Abstriche werden nun in Gießener Uni untersucht

Jäger ist sich sicher: Wolf hat Reh in Kathus gerissen

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Aufgefressen: Jäger Werner Rehwald ist sich sicher, dass dieses Reh von einem Wolf gerissen wurde. Darauf deuteten die fehlenden Innereien, eine fehlende Rippenwand und die fehlende Wirbelsäule hin. 

Für Jagdpächter Werner Rehwald ist die Sache glasklar: "Das war ein Wolf!" Nur knapp 100 Meter vom Ortsrand entfernt blickt er auf den aufgerissenen Leib eines toten Rehs.

Es fehlen sämtliche Innereien, eine komplette Rippenseite ist weg und auch die Wirbelsäule wurde herausgerissen und verschlungen. „So frisst nur ein Wolf“, erklärt der Jäger. Auf gut 3,5 bis vier Kilogramm schätzt Rehwald die fehlende Fleischmenge. „So viel auf einmal kann kein Hund verschlingen. Wenn jemand aus diesem Riss etwas anderes ableiten will, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.“

Das Reh ist vermutlich am vergangenen Mittwoch zwischen 6 und 8.30 Uhr beim Äsen auf dem Feld direkt am Waldrand von hinten angefallen und durch einen Biss in die Kehle getötet worden. Eine Frau aus Kathus hat das tote Reh beim Spaziergang entdeckt und sofort den in Lispenhausen wohnenden Rehwald verständigt. Der war um 9.20 Uhr zur Stelle und packte die Überreste des Tieres, bei dem die Totenstarre noch nicht eingetreten gewesen sei, in einen Plastiksack.

Aufgefressen: Jäger Werner Rehwald ist sich sicher, dass dieses Reh von einem Wolf gerissen wurde. Darauf deuteten die fehlenden Innereien, eine fehlende Rippenwand und die fehlende Wirbelsäule hin. 

Am Donnerstag wurde das Reh dann beim Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen in Bad Hersfeld von Diplom-Biologin Sara Engelbrecht, der stellvertretenden Leiterin des Naturzentrums Wildpark Knüll, übernommen. Direkt vor Ort nahm sie aus dem Kehlbiss – „der Wolf packt nur einmal zu und hält in dieser Bissposition fest, bis das Beutetier verendet ist“, so Rehwald – vier Abstriche, um diese in der Gießener Justus-Liebig Universität untersuchen zu lassen. Dorthin wurde von ihr auch der Rehkörper gebracht. Engelbrecht selbst hat ein Interesse an der Aufklärung des Geschehens, da vor fünf Wochen ein Wolf aus dem Wildpark Knüll entlaufen ist.

Obwohl ein genaues DNA-Ergebnis wohl erst in einigen Wochen vorliegen wird, ist sich Rehwald schon heute sicher, dass es in seinem Revier rund um Kathus Wölfe gibt. „Der Rehwildbestand hat seit Juli vergangenen Jahres auffällig abgenommen. Ich habe daher aus den unterschiedlichsten Gründen 16 Wildkameras installiert – auch wegen Wilderei und wildernden Hunden.“ Einen Wolf hat er aber noch nicht ablichten können. Allerdings haben Rehwald und einige seiner Jagdkollegen schon mehrfach Wolfsspuren gesichtet und auch fotografiert.

Werner Rehwald, Jagdpächter im Revier Kathus.

So lange also Ungewissheit herrscht, mahnt Rehwald alle Hundebesitzer zu großer Vorsicht. „Seinen Hund derzeit im Bereich von Kathus frei laufen zu lassen, wäre geradezu leichtfertig. Denn die Lieblingsspeise des Wolfes ist der Hund. Es geht nicht darum, Ängste zu schüren. Aber alleine aus Gründen der Fürsorge sollten Hundefreunde achtsam sein und ihr Tier an der Leine führen.“

Dass der vor 150 Jahren in Deutschland schon einmal völlig ausgerottete Wolf hier nun wieder heimisch werden soll, bewertet Rehwald als politisch vollkommen falschen Schritt. „Da der Wolf keinen Feind hat, fordere ich, dass er Aufnahme in das Jagdrecht findet.“

Rehwald möchte aber keineswegs missverstanden werden: „Bereits im Alter von zehn Jahren habe ich aktiv im Bund für Vogelschutz mitgearbeitet. Der Schutz der Singvögel und die Tätigkeit im Naturschutz waren für mich eine Selbstverständlichkeit. Alleine aus Sorge um die Natur, die Wildtiere und die Nutztiere, stehe ich der Ausbreitung des Raubtiers Wolf sehr kritisch gegenüber.“

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