Seit kurzem im Ruhestand

Im Porträt: Bernd Stahl brennt für Kommunalpolitik und Bergbau

Bernd Stahl vor einem Bild der Wasserburg in Friedewald.
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Wohlig in der Wahlheimat: Bernd Stahl, ein Junge aus dem Ruhrpott, lebt mit seiner Familie seit 30 Jahren in Friedewald. Und das soll auch so bleiben.

Bernd Stahl ist Gewerkschaftssekretär im Ruhestand, an Ruhe denkt er aber nicht. Seit Langem ist er kommunalpolitisch aktiv, kürzlich wurde er Erster Beigeordneter in Friedewald.

Friedewald – Ein Leben ohne Bergbau und Kommunalpolitik ist für Bernd Stahl aus Friedewald nur schwer vorstellbar. Denn wenn es etwas gibt, wofür der 65-Jährige brennt, dann sind es diese beiden Dinge.

Zwar ist er nach 45 Arbeitsjahren nun Ende September aus dem aktiven Arbeitsleben ausgeschieden, doch zur Ruhe setzen, das ist sein Ding nicht. Und so bleibt er dem Bergbau auch über das Arbeitsleben hinaus verbunden. Vor geraumer Zeit wurde er zum Bundesvorsitzenden der Deutschen Berg-, Hütten- und Knappenvereine gewählt. Insgesamt gehören 432 Vereine mit mehr als 60 000 Mitgliedern aus zehn Landesverbänden dazu – natürlich aus traditionellen Bergbauregionen.

Bernd Stahl selbst stammt aus Hamm in Westfalen, mitten aus dem Ruhrpott. „Mein Vater, der selbst Bergmann war, hat mir nach dem Abitur erklärt, dass es für mich nun zwei Möglichkeiten gebe – Bank oder Bergbau“, berichtet Stahl. Und so hat er sich 1976 für eine Ausbildung zum Elektriker in der Steinkohle-Zeche Heinrich Robert entschieden. Dort blieb er bis zu seinem Wechsel zur Gewerkschaft IGBE (Industriegewerkschaft Bergbau und Energie) im Jahre 1985 in Recklinghausen. Zuvor absolvierte er noch ein Gewerkschaftsstudium an der Akademie der Arbeit in Frankfurt.

1991 führte ihn sein Berufsweg nach einem juristischen Zusatzstudium als IGBE-Bezirkssekretär nach Bad Hersfeld. Eine Stadt, in die er eigentlich nie wollte. „Da gab es ja in den 80er Jahren diese unschöne politische Geschichte mit dem SS-Treffen und den dagegen Sturm laufenden Festspielschauspielern. Ich erinnere mich noch an einen Bericht im Fernsehen, mit der protestierenden Eva Renzi vor der Stiftsruine. Da war für mich Bad Hersfeld eigentlich gestorben. Aber meine Frau Jutta hat mich dann doch überzeugt“, erklärt Stahl.

Und es sei aus seiner Sicht gut, auf die eigenen Frau zu hören. „Nach Bad Hersfeld zu gehen war die beste Entscheidung nach der, sie geheiratet zu haben. Ich werde hier nie wieder weggehen, weil es einfach nur schön ist“. Obwohl Stahl in Friedewald seit nun genau 30 Jahren eine Heimat gefunden hat, sind seine schwärzesten Stunden auch mit der Gewerkschaftszeit in Bad Hersfeld verbunden. Im sauerländischen Meggen wurde 1992 der Erzbergbau eingestellt und Stahl musste diesen Prozess begleiten. „Es wurden immer weniger Bergleute und am Ende war die Kaue leer.“

Persönlich angegriffen habe ihn zudem die Insolvenz der Rhön Porzellan GmbH in Stadtlengsfeld mit 81 Mitarbeitern. Da wurde am 1. Dezember 1998 nach einigen Eigentümerwechseln die Insolvenz eröffnet. „Der Geschäftsführer, ein Schweizer, hatte sich nach dem Insolvenzantrag sofort aus dem Staub gemacht. „Da habe ich dann mit dem Insolvenzverwalter vor den Beschäftigten – meist Frauen – gestanden und wir haben die Schließung verkündet. Ich habe seitdem nie wieder in derart ungläubig dreinblickende Augen geschaut“, erinnert sich Stahl.

Auch wenn er im Dezember 2011 beruflich als Fachsekretär für Tarifpolitik in die Hauptverwaltung der IGBCE – der Zusatz C steht für Chemie – nach Hannover wechselte, blieb er in Friedewald wohnen. Schließlich führten ihn Tarifverhandlungen auch immer wieder an die Kalistandorte vor Ort.

Seit dem 27. Oktober ist er nun auch kommunalpolitisch wieder etwas mehr gefordert. Als Erster Beigeordneter der Dreienberggemeinde vertritt er den zum Jahresende ausscheidenden Bürgermeister Dirk Noll, der dann das Amt des Ersten Kreisbeigeordneten im Landratsamt in Bad Hersfeld übernimmt. Bis ein Nachfolger für Noll in Friedewald gewählt ist, muss der Sozialdemokrat Stahl dort die Amtsgeschäfte führen. Und so wird der Ruheständler für einige Monate wieder zum kommunalpolitischen Unruheständler.

Zur Person Bernd Stahl

Bernd Stahl (65) ist in Hamm in Westfalen, mitten im Ruhrpott, aufgewachsen. Nach dem Abitur absolvierte er in der Zeche Heinrich Robert eine Ausbildung zum Elektriker. 1983 begann er an der Akademie der Arbeit in Frankfurt ein Gewerkschaftsstudium. Im Anschluss war er dort ein Jahr Assistenz im Studienschwerpunkt Sozialpolitik.
Von 1985 bis zu seiner Pensionierung am 30. September 2021 war Stahl in unterschiedlichen Funktionen für die Industriegewerkschaft Bergbau, Energie (seit 1997 IGBCE – um Chemie erweitert) tätig. So von 2011 bis zum Ausscheiden in 2021 als Fachsekretär für Tarifpolitik in der IGBCE-Hauptverwaltung in Hannover.
Stahl ist zudem seit 47 Jahren Mitglied der SPD. Seit 2002 gehört er dem Kreistag an. Mit Unterbrechungen ist er seit 1993 kommunalpolitisch in Friedewald tätig. Seit dem 27. Oktober nun als Erster Beigeordneter.
Bernd Stahl ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder und drei Enkel. In seiner Freizeit wandert er gerne um Friedewald. In den Urlaub fahren die Stahls schon seit Generationen nach Dänemark. Ziel ist dort Marielyst auf der Insel Falster. (Mario Reymond)

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