Fünf Jahre „Multicafé“

Integration einmal anders

Gemeinsam beim Kaf-feeklatsch: von links Evelyn Wassermann, Kevser Özgen, Dilek Baser, Adriana Ziegenbein, Lotti Lantos. Foto: Schubert

Bebra. Zwei deutsche Frauen, zwei Türkinnen, eine Rumänin, eine Indonesierin – sie sind so richtige Multikulti-Freundinnen. Seit Jahren kennen sich die Frauen und treffen sich in Bebra jede Woche zum gemeinsamen Kaffeeklatsch, ihrem selbst ernannten „Multicafé“. Da wird über alles und jeden gesprochen, herzlich gelacht, und: nebenbei die Integration auf eine ganz moderne Art gefördert.

„Wir haben immer Gesprächsstoff und geben einander Kraft und Energie durch das Lachen“, sagen die Zwillingsschwestern Evelyn Wassermann und Lotti Lantos. Die 63-jährigen Frauen lieben diese „Integration im kleinen Kreis“, denn wie sie sagen, bleiben sie dadurch jung.

Mit der Freundschaft zwischen Evelyn Wassermann und Dilek Baser fing es an. „Dilek ist meine Tochter im Herzen, und für ihre Kinder bin ich die Oma“, sagt Evi Wassermann und strahlt Tima, ihre kleine „Enkelin“, an. Timas 33-jährige Mama, die seit elf Jahren in Bebra ist, erinnert sich: „Am Anfang war es in Deutschland echt hart. Ich fühlte mich allein, brauchte Freundinnen. Evis Unterstützung hat mir sehr geholfen.“

Ihre Kaffeeklatsch-Runde wuchs an. Die Rumänin Adriana Ziegenbein kam hinzu, ebenso Elli Bode aus Indonesien und Kevser Özgen aus der Türkei.

Die jungen Ausländerinnen bekommen von den deutschen Schwestern ganz praktische Integrationshilfe, zum Beispiel Unterstützung beim Ausfüllen von Überweisungen und der Vermittlung von kleinen Jobs. Im Gegenzug lernten die Deutschen beispielsweise den Ramadan kennen.

„In unserer Runde gibt es auch generell kein Schweinefleisch“, sagt Evelyn Wassermann im Hinblick auf die muslimische Religion. „Das ist das, was uns fasziniert: Unsere Vielfalt. Aber letztendlich denken und fühlen wir ganz ähnlich.“ Sogar bei Dileks Hochzeit waren sie in die Türkei eingeladen. „Da haben wir eine original türkische Hochzeit mit 500 bis 1000 Gästen erlebt. Beeindruckend!“, sagt Lotti Lantos. Ihre Schwester habe sogar eine Hochzeitsrede auf Türkisch einstudiert.

In Deutschland ermutigen sie die jungen Frauen, sich zu engagieren. „Wenn sie hier leben, müssen sie am sozialen Leben teilnehmen“, sagt Wassermann. Das Awo-Café und das Siedlungsfest sind nur Beispiele dafür. „Es ist ein Geben und Nehmen. Und es ist gar nicht aufwändig. Wir können andere nur anregen, das auch zu machen.“

Von Elisa Schubert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.