MONTAGSINTERVIEW Amtszeit endet nach sechs Jahren

Dr. Michael Koch (CDU): „Landrat zu sein, war mir eine Ehre“

Das Bild zeigt einen lächelnden Landrat Dr. Michael Koch vor dem Anbau am Landratsamt.
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Ein Lächeln zum Abschied: Die Amtszeit von Landrat Dr. Michael Koch (CDU) endet am 31. August 2021. Im Hintergrund ist der Anbau am Landratsamt zu sehen.

Am 31. August 2021 endet nach sechs Jahren die Amtszeit von Landrat Dr. Michael Koch (CDU). Sein Nachfolger wird der Sozialdemokrat Torsten Warnecke.

Herr Landrat, mit welchem Gefühl gehen Sie an diesen letzten Tagen Ihrer Amtszeit zur Arbeit?

Mit einem Gefühl großer Zufriedenheit, weil mir in den vergangenen Wochen bewusst wurde, dass es doch viele gab, die meine Arbeit geschätzt haben und sich dafür bedankt haben. Es war für mich etwas Besonderes, hier in meiner Heimat politische Verantwortung übernehmen zu dürfen. Deshalb wird diese Zeit auch nie nur eine berufliche Station für mich sein. Es war mir eine Ehre – und natürlich bin ich deshalb auch ein bisschen traurig.

In den Wochen seit der Kommunalwahl hat man vergleichsweise wenig aus dem Landratsamt gehört. Ruhen hier alle Projekte und warten auf Torsten Warnecke?

Langfristige, strategische Projekte habe ich natürlich nicht neu angestoßen, weil sie immer die Handschrift des Landrats tragen, der dabei auch immer der Taktgeber ist. Ich habe in meiner Amtszeit Projekte wie den Pakt für den Nachmittag, die Sanierung unserer Schulstandorte oder den Kreisstraßenbau vorangetrieben, und da muss man auch mit Druck hinterher sein. Trotzdem wurde auch seit der Wahl noch viel geschafft.

Zum Beispiel?

Wir haben zum Beispiel sichergestellt, dass bis Ende nächsten Jahres alle Schulen ans schnelle Internet angeschlossen sein werden. Dabei geht es um Generationenprojekte, auch dafür haben wir viel Geld in die Hand genommen. Das wird aber auf Dauer so nicht weitergehen. Ein Landrat kann immer nur mit den vom Kreistag bereitgestellten Mitteln arbeiten – ich hatte deshalb Glück, sehr viel gestalten zu dürfen.

Ein wenig irritierend ist trotzdem die Ruhe um das Klinikum. Vor der Wahl wurde fast jeden Tag darüber geredet – jetzt hört man nichts. Läuft der Radikalumbau noch?

Natürlich geht es dort weiter. Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung haben gerade beschlossen, dass die notwendigen Planungen für den Neubau in Bad Hersfeld vergeben werden. Das ist ein wichtiger Meilenstein und zugleich die Grundlage für die Fördergelder vom Bund. Auch das Land wird uns weiter unterstützen. Wir haben also weitergearbeitet, aber die Debatte war nicht mehr so überhitzt.

Das zeigt auch, dass sich viele, die sich im Wahlkampf geäußert haben, kein Interesse am Klinikum und den Mitarbeitenden hatten. Wenn wir zwei Jahre weiter gewesen wären, wäre die Wahl vielleicht anders ausgegangen. Trotzdem bereue ich nicht, den Sanierungsprozess angeschoben zu haben – aber ich hätte ihn auch gern noch weiter begleitet.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich hoffe, dass mein Nachfolger von dem eingeschlagenen Weg nicht zu sehr abweicht. Dafür gibt es auch nicht viele Möglichkeiten, weil dann auch die Fördermittel nicht fließen.

Manche kritisieren, dass die Förderanträge noch nicht gestellt wurden ...

Der Antrag kann nur gestellt werden, wenn auch ein qualifiziertes Nutzungskonzept vorliegt. Dafür muss man aber erst eine Bauplanung haben. Und diese Bauplanung für ein Projekt im dreistelligen Millionenbereich musste zunächst ausgeschrieben werden. Es ist schon peinlich, wie sich manche politischen Mitbewerber äußern und sich dabei blamieren.

Ein weiteres großes Projekt Ihrer Amtszeit ist der Anbau am Landratsamt. Der sollte eigentlich Ende August bezugsfertig sein. Wann rollen denn nun die Umzugswagen?

Wir haben etwa zwei bis zweieinhalb Monate coronabedingte Verzögerung. Das ist nicht viel bei einem Projekt dieser Größenordnung. Wir haben vor allem den Kostenrahmen eingehalten beziehungsweise unterschritten. Und wir werden wie geplant in diesem Jahr umziehen. Die ersten Mitarbeitenden ziehen im September um, die alten Räume sind zum Jahresende gekündigt.

Die Gemeinden im Landkreis sind bislang ganz gut durch die Corona-Krise gekommen. Gilt das auch für den Kreis selbst?

Dank der Landesregierung stehen wir finanziell hervorragend da. Wir sind voll funktionsfähig. Das hätte vor zwei Jahren so wohl keiner erwartet. Doch auch die Kreisverwaltung hat einen wesentlichen Anteil daran, weil Landratsamt und Bürgermeister eng zusammengestanden haben. Alle haben auch hier hart und bis an ihre Grenzen gearbeitet, damit wir so gut durch diese Zeit kommen.

Auf welche Projekte Ihrer Amtszeit sind Sie rückblickend besonders stolz?

Auf das Projekt Breitband-Nordhessen. Dabei wurden allein über 200 Millionen Euro investiert. Wir hätten die Corona-Krise ohne das flächendeckende Internet wohl nicht so gut überstanden. Hier haben aber alle beteiligten Landräte und Landkreise eng zusammengearbeitet. Mein Herzensanliegen war es zudem, die Betreuung am Nachmittag in den Schulen zu verbessern. Auch das ist gelungen. Und es ist noch so viel mehr gelungen. Hinzu kamen die Flüchtlings- und später die Corona-Krise, die uns alle bis ans Äußerste gefordert haben. Deshalb bin ich insgesamt vollkommen zufrieden.

Keine Selbstkritik? Woher kommt es, dass die Wähler mit Ihrer Arbeit offenbar nicht so zufrieden waren, wie Sie selbst?

Im Wahlkampf wurden viele Lügen verbreitet. Es wurde behauptet, ich wollte Schulen schließen und Geld für den Medi-Bus ausgeben. Es wurde auch in der Klinik-Debatte vieles falsch dargestellt und konnte nicht mehr korrigiert werden. Aber auch diese Wahrnehmung durch die Wähler gehört zur Demokratie. Deshalb habe ich die Wahl verloren – und nicht etwa die CDU.

Die CDU hat Sie aber immer bei Ihren Vorhaben unterstützt ...

... und dafür bin ich auch sehr dankbar. Vor allem dem Fraktionsvorsitzenden Herbert Höttl. Die CDU hatte aber nie die Mehrheit im Kreistag. Trotzdem ist es uns gelungen, die meisten Entscheidungen mit breiter Mehrheit zu treffen – auch mit Unterstützung der SPD. Ich glaube auch nicht, dass wir große Fehler gemacht haben. Außerdem habe ich Entscheidungen nie mit Blick auf die nächste Wahl getroffen, sondern mit Fokus auf die Sache selbst.

Hat inzwischen eine Amtsübergabe mit Torsten Warnecke stattgefunden?

Nein, die wird erst ganz am Ende meiner Amtszeit stattfinden. Dann gibt es Gespräche mit allen Fachbereichs- und Fachdienstleitern. Dafür reicht ein Tag, wenngleich man sich natürlich in so ein Amt einarbeiten muss. Aber ich hinterlasse eine sehr gut aufgestellte Verwaltung, die auch selbstständig arbeiten kann. Und auch Frau Künholz ist ja noch weiter da. Deshalb habe ich keine Sorge, dass hier nahtlos weitergearbeitet wird.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Das Quäntchen Fortüne, das diesen Landkreis weiter voranbringt. Hier ist meine Heimat, weshalb ich hoffe, dass es hier immer lebenswerte Verhältnisse gibt. Wir stehen vor großen Herausforderungen: der Klimaschutz, der Ausbildungsbereich, um junge Menschen hier zu halten, die anstehenden Unternehmensnachfolgen. Das Amt des Landrats ist ein ganz besonderes, weil es der Amtsinhaber mit seiner Persönlichkeit sehr stark formen kann. Das wird sicher auch mein Nachfolger so machen, denn ich hoffe, dass auch er das Beste für die Region will und seine Parteiinteressen dahinter zurückstehen.

Wie geht es für Sie beruflich und privat weiter?

Ich werde Direktor beim Hessischen Landkreistag in Wiesbaden und dort in einer Doppelspitze für die Themen Finanzen, Bildung, Kultur, sowie Wirtschaft, Umwelt, Verkehr, Digitalisierung zuständig sein. Das schönste am Ende meiner Amtszeit ist aber, dass ich ab 1. September wieder eine Privatperson bin. Dass wieder mehr Zeit für Privates, Freunde und Familie bleibt, werde ich genießen.

Zur Person

Dr. Michael Koch wurde 1973 in Bad Hersfeld geboren. Nach dem Abitur am Obersberg absolvierte er den Wehrdienst und studierte in Jena, Osnabrück und der Schweiz Jura und wurde in Bayreuth promoviert. Seit 2004 arbeitete Koch in Erfurt im Innenministerium und bekleidete dort verschiedene Ämter. Seit dem 1. September 2015 ist Koch Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg. Der Christdemokrat setzte sich in einer Stichwahl mit 58,4 Prozent gegen die SPD-Kandidatin Elke Künholz durch. Bei der Kommunalwahl am 14. März unterlag Koch seinem sozialdemokratischen Herausforderer Torsten Warnecke. Koch ist geschieden und hat zwei Kinder. In der Freizeit läuft Koch gern Ski, segelt, fährt Motorrad und hält sich mit Jogging fit. (ses/kai)

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