Auswertung der AOK

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg leben die meisten Zuckerkranken Hessens

Entscheidend ist, was man isst: So schmackhaft die Auslage dieser Fleischtheke auch anmutet – Gemüse gehört zu einer ausgewogenen Ernährung dazu, sagen die heimischen Diabetologen.
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Entscheidend ist, was man isst: So schmackhaft die Auslage dieser Fleischtheke auch anmutet – Gemüse gehört zu einer ausgewogenen Ernährung dazu, sagen die heimischen Diabetologen.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind deutlich mehr Menschen zuckerkrank als im Rest Hessens. Das geht aus dem Gesundheitsatlas des wissenschaftlichen Instituts der AOK hervor. Demnach haben im Durchschnitt 11,4 Prozent der Kreisbevölkerung den sogenannten Typ-2-Diabetes.

Hersfeld-Rotenburg - Das ist der Spitzenwert aller Landkreise in Hessen (Durchschnitt: 8,1 Prozent). Bundesweit taucht die Zuckerkrankheit bei 8,6 Prozent der Einwohner auf. Wie die Gesundheitsstudie belegt, ist die Diabetes-Häufigkeit dabei keine Frage der Altersstruktur in Waldhessen. Das Alter ist zwar einer der bestimmenden Risikofaktoren für die Entwicklung der Krankheit – hessenweit sind mehr als die Hälfte aller Typ-2-Diabetes-Patienten über 70 Jahre alt.

Und im Schnitt sind die Menschen im Kreis Hersfeld-Rotenburg älter als die hessische Durchschnittsbevölkerung, aber auch um die höhere Altersstruktur bereinigt kommt der Typ-2-Diabetes im Landkreis hessenweit am häufigsten vor.

Mit dem AOK-Gesundheitsatlas beschäftigt haben sich auch die Diabetologen Dr. Markus Kroker aus Bebra und Dr. Frank Klein aus Schenklengsfeld. „Eine einfache und plausible Erklärung, warum unser Landkreis Schlusslicht ist, gibt es nicht“, sind sich beide einig.

Aus der Studie gehe allerdings hervor, dass im Landkreis zwei Risikofaktoren, die eine Diabetes-Erkrankung stark begünstigen, in auffälliger Ausprägung vorkämen: „Bei der Adipositas – also der Fettleibigkeit oder dem krankhaften Übergewicht – sind wir der Kreis mit dem höchsten Aufkommen“, berichtet Kroker, der als hausärztlich tätiger Internist in Bebra eine Praxis betreibt. Ebenfalls als Risikofaktor gelte ein niedriger sozialer Status. Das ergebe der sogenannte Deprivationsindex des Robert-Koch-Instituts. Hier falle auf, dass der Mangel an materiellen und sozialen Ressourcen wie Einkommen, Beschäftigung und Bildung im Kreis Hersfeld-Rotenburg im Vergleich überdurchschnittlich ausgeprägt sei. „Wir werden als dünn besiedelter, ländlicher Raum klassifiziert – von insgesamt nur vier Landkreisen in Hessen – und liegen im oberen Bereich“, sagt Kroker.

Eine weitere, eigentlich positive Erklärung für die hohe Diabetes-Patientenzahl hat Dr. Frank Klein: „Im Landkreis gibt es mit vier diabetologischen Schwerpunktpraxen eine deutlich bessere Abdeckung – und dadurch sind akkuratere Diagnosen möglich als andernorts“, sagt der 64-jährige Hausarzt.

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Von Peter Gottbehüt

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