Festspiel-Intendant zur Ausslastung

Dieter Wedel im Interview zur Festspiel-Bilanz

Er will künftig noch genauer hinsehen: Intendant Dieter Wedel hat eine überwiegend positive Bilanz der Bad Hersfelder Festspiele 2015 gezogen. Aber er sieht noch Luft nach oben. Foto/Archiv: dpa

Bad Hersfeld. Intendant Dieter Wedel hat das Einheits-Wochenende in Frankfurt verbracht, um auch dort am Rande der Feierlichkeiten Werbung für die Bad Hersfelder Festspiele zu machen.

Zwischen Feiern und Terminen sprach Kai A. Struthoff mit dem Festspiel-Intendanten.

Die Bilanz der Festspiele 2015 liegt vor. Sind Sie mit der 88-prozentigen Auslastung zufrieden? 

Dieter Wedel: Ja, aber ganz zufrieden darf man nie sein. In meinem letzten Jahr in Worms, wo es hundert Plätze mehr gibt, hatte ich 99,6 Prozent Auslastung. Aber daran habe ich auch 13 Jahre gearbeitet. Wenn ich es also mit Worms vergleiche, könnte die Auslastung noch besser sein. Aber dort haben wir auch etwas ganz Neues begonnen. In Bad Hersfeld galt es hingegen, zunächst einige Gräben zu überwinden. Ich habe anfangs deutliche Vorbehalte gespürt, aber das hat sich glücklicherweise schnell gegeben.

Unter dem Strich sind etwa 10.000 Besucher weniger zu Ihnen gekommen, als zu den Festspielen unter Holk Freytags Intendanz. Wurmt Sie das? 

Wedel: Was mich stört, sind solche Vergleiche. Wir können doch nur die Plätze verkaufen, die wir im Angebot haben, und das ist uns nach einer sehr kurzen Planungs- und Anlaufzeit bestens gelungen. Außerdem mache ich doch keinen Wettbewerb mit Holk Freytag. Die Zahlen sind eben nicht vergleichbar. Wir haben eine neue Tribüne, wir haben eine Außenspielstätte und andere Neuerungen. Anfangs hatten wir das Gefühl, im Nebel zu stochern. Deshalb war es mir auch so wichtig, mit Stefan Pruschwitz einen unabhängigen kaufmännischen Geschäftsführer zur Seite gestellt zu bekommen. Trotzdem war auch wegen des Zeitdrucks Vieles unwägbar. Hinzu kamen der Mindestlohn, der nicht vorgesehen war, und andere ungeplante Ausgaben.

Was dann zur Deckungslücke von 175.000 Euro führte ... 

Wedel: Ich habe mich geärgert über die Überziehung. Dennoch ist das verglichen mit dem hohen deutschlandweiten Medieninteresse, der Rekordeinnahme und der guten Auslastung ein Ergebnis, das uns optimistisch nach vorne schauen lässt. Die Festspiele werden wesentlich mehr wahrgenommen als in den Jahren zuvor. Das wurde ganz deutlich bei einer Veranstaltung des Landes anlässlich der 25-Jahr-Feiern zur Wiedervereinigung von Minister Boris Rhein in Frankfurt hervorgehoben. Und das kommt auch der gesamten Stadt Bad Hersfeld zugute. Eine Open-Air-Veranstaltung hat andere Gesetze als ein Stadttheater. Die Deckungslücke macht in einem Unternehmen wie den Festspielen mit einem Etat von mehr als sechs Millionen Euro nicht mal drei Prozent aus. Um noch genauer planen zu können, werde ich in Zukunft einen Herstellungsleiter meiner Filmfirma einsetzen, der vorab die Stücke wie einen Film durchkalkuliert.

Das klingt, als wären Sie ein wenig in der Defensive? 

Wedel: Da habe ich doch gar keinen Grund dazu. Denn es ist doch so ziemlich alles geglückt, und die Festspiele haben wieder eine Zukunft. Ich habe jetzt natürlich mehr Zeit, um über die neuen Stücke nachzudenken, und dabei auch die Ästhetik der Stiftsruine einzubeziehen. Ich würde künftig zum Beispiel auch in Bad Hersfeld gern Filmeinspielungen zeigen, die in Worms zu meinem Markenzeichen geworden sind.

Sie wollen Anfang November den Spielplan für 2016 vorstellen. Sind Sie guter Dinge? 

Wedel: Ja. Auch wenn es natürlich immer unerwartete Probleme und Schwierigkeiten gibt. Im Moment ringen wir beispielsweise noch um ein zweites Musical neben Cabaret, aber die rechtlichen Fragen sind immer kompliziert.

Sie hatten auch mit Gershwins Porgy und Bess als Ersatz für die Oper geliebäugelt? 

Wedel: Diesen Plan mussten wir leider verwerfen, weil die Kosten einfach zu hoch gewesen wären. Außerdem müsste das Stück in Englisch gespielt werden. Das ist ein Risiko. Ich wollte daher nicht sehenden Auges eine donnernde Überziehung riskieren.

Glauben Sie, dass Ihr Festspiel-Konzept inzwischen in Bad Hersfeld angekommen ist? 

Wedel: Ich glaube, es gibt die Bereitschaft, Veränderungen anzunehmen. Der Rote Teppich oder die Gastronomie im Park sind auf Anhieb gut angenommen worden. Das hat in Worms viel länger gedauert. Veränderungen sind notwendig. Denn wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.

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