Hoffen auf Nachrüstung beim Lärmschutz im Landkreis

Sprachen in Bad Hersfeld über Lärmschutz: von links Bahn-Bevollmächtigter Klaus Vornhusen, Staatsminister Michael Roth (SPD), Landrat Dr. Michael Koch und Bahn-Lärmschutzbeauftragte Ines Jahnel Foto: Schäfer-Marg

Hersfeld-Rotenburg. Der vor allem durch Bahn-Güterverkehr entstehende Lärm soll bis zum Jahr 2020 halbiert werden. Das sieht ein Gesetzentwurf des Bundesverkehrsministerium vor. In einer Podiumsdiskussion am Freitag in Bad Hersfeld diskutierten dazu Vertreter der Bahn mit Landrat Dr. Michael Koch sowie Bundestagsabgeordneten und Staatsminister Michael Roth.

Etwa 50 Interessierte, darunter von Lärm Betroffene, beteiligten sich an der Veranstaltung und bekamen wenigstens ein bisschen Hoffnung vermittelt: Auch die Orte, die bereits Anfangs des Jahrtausends Lärmschutz (Schlafzimmerfenster) erhalten haben, wie Haunetal, Hauneck oder Ludwigsau, sollen noch einmal untersucht, der Schutz gegebenfalls nachgebessert werden, erklärte Bahnbevollmächtigter Klaus Vornhusen. Er, beziehungsweise die Bahn, ließ sich nicht zum Buhmann machen: „Die Bahn macht das, was der Bund uns aufträgt“, sagte er zu Kritikern wie Ludwigsaus Bürgermeister Thomas Baumann und Haunecks Rathauschef Harald Preßmann.

Glatte Räder

Die Wagenflotte der Bahn soll umgerüstet werden: Statt der Graugusssohle erhalten die Räder eine Verbundsohle. Betroffen sind 55 000 Waggons im Bestand, weitere 9000 neue werden mit den glatten Sohlen, die den Lärm mindern sollen, ausgerüstet. 30 000 Wagen seien bereits umgerüstet. Die Bahn geht davon aus, dass private Unternehmen, auch aus dem Ausland, nachziehen. Laut Staatsminister Roth sollen auch sie nicht mehr mit lauten Rädern durch Deutschland fahren dürfen. Es gebe Gespräche mit der EU.

Stationärer Lärmschutz

Bundesweit sind laut Lärmschutzbeauftragter Ines Hahnel 1500 Kilometer Strecke im Sinne des Lärmschutzes saniert worden. Es wurden 600 Kilometer Schallschutzwände installiert und 55 000 Wohnungen mit Schallschutzfenstern ausgestattet. Weitere 1500 Kilometer sollen erneut darauf überprüft werden, ob der gewünschte Standard von 57 Dezebel erreicht wird. In Hessen wurden 146 Kilometer saniert, 41 Kilometer Schallschutzwände installiert, weitere 32 sind in Planung oder im Bau. Für den Kreis gibt es keine Zahlen.

Tempolimit

Eine Reduzierung der Geschwindigkeit, wie von einem Diskussionsteilnehmer vorgeschlagen, werde laut Lärmschutzbeauftragter erst wahrgenommen, wenn man von 100 auf 70 Stundenkilometer verlangsamt. Für das Unternehmen Bahn wäre die Reduzierung eine Katastrophe. Das Netz sei schon jetzt voll, die Güterwaggons würden zusätzlich den Tagrhythmus des Personenverkehrs belasten. Das führe zu einem Kapazitätsverlust. Zur Umrüstung der Wagen sieht Hahnel keine Alternative.

Schnellbahntrasse

Die erste Zeichnung der neuen Schnellbahntrasse zwischen Fulda und Erfurt hatte im Sommer für Ärger im Landkreis gesorgt. Im März 2017 soll die Bürgerbeteiligung starten, sagte Bahnbevollmächtigter Vornhusen auf Nachfrage von Landrat Koch. Es gebe aktuell weder einen Planungsstand noch einen Streckenverlauf. Vorgabe sei, die Strecke binnen einer Stunde zurückzulegen. Dabei seien Naturschutz, Lärmschutz, Wirtschaftlichkeitskriterien und der Halt in Bad Hersfeld zur berücksichtigen.

Von Silke Schäfer-Marg

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