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In Siegwinden im Haunetal finden Geflüchtete Zuflucht

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Von: Laura Hellwig

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Hier kommen sie zur Ruhe: Elena Miroschkina und ihr Sohn Kirill, beide aus Harkive, wohnen derzeit in Siegwinden. Tabea Kania (zweite von rechts) und die ehrenamtliche Übersetzerin Erna Mychlinski (rechts) helfen den Geflüchteten, wo sie können.
Hier kommen sie zur Ruhe: Elena Miroschkina und ihr Sohn Kirill, beide aus Harkive, wohnen derzeit in Siegwinden. Tabea Kania (zweite von rechts) und die ehrenamtliche Übersetzerin Erna Mychlinski (rechts) helfen den Geflüchteten, wo sie können. © Laura Hellwig

In Siegwinden im Haunetal haben rund 50 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine - darunter allein 50 Kinder, viele davon Waisen - Zuflucht gefunden. Sie haben meist Schlimmes erlebt.

Haunetal – Ein warmer Frühlingstag, Kinder spielen auf dem Trampolin, sind auf Inlinern und Fahrrädern unterwegs, spielen Fußball, lachen. Eigentlich kein ungewöhnlicher Anblick auf der Freizeitanlage Siegwinden im Haunetal, wo seit Jahrzehnten Kinder ihre Ferien verbringen. Doch diese Kinder sind anders. Sie sind vor dem Krieg in der Ukraine geflohen.

Rund 80 Geflüchtete sind auf dem Gelände derzeit untergebracht, darunter über 50 Kinder. Wir haben uns bewusst entschieden, Waisen und Familien mit vielen Kindern bei uns aufzunehmen“, erzählt Tabea Kania, die in der Verwaltung des Vereins Brücke zur Heimat arbeitet, der das Freizeithaus seit 1956 betreibt. Angefangen hat der Betrieb damals mit der Betreuung von Nachkriegs-Kindern, die zur Erholung ins idyllische Haunetal gekommen sind. „Dass es soweit nochmal kommen würde, das hätten wir nicht gedacht“, bedauert Kania.

Eine Frau telefoniert im Haus, sie legt auf. Sie kommt raus auf den Hof und umarmt Tabea Kania. „Ich habe mit meinem Mann telefoniert. Im Hintergrund hat man wieder nur bumm bumm gehört. Aber es geht im gut“, sagt sie auf Englisch. Beide Frauen haben Tränen in den Augen.

In der Nacht zum 7. März kamen die ersten Geflüchteten in Siegwinden an. Marco Sell, Steuerberater und Geschäftsführer von fünf HSP-Niederlassungen in der Region, hatte sie ins Haunetal gebracht. Die Hilfsbereitschaft in den kommenden Tagen und Wochen war für das Brücke-Team überwältigend. „Was mit einer kleinen Anfrage für Kleiderspenden im Neukirchener Kindergarten angefangen hat, hat riesige Wellen geschlagen“, erzählt Kania. Mittlerweile habe man alles im Überfluss. Sachspenden werden an andere hilfebedürftige Familien weitergegeben. Aus dem „Schlecker“, einer Ferienhütte, in der allerlei Hygieneartikel gelagert werden“, können sich alle bedienen.

Jedes der Kinder – sie sind zwischen drei Monaten und 17 Jahren alt – hat seine eigene tragische Geschichte zu erzählen. „Wenn die Kinder hier ankommen, ist ihnen der Schock ins Gesicht geschrieben“, sagt Kania. Nach und nach könnte man beobachten, wie sie wieder lebendig werden. In kürzester Zeit habe sich ein Team aus ehrenamtlichen Helfern zusammengestellt, darunter auch pädagogisches Fachpersonal, Seelsorger, Menschen die übersetzen können. Eine Fotografin hat Passbilder gemacht, die Landfrauen haben Kuchen gebacken, eine Bäckerei versorgt die Einrichtung mit Broten und Brötchen. „Wir fühlen uns wahnsinnig beschenkt“, sagt Tabea Kania.

Elena Miroschkina wohnt derzeit mit ihren beiden Söhnen und ihrer Mutter in Siegwinden. Sie genieße vor allem die Ruhe auf dem weitläufigen Grundstück, nahe am Wald. Dadurch komme sie auch innerlich zur Ruhe, erzählt sie. Jeden Tag telefoniert sie mit ihrer Familie in der Ukraine. „Das wichtigste ist, dass die Kinder in Sicherheit sind“, so Miroschkina. Zwar gebe es in Siegwinden für sie so etwas wie einen festen Tagesablauf, die Lehrerin bedauert allerdings, nicht arbeiten zu können.

„Sobald das alles zu Ende ist, wollen wir nach Hause“, sagt sie. Das gelte für die meisten Familien, die im Haunetal untergekommen sind. Nur wenige hätten familiäre Kontakte und wollen noch weiterziehen, berichtet Tabea Kania. (Laura Hellwig)

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