Ideen kommen beim Misten

Bettina Schürer aus Reckerode hat einen Gedichtband veröffentlicht

Bettina Schürer hat ihre Gedichte in einem Buch veröffentlicht. Sie betreibt einen Pferdehof in Reckerode.
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Bettina Schürer hat ihre Gedichte in einem Buch veröffentlicht. Sie betreibt einen Pferdehof in Reckerode.

Ein Buch mit 30 Gedichten hat Bettina Schürer aus Reckerode im Eigenverlag veröffentlicht.

Reckerode – Gedichte scheibt Bettina Schürer immer dann, wenn sie ein Thema beschäftigt, wenn sie etwas verarbeiten muss. Zur Zeit ist das die Corona-Pandemie und wie sie das Leben der Menschen beeinflusst. Jetzt hat sie 30 von ihren Texten in einem Buch im Eigenverlag bei Books on demand (BOD) veröffentlicht. „Sehnsüchtig schau ich heut – Gedichte gegen die Zeit“ hat sie ihr Werk genannt.

„Es drängt mich, mich kundzutun und zu zeigen, dass es auch andere Wege gibt, als im Schwarm mitzuschwimmen“, sagt Bettina Schürer. Sie will den Menschen Mut machen, ihnen die Angst nehmen und sie auf ihre eigene Spiritualität aufmerksam machen.

„Gedichte schreiben war mir immer eine Hilfe, um zur inneren Klarheit zu kommen“, sagt Schürer. Den Prozess, ein Thema in Worte zu fassen, empfindet sie als ein Gegenüber, mit dem sie Dinge betrachten kann. Seit dem Ende ihrer Schulzeit nutzt die knapp 63-Jährige diese Möglichkeit, Dinge zu verarbeiten. Dazu setzt sie sich nicht etwa an ihren Schreibtisch und feilt an Formulierungen. „Die Gedanken formen sich oft beim Ausmisten“, erzählt Bettina Schürer, die in Reckerode einen Pferdehof mit 16 Tieren betriebt. Dann muss sie die Worte nur noch aufschreiben. In ihren Gedichten geht es unter anderem um Toleranz und Respekt vor anderen Lebewesen und auch um den christlichen Glauben.

Sie ist ein wenig enttäuscht, dass die christlichen Kirchen derzeit der Angst vor der Corona-Pandemie und den vielfältigen Veränderungen des Lesens nicht mehr Botschaften des Glaubens und Vertrauens entgegensetzen. „Als Homöopathin weiß ich, wie sehr Angst das Immunsystem schwächt“, betont Schürer. Wichtig sei es deshalb, mit Zuversicht nach vorne zu blicken, auch wenn es schwierig sei.

Diese Erfahrung hat sie selbst schon oft gemacht, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wenn alles schiefzugehen schien. „Immer, wenn die Luft ganz dünn wurde, ist etwas passiert, wo ich gemerkt habe, es geht weiter“, erzählt Schürer.

Deshalb ist es ihr wichtig, auch andere Menschen dazu zu ermutigen, mit Optimismus nach vorne zu blicken, auch wenn nicht nur die Pandemie, sondern auch der allgemeine Trend zu mehr Egoismus und weniger Empathie ihr Sorge bereitet.

Bettina Schürer und ihre Partnerin Marion Riesenberger leben Empathie und haben dabei vor allem Tiere im Blick. Auf dem Hof in der Ortsmitte von Reckerode züchtet Bettina Schürer Pferde – am Tag zuvor kam gerade ein Fohlen auf die Welt – und ihre Partnerin Alpakas. Außerdem gibt es acht Hunde, von denen die meisten vor dem sicheren Tod gerettet wurden, sechs Katzen (drei blinde, eine sehbehinderte, eine einäugige und eine dreibeinige) und 20 Hühner. Bettina Schürer ist nicht nur Pferdezüchterin und -ausbilderin, sondern auch Homöopathin für Tiere und hat Patienten aus ganz Deutschland.

Und sie schreibt nicht nur Gedichte, sondern inzwischen auch Prosa. Gemeinsam mit ihrem Bruder hat sie einen Roman geschrieben, für den sie gerade einen Verlag sucht.

Den Gedichtband „Sehnsüchtig schau ich heut“ wird es demnächst wieder zum Preis von 13,90 Euro im Buchhandel, bei BOD und Amazon geben. Er muss aber erst noch nachgedruckt werden.

Zur Person

Bettina Schürer (62) stammt aus der Schweiz und ist dort mit sieben Geschwistern aufgewachsen. Schon als Kind sparte sie ihr Taschengeld, um später einen eigenen Hof zu haben. Als junge Frau ging sie nach Deutschland wo sie in Laubach bei Gießen auf dem Hof Güldenburg viele Jahre südamerikanische Pferde ausbildete und das Gestüt leitete. Gemeinsam mit zwei Kollegen kaufte sie 1983 den Hof in Reckerode und baute dort mit ihnen den Pferdehof auf. Nach deren Ausscheiden in den Jahren 1989 und 90 führte sie den Hof alleine mit Unterstützung von Mitarbeitern weiter. Sie absolvierte eine Ausbildung als Homöopathin für Tiere und organisierte Veranstaltungen für die Reiterwelt. Inzwischen lebt sie mit ihrer Partnerin, die eine Alpaka-Zucht aufbaut alleine auf dem Hof. (Christine Zacharias)

Ziemlich viel Glück

Ziemlich viel Glück

Gehört dazu,

Dass ein Körper aus der Luft zu schweben

beginne

Mit Brust, Achsel und Knie

Und auf dieser Luft

Einem anderen Körper begegne

Wie er

Unterwegs

Die Atmosphre macht

Zwei innige Leiber aus ihnen

Unbemerkt beschreibt ihr Entzücken

Zärtliche Linien im Universum

Eine ganze Zeit noch

Ist ihr Flüstern zu vernehmen

Und wie sie einander das schenken,

Was leicht an ihnen ist

Glücklich sein beginnt immer

Ein wenig über der Erde

Aber niemand hat es je beobachten

können.

1994

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