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Im Ferienpark Machtlos soll Dauerwohnen möglich gemacht werden

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Von: Thomas Klemm

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Betonmischer im Ferienpark: Dieses Gerät wird von so manchem Gast als störend empfunden.
Betonmischer im Ferienpark: Dieses Gerät wird von so manchem Gast als störend empfunden. © Thomas Klemm

Den Urlaubscharakter im Ferienpark Machtlos erhalten oder das Recht auf Erstwohnsitz in der Anlage einräumen? An dieser Frage entzündet sich, wieder einmal, die öffentliche Meinung in Ronshausen.

Ronshausen – Der Ferienpark im Ronshäuser Ortsteil Machtlos liegt idyllisch am Fuße des Steinkopfes und wird inzwischen nicht nur von Urlaubern angepeilt, sondern von einigen Eigentümern der Häuser dauerhaft beansprucht. Mittlerweile haben sich hier zudem auch Brummifahrer wohnlich eingerichtet.

Das „Dauerwohnen“ ist der Knackpunkt: Einige Bewohner der Häuser im Ferienpark wollen die ihnen gehörenden vier Wände sanieren, umbauen und auf den neuesten Stand bringen. Für manche dieser Investitionen gibt es Fördergeld. Aber nur, wenn das Häuschen beziehungsweise deren Besitzer eine feste, beim Einwohnermeldeamt nachvollziehbare Adresse besitzen.

Genau das ist im Machtloser Ferienpark das Problem. Zwar gibt es in der Siedlung Schilder mit Straßennamen, aber offiziell firmiert jeder Hausbesitzer unter der Adresse Bellersberg 11. Die Post kommt also (eigentlich) ins Verwaltungsgebäude, in der die Ferienpark Ronshausen Vermiet eG und die Parkpflege- und Hausservice eG ihren Sitz haben. Da jedoch die Schranke am Eingang der Ferienanlage meist geöffnet ist und der Postbote den Weg kennt, ist die Zustellung direkt am Häuschen schon lange kein Problem mehr.

Problematischer ist hingegen, dass jeder Bewohner mittlerweile sein Auto vor der Tür abstellt. Das sorgt für Lärm, der in einem Park mit Urlaubscharakter eher hinderlich ist. „Man stelle sich doch nur einmal vor, dass die eine Familie in ihrem Haus in Ruhe Urlaub machen will und der direkte Nachbar um fünf Uhr morgens mit seinem Auto zur Arbeit aufbricht“, beschreibt die Chefin der Vermiet eG, Meike Weber, dieses Dilemma.

„Wir haben immer noch viele Stammgäste, die der Ruhe wegen hierherkommen, wegen der guten Luft und der schönen Natur“, sagt sie. „Wenn wir hier ein Dauerwohnen zuließen, müssten zunächst viele Dinge geklärt werden. Was ist mit der Müllentsorgung, was mit den Zufahrtswegen, was mit den Postadressen, mit Telefonanschlüssen?“ Außerdem würde wohl die Kurtaxe wegfallen, wenn aus dem Ferien- ein Wohngebiet werden würde.

Udo Berle
Udo Berle © Christopher Ziermann

„Wir sind deshalb gegen die Nutzung als Erstwohnsitz“, erklärt Meike Weber. Und kann sich damit einig fühlen mit dem Ortsbeirat Machtlos. „Einerseits ist es gut, wenn die Häuser nicht verfallen, sondern sich die Eigentümer um ihre vier Wände kümmern“, sagt Ortsvorsteher Udo Berle. „Andererseits ist es offiziell immer noch ein Ferienpark. Die Erstwohnsitzfrage ist von zwei Bewohnern des Ferienparks losgetreten worden. Das kann man doch nicht auf alle 170 Häuser übertragen, die es hier gibt. Der Ferienpark sollte unserer Meinung nach das bleiben, was er ist: ein Urlaubsdomizil“, sagt Berle im Namen des Ortsbeirats und der Einwohner von Machtlos.

Allerdings wurde der ursprüngliche Erholungscharakter schon vor Jahren verwässert. Im Jahr 2012 verabschiedeten die Ronshäuser Gemeindevertreter eine Regelung, die das Wohnen dort ausnahmsweise in der Zeit vom 15. Oktober bis zum 23. Dezember erlaubte, um die touristische „Saure-Gurken-Zeit“ überbrücken zu helfen. Grundsätzlich hatten die Abgeordneten aber daran festgehalten, dass der Ferienpark einen Charakter als „Gebiet für Erholungsaufenthalte in Ferienhäusern“ behält.

In der jüngsten Gemeindevertretersitzung stand das Thema erneut auf der Tagesordnung. „Was insbesondere im touristischen Bereich vor mehr als vier Jahrzehnten attraktiv war, ist heute längst überholt“, meinte Reinhard Brandau, Vorsitzender der WGR-Fraktion. Die SPD ging noch weiter.

Der Bebauungsplan Ferienpark Machtlos soll mit der Zielsetzung geändert werden, „neben der weiterhin primären touristischen Nutzung für temporäre Erholungsaufenthalte auch ein dauerhaftes Wohnen in den Häusern des Ferienparks zu ermöglichen beziehungsweise zu legalisieren“. Diesem SPD-Antrag stimmte der Mehrheit der Abgeordneten zu.

Nun beginnt die Kärrnerarbeit, also die Gespräche mit dem Machtloser Ortsbeirat, die Änderung des Bebauungsplans und die Klärung der rechtlichen, finanziellen und faktischen Fragen und Aspekte. (Thomas Klemm)

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