1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra

Integration am Arbeitsmarkt: Sprache ist die größte Hürde

Erstellt:

Von: Christopher Ziermann

Kommentare

Ein Schild mit dem Logo der Arbeitsagentur, ein Mann im Hintergrund.
Symbolbild Agentur für Arbeit © Markus Scholz/dpa

Die Integration der ukrainischen Geflüchteten am Arbeitsmarkt steht noch ganz am Anfang. 644 Ukrainer, die im Kreis Hersfeld-Rotenburg leben, sind im erwerbsfähigen Alter.

Hersfeld-Rotenburg – Die Integration der ukrainischen Geflüchteten am Arbeitsmarkt steht noch ganz am Anfang. Bislang sind laut dem Jobcenter, das beim Landkreis angesiedelt ist, in Hersfeld-Rotenburg 26 Personen aus der Ukraine in sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen und acht in geringfügige Beschäftigungen vermittelt worden, heißt es auf Nachfrage im Landratsamt.

Die größte Hürde sei dabei die Sprachbarriere. „Die regionale Wirtschaft signalisiert, dass sie sehr aufnahmebereit ist für ukrainische Mitbürger“, sagt Julia Kossack, Leiterin des IHK-Servicezentrums Hersfeld-Rotenburg.

Dass bislang nur wenige Geflüchtete Arbeit haben, hänge neben der Sprachbarriere auch damit zusammen, dass unter ihnen viele Mütter mit Kindern seien. Krippen und Kitas stoßen im Landkreis vielerorts an Kapazitätsgrenzen – wir berichteten.

Ähnlich ist die Einschätzung der Kreishandwerkerschaft. Die engagiert sich vor allem in der Vermittlung von Ausbildungsstellen. Viele Ukrainer seien gut qualifiziert und viele hätten auch die Hoffnung, in ihr Land zurückkehren zu können, sagt Kreishandwerker-Geschäftsführer Hubert Lorenz. „Sie sind dann nicht auf der Suche nach einer langfristigen Ausbildung. Vereinzelt gelingt aber auch die Vermittlung in reguläre Arbeitsstellen.“

Willkommenslotse Rakan Kirakosian fügt hinzu: „Im nun beginnenden Ausbildungsjahr sind Menschen aus der Ukraine noch kein Faktor. Wir stehen noch am Anfang. Wenn die Sprache erst mal sitzt, kann es auch gut sein, dass sich einige umorientieren und eine Ausbildung in einem neuen Feld beginnen. Dabei helfen wir gerne.“

Das kommunale Jobcenter hat derzeit aufgrund der „hohen Zugangszahlen in kürzester Zeit“, wie es im Landratsamt auf Nachfrage heißt, viel zu tun. Bei den Kunden würden Kenntnisse und Fähigkeiten, berufliche Erfahrungen und Schulabschlüsse erfragt, um passgenaue Stellenangebote zu unterbreiten.

Im Kreis werden aktuell 16 Sprach- und Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) angeboten, teilt das Landratsamt mit. Außerdem sei im Mai – recht frühzeitig – auf Initiative des Ersten Kreisbeigeordneten Dirk Noll ein Angebot von sechs Sprachkursen über die Volkshochschule des Kreises ins Leben gerufen worden. Drei davon mit 44 Teilnehmern seien bereits abgeschlossen, weitere 42 seien aktuell in Kursen.

644 Ukrainer im erwerbsfähigen Alter

Im Landkreis sind derzeit laut Landratsamt 1565 ukrainische Geflüchtete gemeldet. Geflüchtete mit Aufenthaltserlaubnis haben seit 1. Juni einen Anspruch auf Leistungen aus dem Sozialgesetzbuch II, also zum Beispiel Arbeitslosengeld. Zuständig ist das Jobcenter beim Landkreis. Das führt derzeit 644 Personen im erwerbsfähigen Alter. Nicht alle stehen allerdings dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, zum Beispiel wegen der notwendigen Kinderbetreuung. 412 ukrainische Geflüchtete sind derzeit im Kreis arbeitslos gemeldet. 

(Christopher Ziermann)

Auch interessant

Kommentare