder für das nächste Jahr wünscht? „Ein behindertengerechtes Auto wäre schön.“ Denn bald soll Aliana einen von der Krankenkasse finanzierten Rollstuhl bekommen. Gerne würde die 28-Jährige auch wieder arbeiten gehen – aus finanziellen Gründen und um rauszukommen. Doch an allererster Stelle steht Aliana, die hoffentlich noch viele Weihnachtsfeste erleben darf. (nm)

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