Kosten und Lieferzeiten für Baustoffe steigen dramatisch

Holzpreis schockt Handwerk auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Karsten Schmidt, Obermeister der Zimmerer-Innung im Kreis Hersfeld-Rotenburg, neben einem Stapel Holz.
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Begehrter Rohstoff: Karsten Schmidt, Obermeister der Zimmerer-Innung im Kreis Hersfeld-Rotenburg, neben einem Stapel Holz.

Das Handwerk schlägt Alarm: Die Preise für Rohstoffe steigen dramatisch an. Besonders betroffen sind die holzverarbeitenden Betriebe.

Hersfeld-Rotenburg - „Die Preise für Bauholz haben sich mehr als verdoppelt“, berichtet Karsten Schmidt, Obermeister der Zimmerer-Innung im Kreis Hersfeld-Rotenburg, der einen Dach- und Holzbaubetrieb mit 45 Mitarbeitern in Breitenbach/H. führt.

Auch die Lieferzeiten aus den Sägewerken werden immer länger. „Wir haben genug Aufträge, müssen unsere Kunden aber vertrösten“, beklagt Schmidt. Der Obermeister fürchtet deshalb eine Zunahme der Kurzarbeit, weil einfach nicht genug Material für die Aufträge rein kommt.

Als einen Grund für die Holzknappheit sieht Schmidt den enorm gestiegenen Export von Holz in die USA und nach China an. Im Jahr 2020 ist der deutsche Nadelschnittholz-Export in die USA um 54 Prozent auf rund zwei Millionen Kubikmeter gestiegen. Derzeit liege der US-Preis bei 514 Euro pro Kubikmeter ab deutschem Sägewerk, vor einem Jahr waren es noch 250 Euro. Schmidt fordert deshalb: „Die Bundesregierung muss endlich handeln“, und die Holz-Exporte drosseln.

Auch sein Kollege Ralf Stuckardt, Obermeister der Tischler-Innung aus Haunetal-Wehrda, berichtet von bis zu 100-prozentigen Preissteigerungen für Holz und längeren Lieferzeiten, die zuweilen Unverständnis bei seinen Kunden auslösen. Stuckhardt glaubt, dass auch Marktabsprachen getroffen wurden, um den Holzpreis hochzuhalten, weil viele Angst vor sinkenden Preisen in der Corona-Pandemie hatten. Dabei sei die Auslastung der Handwerker in der Pandemie oft aber sogar gestiegen.

Das bestätigt auch der Kreishandwerksmeister Marco Diegel: „Statt in den Urlaub zu fahren, investieren die Leute in Haus und Grundstück.“ Daher seien die Baustoffpreise auch für Kies, Zement, Schrauben und Dübel gestiegen. Die gestiegenen Einkaufspreise seien für die Betriebe aber nur schwer aufzufangen. Eine Handvoll Zulieferer bestimme den Preis.

Die Handwerkskammer in Kassel warnt angesichts steigender Rohstoffpreise vor Liquiditätsengpässen der heimischen Betriebe.

Ist der Export für die Holz-Engpässe verantwortlich?

In der großen Werkshalle der Firma Dach & Holzbau Schmidt in Breitenbach/H. wird fleißig gearbeitet. Zwei Zimmermänner vermessen Holzbalken, die zuvor an der computergesteuerten Schneidemaschine vollautomatisch und präzise zugeschnitten wurden. Überall stapeln sich Bretter, Bohlen und Balken. Es riecht harzig-aromatisch nach frisch geschnittenem Holz.

Zurzeit arbeiten die 45 Mitarbeiter im Betrieb von Innungsobermeister Karsten Schmidt unter anderem an einem dreistöckigen Studentenwohnheim aus Holz, das in Breitenbach vormontiert und dann in Magdeburg errichtet werden soll. „Es wird immer mehr aus Holz gebaut. Der Trend zu nachhaltigen Rohstoffen ist ungebrochen“, erzählt Karsten Schmidt. Die Aufträge sind da – vom Carport bis zum Holzhaus – „aber wir können nicht expandieren“, weil die Versorgung mit Holz nicht gewährleistet sei. Außerdem steigen die Preise, sodass er zuweilen ein schlechtes Gewissen gegenüber seinen Kunden hat, an die er die höheren Kosten zwangsläufig weitergeben muss.

Die Handwerkskammer in Kassel macht neben Verwerfungen am weltweiten Holzmarkt auch die geringere Lagerkapazität bei Sägewerken, Zwischenhändlern und verarbeitenden Betrieben für die Engpässe verantwortlich. Hinzu käme der Trend zum nachhaltigen und ökologischen Holz- und Fertighausbau in ganz Europa. Grund für den ebenfalls deutlichen Anstieg der Stahlpreise ist laut Handwerkskammer unter anderem die begrenzte Lieferkapazität chinesischer Stahlhersteller sowie eine erhöhte Nachfrage in China.

Obermeister Karsten Schmidt macht vor allem den Export für die Holz-Engpässe verantwortlich. „Das Rundholz geht nach China, das Schnittholz in die USA.“ Nachhaltig könne aber nur dann gebaut werden, wenn das Holz auch regional verarbeitet werde und nicht um die halbe Welt verschifft wird. Der Innungsmeister sieht die Politik gefordert. „Es ist im Moment so, als würden wir unser Brot verschiffen und stattdessen selber Hunger leiden.“

Von einer „globalen Gemengenlage“ auf dem Holzmarkt spricht Jörg van der Heide, der seit über 30 Jahren bei Hessen Forst in Kassel arbeitetet und für den Holzverkauf zuständig ist. Vor allem im vergangenen Jahr mussten wegen Trockenheit und Schädlingsbefall viele Bäume in den heimischen Wäldern gefällt werden.

„Inzwischen gibt es aber keine allzugroßen Lagerbestände mehr“, sagt von der Heide, obwohl man sich bei Hessen Forst bereits auf neues „Käferholz“ einstelle. Allerdings weise dieses Holz oft Verfärbungen und Risse auf und sei als Bauholz zu brüchig. Es erfülle nicht die definierten Normen und werde deshalb oft nur zu Pellets, Paletten oder Spanplatten verarbeitet.

Trotz der hohen Holznachfrage profitierten die Waldbesitzer bislang aber nicht von den Preissteigerungen, zumal sie oft an längerfristige Verträge gebunden seien. Für die Sägewerke hingegen böten sich nach wie vor „lukrative Absatzmöglichkeiten“ in den USA. (Kai A. Struthoff)

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