HNA-Interview mit dem scheidenden SPD-Geschäftsführer Jürgen Buchenau

„Ich gehe ohne Groll“

Jürgen Buchenau und sein Vorbild: Der scheidende Geschäftsführer der Kreis-SPD und die Partei-Ikone Willy Brandt. Foto: Schönholtz

hersfeld-Rotenburg. 17 Jahre lang hat Jürgen Buchenau die Geschäftsstelle des SPD-Unterbezirks Hersfeld-Rotenburg geführt. Zum Jahresende verabschiedet er sich in gleicher Funktion in den benachbarten Unterbezirk Fulda. Redakteur Karl Schönholtz sprach mit Buchenau über die Gründe für den Wechsel, über Parteiarbeit gestern und heute sowie über eine denkbare Rückkehr.

Herr Buchenau, wieso wechseln Sie nach so langer Zeit den Arbeitsplatz? Hat es Ärger gegeben?

Jürgen Buchenau: Nein! In der freien Wirtschaft ist es gang und gäbe, dass Führungspositionen nach einer gewissen Zeit neu besetzt werden. Insofern bin ich schon lange über dieses „Verfallsdatum“ hinaus.

Trotzdem fällt mir der Weggang hier nicht leicht. Zumal ich mit den allermeisten Funktionären sehr gut zusammengearbeitet habe. Ich gehe ohne Groll und freue mich auf die künftige Arbeit in Fulda.

In Fulda ist die SPD in einer ganz anderen Position als in Hersfeld-Rotenburg, wo sie in vielen Bereichen die Politik bestimmt oder zumindest mitbestimmt. Welche Erwartungen hat Fulda an den neuen Geschäftsführer?

Buchenau: Zunächst einmal muss ich die Partei kennenlernen, die Funktionäre und die Mitglieder. Ziel wird es im Hinblick auf die Kommunalwahl 2011 sein, in jeder Gemeinde eine SPD-Liste aufzustellen. Ich sehe meine Aufgabe also auch darin, die Voraussetzungen für unsere Partei zu verbessern. Ich weiß, das wird schwierig werden, denn man kann nicht von einem Tag auf den anderen den Hebel umlegen und hat nicht die gewohnten Mehrheiten wie hier in Hersfeld-Rotenburg.     Wenn Sie vergleichen, was unterscheidet die Parteiarbeit heute von der vor 17 Jahren?

Buchenau: Natürlich hat sich die Zeit und auch die Parteiarbeit verändert. Nach der gewonnenen Bundestagswahl 1998 herrschte Aufbruchsstimmung. In dieser Zeit begann die neue Regierung, die Hinterlassenschaften von Helmut Kohl aufzuarbeiten. Damals schauten noch viele Genossinnen und Genossen in der Geschäftsstelle vorbei. Heute ist das anders. Durch die neuen Medien wird heute vieles elektronisch erledigt. Der persönliche Kontakt zur Basis kann nur durch die Teilnahme an Versammlungen und Veranstaltungen der Ortsvereine gehalten werden.

Gibt es ein Ereignis, im Guten oder im Bösen, das Ihnen in der Rückschau sofort einfällt?

Buchenau: Gute Ereignisse waren die gewonnenen Kommunalwahlen, ohne Frage. Ein Tiefschlag war der Wahltag im Februar 2003, als wir beide Landtagsabgeordnete und auch den Landrat verloren haben.

Als Geschäftsführer lebt man ja ein Stück weit mit der Partei. Wie ist das bei den jungen Leuten von heute, wie lassen sie sich für die politische Arbeit begeistern?

Buchenau: Zunächst einmal ist das persönliche Gespräch wichtig. Wir haben 15 Neue seit dem 27. September. Unsere Neuzugänge sind überwiegend junge Leute, die sich nach der verlorenen Bundestagswahl entschieden haben, in die Partei einzutreten, um etwas zu bewegen. Daran erkennt man, dass das Interesse junger Menschen an der Politik wieder zunimmt.

Unter dem Strich hat die SPD aber auch bei uns über die 17 Jahre Mitglieder verloren. Wie dramatisch ist das?

Buchenau: Ich habe 1993 angefangen mit 4200 Mitgliedern, jetzt sind es noch 2400. Wir sind damit aber noch immer die stärkste Partei im Landkreis. Größere Mitgliederverluste gab es sicherlich durch die Agenda 2010. Allerdings sind wir – wie die anderen Parteien auch – eine Partei mit hohem Altersdurchschnitt. Die Neueintritte können die Mitgliederverluste durch Tod und Austritt nicht ausgleichen.

Privat bleiben Sie dem Landkreis zumindest vorläufig erhalten. Auch eine berufliche Rückkehr wäre denkbar, wenn – wie beim jüngsten Parteitag angesprochen – die beiden Unterbezirke irgendwann einmal fusionieren. Was sagen Sie dazu?

Buchenau: Eine Fusion der beiden Unterbezirke ist eher unwahrscheinlich. Möglich ist jedoch die gemeinsame Betreuung durch einen Geschäftsführer. Diese Entscheidung müsste zu gegebener Zeit dann der SPD-Bezirk Hessen-Nord treffen.

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