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Polina Sorel nimmt immer wieder Flüchtlinge aus der Ukraine auf

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Von: Christine Zacharias

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Polina Sorel (stehend hinten) hat in ihrem Haus zahlreiche Flüchtlinge und Evakuierte aus der Ukraine aufgenommen, unter anderem Aljana, Anastasia, Olga und Lena mit ihrem Sohn Daniel. Die Frauen hat sie inzwischen an Freunde und Verwandte weitervermittelt, weil neue Flüchtlinge bei ihr angekommen sind.
Polina Sorel (stehend hinten) hat in ihrem Haus zahlreiche Flüchtlinge und Evakuierte aus der Ukraine aufgenommen, unter anderem Aljana, Anastasia, Olga und Lena mit ihrem Sohn Daniel. Die Frauen hat sie inzwischen an Freunde und Verwandte weitervermittelt, weil neue Flüchtlinge bei ihr angekommen sind. © Christine Zacharias

Jedes Bett, jedes Sofa ist belegt im Haus von Polina Sorel. Die aus der Ukraine stammende Bad Hersfelderin hat vor dem Krieg geflüchtete Frauen und Kinder bei sich aufgenommen.

Bad Hersfeld - Einige bleiben nur kurz und ziehen weiter in größere Städte, in der Hoffnung, dort Arbeit und Unterkunft zu finden oder weil sie dort Verwandte oder Freunde haben, andere bleiben und suchen hier nach Jobs. Denn das ist allen ganz wichtig: Sie wollen hier arbeiten und ihr eigenes Geld verdienen oder sich zumindest nützlich machen.

„Das sind alles qualifizierte Frauen. Einige haben einen Hochschulabschluss und sprechen gut englisch, die könnten hier sofort anfangen“, sagt Sorel.

Dazu ist jedoch erst einmal eine Registrierung beim Fachdienst Migration notwendig, um einen Aufenthaltstitel zu bekommen. Für die Registrierung brauchen die Geflüchteten ein Passfoto. „Das kostet 15 Euro“, erzählt Olga, eine der Frauen, die erst einmal bei Polina Sorel untergekommen sind, fassungslos. Wie die meisten Neuankömmlinge hat sie aber keine Euros und ihr ukrainisches Geld kann sie in Deutschland nicht umtauschen, weil es von den Banken nicht angenommen wird. Auch wenn sie erleichtert sind, in Deutschland mit ihren Kindern in Sicherheit zu sein, geht es vielen Frauen nicht gut. Sie sind in großer Sorge um ihre Männer, Brüder, Väter und Verwandten, die ihr Land verteidigen und gegen die Russen kämpfen. Viele fühlen sich schuldig, dass sie nicht geblieben sind. Polina Sorel macht ihnen immer wieder deutlich, dass sie evakuiert wurden, also nicht wirklich die freie Entscheidung darüber hatten, ob sie bleiben oder gehen wollten.

Aus dem Gruppenraum des Kinderclubs bei Polina Sorel wurde ein provisorisches Quartier und Kleiderlager.
Aus dem Gruppenraum des Kinderclubs bei Polina Sorel wurde ein provisorisches Quartier und Kleiderlager. © Christine Zacharias

Die große Hilfsbereitschaft und Solidarität für die Ukraine ist für die Geflüchteten allerdings trostreich. Beim Anblick der ukrainischen Fahne, die am Bad Hersfelder Rathaus weht und dem blaub-gelb beleuchteten Kirchturm seien ihre neuen Freundinnen in Tränen ausgebrochen, erzählt Sorel.

Sie selbst ist glücklich über die Unterstützung ihres Arbeitgebers und ihrer Kollegen. Die Firma GLS habe ihr Sonderurlaub gewährt, etwas, was überhaupt nicht vorgesehen sei, und Kollegen hätten ihr Urlaubstage gespendet, sodass sie noch gut vier Wochen hat, um sich um Menschen auf der Flucht und die bei ihr Untergeschlüpften kümmern zu können.

Immer wieder wird sie von besorgten Angehörigen angerufen, die ihre Telefonnummer in sozialen Netzwerken finden, und gebeten, sich um Menschen zu kümmern, die auf der Flucht irgendwo gestrandet sind, kein Geld mehr haben und nicht wissen wohin. Gerade junge Frauen seien im Visier von Zuhältern und Mädchenhändlern, ist Polina Sorel bewusst. Sie gibt Tipps, wie die Flucht weitergehen kann und wenn es keine andere Lösung gibt, lotst sie die Betroffenen nach Bad Hersfeld und nimmt sie bei sich auf. Zwei Studentinnen, die in Lodz in Polen gestrandet waren, sind so zu ihr gekommen. Sie leben derzeit isoliert in Sorels Schlafzimmer, weil sie sich auf der Flucht mit Corona infiziert haben.

„Wir können hier jede Unterstützung brauchen“, sagt Sorel. Kleidung, auch für Kinder, Hygieneartikel, Hochstühle, Schreib- und Bastelmaterial, Windeln für etwas größere Kinder, Fahrräder –gerne auch geliehen, Lebensmittel und natürlich Geldspenden, nennt sie einige Dinge, die besonders dringend gebraucht werden. Und natürlich Wohnraum. Denn auf Dauer können nicht zwölf Menschen in ihrem Haus leben.

Kontakt: polina.sorel@googlemail.com

Von Christine Zacharias

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