Aufbruch nach Amerika

Horst Sandlos hat die Geschichte der Auswanderer aus Breitenbach dokumentiert

Der Weg in die neue Welt: Horst Sandlos dokumentiert in seinem neuen Buch die Geschichte der Auswanderer nach Amerika.
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Der Weg in die neue Welt: Horst Sandlos dokumentiert in seinem neuen Buch die Geschichte der Auswanderer nach Amerika.

Ob als Soldaten oder um Not und Hunger in der Heimat zu entfliehen: Zahlreiche Menschen sind ab 1776 aus Hessen nach Übersee aufgebrochen – auch aus den Dörfern rings um den Herzberg.

Motzfeld/Breitenbach/H. – Ihre Geschichte hat Horst Sandlos in seinem neuen Buch „Der Weg in die Neue Welt – Erste Breitenbacher ziehen nach Amerika“ dokumentiert. Wie schon bei seinem 2014 erschienenen Werk über die Breitenbacher Kirche, sei auch bei diesem Thema sein Interesse durch die eigene Familiengeschichte geweckt worden, berichtet der 80-Jährige. Unter anderem der Bruder seines Großvaters und der Bruder seines Vaters wagten den Neuanfang in der Neuen Welt. Auch die Seekiste seines Vaters war bereits gepackt, dessen Aufbruch scheiterte jedoch an den strengen Einreisebestimmungen.

Das neue Buch des gebürtigen Breitenbachers, der seit seiner Heirat im Friedewalder Ortsteil Motzfeld lebt, geht jedoch weit über die eigenen Familienwurzeln hinaus: Der Autor spannt den Bogen vom Schutz- und Trutzbündnis des hessischen Landgrafen Friedrich II. mit dem König von England, in dessen Folge 12 000 hessische Soldaten in den Kampf der englischen Regierung gegen ihre amerikanischen Untertanen geschickt wurden, bis zu den großen Auswanderungswellen im 19. und 20. Jahrhundert.

Recherche war wie ein kleinteiliges Puzzle

Etwa fünf Jahre lang hat Sandlos dafür recherchiert. Er vergleicht diesen Prozess mit einem „kleinteiligen Puzzle“, das mühevoll zusammengesetzt werden musste. Fündig wurde er unter anderem im Internet, in Kirchenbüchern und auf Passagierlisten von Schiffen, in Archiven und Universitätsbibliotheken sowie in der Geschichtsbeilage „Mein Heimatland“ unserer Zeitung. Als ergiebige Quelle erwiesen sich auch die in den 1920er Jahren vom Breitenbacher Pfarrer Ernst Paulus herausgegebenen Kirchspiel-Nachrichten „Rings um den Herzberg“. 1924 wurde dort etwa ein Tagebuch des Offiziers Karl Ludwig Freiherr von Dörnberg erwähnt, welcher 1779 mit einer Jägereinheit aus Waldau bei Kassel nach Amerika aufgebrochen war.

Eine Abschrift eben jener auf Französisch verfassten Tagebucheinträge hat Horst Sandlos in der Murhardschen Landesbibliothek in Kassel aufgetan, abfotografiert und übersetzen lassen, sodass sie in seinem Buch erstmals in deutscher Sprache einsehbar sind. Auch die Namen von 91 Soldaten aus Breitenbach und den umliegenden Orten, die mit ihren Regimentern nach Amerika gezogen waren, hat der Verfasser aufgeführt. Bei der Auswanderung im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert liegt der Fokus des Autors ebenfalls auf der Herzberggemeinde: So zeichnet er etwa den beschwerlichen Weg der 1837 ausgewanderten Familie Dörrbecker nach, der von Hatterode über Bremerhaven und New York bis nach Oberkanada – wie die heutige Provinz Ontario seinerzeit genannt wurde – führte. Auch das Leben von Barbara Elisabeth Hill, die 1855 von Gehau nach Kanada übersiedelte, wird abgebildet.

Über 50 Abbildungen

Sein Ziel sei es gewesen, dieses Kapitel regionaler Geschichte für die heutige und künftige Generationen festzuhalten, betont Horst Sandlos. Dabei habe er Wert darauf gelegt, seine Aufzeichnungen zwar historisch fundiert, zugleich aber interessant und gut lesbar zu gestalten. Entstanden ist ein rund 175-seitiges Werk, das mit über 50 Abbildungen, darunter auch zwei eigenen Zeichnungen des Autors, illustriert ist.

„Der Weg in die Neue Welt – Erste Breitenbacher ziehen nach Amerika“ hat Sandlos im Eigenverlag herausgegeben. Es ist zum Preis von 14 Euro in der Breitenbacher Gemeindeverwaltung sowie direkt beim Autor erhältlich. Kontakt: Horst Sandlos, 06629/6533, horst.sandlos@gmail.com. (Jan-Christoph Eisenberg)

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