Eine App hilft, auf dem Laufenden zu bleiben

In Hönebach kann jeder Dorffunker sein

Das Bild zeigt Natalie und André Reukauf, die ein Smartphone hochhalten und für die neue Hönebach-App werben.
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Neubürger mit Dorffunk: Seit dem ersten Tag nutzen Natalie und André Reukauf die neue Hönebach-App. Sie war ihnen schon oft nützlich, zum Beispiel beim Verkauf einer gebrauchten Waschmaschine.

Isoliert in der Corona-Pandemie? In Hönebach nutzt man eine App, um in Verbindung zu bleiben. Der Dorffunk funktioniert.

Hönebach - Der Heimatverein 700 Jahre Hönebach hat jetzt die Dorffunk-App für 50 Euro pro Monat freigeschaltet. Die vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern entwickelte App ist ein Messenger-Dienst mit lokaler Reichweite, die sich auch auf Nachbargemeinden erstrecken kann. Bundesweit wird der Dienst bereits von mehr als 50 000 Menschen genutzt.

Die Hönebacherin Lissy Linß wurde vor zwei Jahren in einem Artikel einer Fachzeitschrift auf die App aufmerksam. „Der Dorffunk bietet die Möglichkeit, Nachrichten aus verschiedenen Quellen unter einem Dach zu veröffentlichen“, sagt sie. Als Kommunikationsplattform könne sie Neuigkeiten aus der Region, Informationen zu Veranstaltungen, Mitteilungen aus der Gemeinde und vieles mehr auf einen Blick liefern.

Das Besondere ist, dass nicht nur der Ortsvorsteher und der Bürgermeister informiert, sondern Bürgerinnen und Bürger selbst zu Reportern werden und Beiträge schreiben können. „Egal, ob als Verein oder Einzelperson, jeder kann ein Teil des Dorffunks sein“, betont Ortsvorsteher und Vorsitzender des Heimatvereins, Siegfried Linß. Wenn das Wasser auf dem Friedhof abgestellt wird, kurzfristig Straßen gesperrt werden müssen oder ein Unbekannter in regelmäßigen Abständen eine Weinflasche mit stets gleichem Etikett im Wald entsorgt – dann sind dies Nachrichten für den Dorffunk.

Auch junge Menschen, die nicht mehr in Hönebach wohnen, weil sie studieren, laden sich die App auf ihr Smartphone und verfolgen aus der Ferne, was in der Heimat passiert. „Neubürger können schon zu Beginn leichter integriert werden und wissen schnell, was im neuen Wohnort auf sie zukommt“, schildert Lissy Linß die Vorteile der App. Und natürlich können sich Bürgerinnen und Bürger mit dieser App austauschen, Hilfe suchen und anbieten oder sich kümmern um den Nachbarn.

In einigen Bundesländern haben Landesregierungen und auch einige hessische Landkreise die Regie und somit auch die Kosten der App übernommen. „Das macht ja auch Sinn“, meint Siegfried Linß. Denn so wüchsen Kommunen zusammen. „Man erfährt viel mehr über die unmittelbare Nachbarschaft.“

Der Heimatverein hat zunächst ein vergleichsweise kleines App-Paket angeschafft. Aber es ist mit vielen Zusatzfunktionen ausbaufähig. Und wenn die Gemeinde Wildeck sich doch noch dazu entschließe, die App für alle Ortsteile freizuschalten, wäre dies ohne Weiteres möglich.

Käme die Gemeinde Wildeck mit ins App-Boot, dann wäre der Dorffunk der direkte Draht ins Obersuhler Rathaus. Wie die Erfahrungen in anderen Kommunen mit einer Dorf-App zeigten, stärke das digitale Angebot auch das ehrenamtliche Engagement der Bürger. „Das Ehrenamt war vor ein paar Jahren ja doch ein wenig Stiefkind. Jeder hat so sein privates Ding gemacht“, heißt es in einer Studie zur Dorf-App. Jetzt blühten Vereine wieder auf.

Das Installieren und die Funktionsweise der App seien benutzerfreundlich, meint Ehepaar Linß. Ein über 80 Jahre alter Bekannter der Familie hat sie sich jetzt auf sein Smartphone geladen und ausprobiert. „Man braucht nur ein bisschen Mut und muss sich auf die neue Technik einlassen“, sagt Siegfried Linß.

Informationen zur App gibt es auf der Homepage des Ortes hoenebach.de.

Susanne Kanngieser

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