Geringer Bestand von Bienen, Wespen und Schmetterlingen

Insektensterben in der Region Hersfeld-Rotenburg: Naturschützer schlagen Alarm

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Insektensterben ist nicht nur in der Region dramatisch. Das Problem besteht weltweit.

Wolfram Brauneis schlägt Alarm: „Der Rückgang an Insektenzahlen in der Region ist dramatisch. Es muss unbedingt gegengesteuert werden." 

Der stellvertretende Vorsitzende der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) Wolfram Brauneis ist um den Insektenbestand besorgt. Der Eschweger ist außerdem Mitglied des Landesnaturschutzbeirats Hessen. „Das sieht man schon daran, dass sich an der Windschutzscheibe im Sommer kaum noch Insekten sammeln“, sagt auch Michael Herzog, der Vorsitzende des Nabu-Kreisverbandes Hersfeld-Rotenburg.

Wissenschaftliche Erhebungen über Insektenzahlen im Landkreis gebe es zwar nicht – ein Indikator sei jedoch der Rückgang von insektenfressenden Vogelarten, so Herzog.

Das Problem besteht weltweit. Wenn es nicht gestoppt wird, könnten wichtige Arten in 100 Jahren ausgestorben sein, schreiben verschiedene Autoren in der jetzt erschienenen Fachzeitschrift „Biological Conservation“. Besonders gravierend sei der Schwund bei Schmetterlingen, Bienen, Wespen und Ameisen sowie bei Dungkäfern.

Bienenvölker: deutschlandweit ein Plus

Was Bienenvölker angeht, beruhigt allerdings Anke Roß, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands, etwas: Dort gibt es deutschlandweit ein Plus. Sie stellt klar: „Wir sind dankbar für jedes Insekt, denn sonst gibt es keine Ernte.“ Die normale Landwirtschaft biete genügend Lebensraum für Insekten. Der trockene Herbst habe aber zur Folge, dass es wenig Raps gebe – „das werden die Imker merken“, glaubt Roß.

Sie nennt weitere Probleme: Fläche werde versiegelt, Verbraucher setzen Mähroboter ein oder legen Steingärten an. Organischer Dünger auf Bauernhöfen, eine Brutstätte für Insekten, müsse abgedeckt werden. All das mache es Insektenpopulationen schwer. Roß ist froh, dass im Kreis Imker und Landwirte einen guten Dialog pflegen und es zunehmend Blühstreifen an den Felderrändern gebe: Biotope für Insekten, aber auch für Kleintiere und Niederwild.

Zahl der Vögel Indikator

Die diesjährige Wintervogel-Zählung des Naturschutzbundes (Nabu) ergibt die zweitniedrigste Zahl nach dem Rekordminus von 2017. Vor allem Futterhausbesucher wie Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpf- und Tannenmeisen ließen sich in diesem Winter seltener sehen. Doch auch die Zahlen anderer Waldvögel wie Kleiber, Eichelhäher und Gimpel liegen niedriger als im langjährigen Mittel. Im Schnitt 37 Vögel wurden innerhalb von 60 Minuten beobachtet. 2011 waren es noch 46

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