Zwei Klassen in einem oder in drei Jahren schaffen?

Hönebacher Grundschule nimmt an ungewöhnlichem Modellprojekt teil

Der Landkreis als Schulträger hat in den vergangenen Jahren viel Geld in eine gute Ausstattung der Hönebacher Grundschule investiert: Das nutzt die Schule auch, um den Kindern besondere Angebote zu machen. Dazu gehört ein Langzeitprojekt zur Nachhaltigkeit mit Imkern aus der Region. Auf dem Foto präsentieren die Schüler ihre im Werkunterricht hergestellten Bienenrähmchen und gedrehten Kerzen. Foto: privat/nh

Hönebach. Die Grundschule in Hönebach nimmt als einzige Schule im Landkreis Hersfeld-Rotenburg an einem Pilotprojekt des hessischen Kultusministeriums teil. Dabei geht es um die Ausweitung des flexiblen Schulanfangs. Das Projekt könnte wegweisend für die Zukunft sein. Wir sprachen darüber mit der beauftragten Schulleiterin Evelyn Schwab und dem Kultusministerium. Hier die wichtigsten Informationen zu dem Modellprojekt.

Wie war die Grundschule in Hönebach vor dem Start des Modellprojekts „Ausweitung des flexiblen Schulanfangs“ organisiert? 

An der Schule wird seit Jahrzehnten jahrgangsübergreifend unterrichtet. Das erste und zweite Schuljahr ist zusammengefasst zu einer Klasse und das dritte und vierte Schuljahr ebenfalls. Zurzeit sind 27 Schüler aus Hönebach und Kleinensee in den beiden Klassen. Neben dem jahrgangsübergreifenden Unterricht setzt die Grundschule in Hönebach seit 2008 auch das Modell „Flexibler Schulanfang“ um.

Worum geht es bei diesem Modell? 

Dabei werden auch Kinder in die Schule aufgenommen, die noch nicht die nötige Schulreife besitzen und sonst eine Vorklasse besucht hätten. Die Vorklassen fallen damit weg. Besonders begabte Kinder können die ersten beiden Schuljahre in einem Jahr durchlaufen. Kinder, die langsamer lernen, können das 1. und 2. Schuljahr in drei Jahren absolvieren. Das zusätzliche Jahr wird nicht auf die Schulzeit angerechnet.

Das Modellprojekt „Ausweitung des flexiblen Schulanfangs“ läuft seit dem Schuljahr 2015/2016 mit acht Schulen in Hessen vier Jahre lang. Mittlerweile nehmen 23 Schulen teil. Worum geht es bei dieser Ausweitung? 

Das Kultusministerium gibt Grundschulen, die bereits den flexiblen Schulanfang in den Klassen 1 und 2 praktizieren, die Möglichkeit, dies auf die Klassen 3 und 4 auszuweiten und so zu einer „Jahrgangsgemischten Grundschule“ zu werden. Damit können Schüler auch die 3. und 4. Klasse in einem Jahr, zwei Jahren oder auch drei Jahren absolvieren.

Was ist das Ziel des Pilotversuchs „Jahrgangsgemischte Grundschule“? 

Mit dem Schulversuch soll überprüft werden, ob die Weiterführung der Jahrgangsmischung in der Klassenstufe 3 und 4 mit flexiblem Schulanfang als pädagogisches Konzept sinnvoll ist. Als einziges Bundesland stellt Hessen jeder jahrgangsgemischten Gruppe im flexiblen Schulanfang für die Klasse 1/2 sieben zusätzliche Stunden für sozialpädagogische Unterstützung bereit. Sie werden in den meisten Fällen als Lehrerstunden genutzt, da nicht genügend Sozialpädagogen zur Verfügung stehen.

Was sind nach den ersten Erfahrungen die Vorteile dieses pädagogischen Konzepts? 

Der Schulanfang wird anders strukturiert. Pädagogisches Ziel ist, den Unterricht weiterzuentwickeln, um auf die speziellen Bedürfnisse jedes Kindes gut eingehen zu können. Die Kinder kommen mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten in die Schule. Die Verschiedenartigkeit der Kinder wird nicht nur als Herausforderung gesehen, sondern bewusst als Chance genutzt. Durch die Jahrgangsmischung können sie besser mit- und voneinander lernen. Das wirkt sich auch sehr positiv auf das Sozialverhalten aus. „Nach unseren Erfahrungen haben immer mehr Kinder größere familiäre Schwierigkeiten. In kleinen Schulen können die Lehrer besser auf die einzelnen Schüler eingehen als in großen“, so die Erfahrung von Schulleiterin Evelyn Schwab. „Gerade für Kinder mit Problemen ist es wichtig, ihnen ein familiäres Gefühl, Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln.“ Auch in Schulen mit Jahrgangsklassen sollten die Klassen kleiner sein.

Gibt es schon konkrete Zwischenergebnisse? 

Die Hessische Lehrkräfteakademie ist mit der Auswertung beauftragt worden. Lehrer, Schüler und Eltern werden befragt. Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums sind die Zwischenergebnisse aus den ersten acht Schulen positiv. Erst die Ergebnisse der Endauswertung sollen veröffentlicht werden.

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