Michael Koch tritt Amt am 1. September an

Interview mit dem neuen Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg

Tritt jetzt sein Amt an: Dr. Michael Koch ist neuer Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg. Als er gestern für einige Gespräche im Landratsamt in Bad Hersfeld war, trug er noch ein Freizeitoutfit. Ab heute wird er im Anzug zur Arbeit erscheinen. Foto: Janz

Hersfeld-Rotenburg. Dr. Michael Koch tritt am 1. September sein Amt als Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg an. Marcus Janz und Kai A. Struthoff sprachen vorab mit ihm.

Herr Dr. Koch, jetzt geht’s nun endlich los. Haben Sie etwas Lampenfieber? 

Dr. Michael Koch: Nein. Ich freue mich auf die Arbeit. Ich war in den vergangenen Wochen unterwegs mit Landrat Dr. Schmidt und hatte auch im Landratsamt Kontakt mit vielen Mitarbeitern. Mein erster Eindruck ist sehr positiv.

Was ist Ihre erste Amtshandlung? 

Koch: Ich treffe alle Fachdienstleiter, dann den Personalrat, und danach werde ich die neuen Auszubildenden begrüßen, die heute mit mir gemeinsam neu im Landratsamt anfangen.

Wie haben Sie sich nach Ihrer Wahl auf das neue Amt vorbereitet? 

Koch: Zunächst musste ich ja noch meinen beruflichen Verpflichtungen in Thüringen nachkommen. Ich habe mich aber auch aus Respekt vor dem amtierenden Landrat Dr. Schmidt bei öffentlichen Terminen bisher bewusst zurückgehalten. Dennoch habe ich schon gute Gespräche mit dem Kreisausschuss und dem Personalrat geführt. Aber die richtige Arbeit beginnt heute!

Dr. Schmidt hat vor seinem Ausscheiden die Dezernatsverteilung neu organisiert. War das mit Ihnen abgestimmt? 

Koch: Ich war informiert, ich kann das nachvollziehen, und ich halte die Maßnahmen auch für richtig.

Warum haben Sie so wichtige Änderungen nicht selbst vorgenommen, um gleich eine Duftmarke zu setzen? 

Koch: Ich habe viele Ideen für Veränderungen, möchte mir das Amt aber erst mal anschauen. Ich halte nichts davon, gleich große Änderungen vorzunehmen, die man später vielleicht wieder korrigieren muss.

Wie finden Sie den Umgang mit Elke Künholz? 

Koch: Ich kenne verschiedene Darstellungen, wie das mit ihr besprochen wurde. Ich jedenfalls habe ein großes Interesse daran, auch mit Frau Künholz gut zusammenzuarbeiten. Ich trage ihr nichts nach, und ich werde ihr die Hand reichen. Jeder von uns beiden hat seinen Aufgabenbereich. Aber es wird nur einen Landrat in diesem Kreis geben.

Es könnte sein, dass Ihre Zusammenarbeit nur von kurzer Dauer ist? 

Koch: Es ist immer gut, Planungssicherheit zu haben. Ob ich nun nur vier Monate oder weitere sechs Jahre mit Frau Künholz zusammenarbeite, macht einen Unterschied. Die Fraktionen wollen die Wiederwahl erst nach der Kommunalwahl erörtern. Das akzeptiere ich.

Werden Sie eigentlich bei der Kommunalwahl am 6. März 2016 selbst kandidieren, um ihren Amtsbonus für die CDU zu nutzen? 

Koch: Nein, ich will Landrat sein und bleiben. Wer das Mandat von vornherein nicht annehmen will, der sollte es auch nicht anstreben.

Welche Themen wollen Sie jetzt sofort anpacken? 

Koch: Ein drängendes Thema ist natürlich die Flüchtlingsproblematik, die auch den Kreis und besonders Rotenburg betrifft. Wir müssen alle Beteiligten mitnehmen und dürfen niemanden überfordern. Das ist nicht einfach. Weitere wichtige Themen sind die Gesundheitsversorgung im Kreis - und das ist mehr als nur die Klinikfusion - und das schnelle Internet. Bei diesen Themen kann ein Landrat zwar nicht allein entscheiden, aber man kann viel im Hintergrund tun.

Was ist mit der Windkraft? 

Koch: Da mahne ich einen sachlichen Umgang an. Wir alle wollen die Energiewende. Und natürlich darf dabei eine Region nicht überfordert werden. Unser Kreis ist stark gefordert. Ich habe viel Verständnis für Menschen, die sich vor einer Umzingelung fürchten. Aber es gibt nicht schwarz oder weiß, sondern man muss genau hinschauen, und eben das will ich tun.

Wir hören, dass Sie zwei neue Leute mit ins Landratsamt bringen. Warum? 

Koch: Ich möchte die Öffentlichkeitsarbeit im Landratsamt verändern. Bei der Homepage etwa gibt es deutlichen Nachholbedarf. Der jetzige Pressesprecher bekommt eine neue Aufgabe, die auch seinen Neigungen entspricht - was mir sehr wichtig war. Neben einem neuen Pressesprecher möchte ich auch einen persönlichen Referenten bekommen, weil ich auch als Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse oder als Aufsichtsratschef im Klinikum immer gut vorbereitet sein will und mich dabei nicht nur auf die Aktenlage verlassen möchte. Dafür wünsche ich mir etwas Unterstützung und werde deshalb dem Kreisausschuss entsprechende Vorschläge machen - beides gute und qualifizierte Leute. Es werden dafür aber keine neuen Stellen geschaffen.

Sie sind inzwischen nach Bad Hersfeld gezogen, Ihre Familie bleibt aber in Erfurt. Schmerzt das nicht? 

Koch: Natürlich, aber es geht im Moment nicht anders. Ich wusste, dass ich als Landrat weniger Zeit für meine Familie haben werde. Es gibt mir aber auch die Freiheit, lange zu arbeiten, was sonst nicht so einfach wäre.

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