22-Jähriger arbeitet bei Strabag als Baugeräteführer

Beim Baggern ist er der Beste: Julian Bedranowsky ist Bundessieger

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An der frischen Luft, neben großen Maschinen: Julian Bedranowsky auf seiner aktuellen Baustelle bei Eschwege. 

Bad Hersfeld. Julian Bedranowsky ist kein Mann der großen Worte, und schon gar kein Angeber. Dabei hätte er guten Grund, stolz auf sich zu sein: Er ist der diesjährige Bundessieger unter den von der IHK geprüften Baugeräteführern.

Baugeräteführer, ein sperriger Begriff, den Bedranowski im Gespräch direkt geraderückt: „Ich bin Baggerfahrer“, sagt er, und der Trubel um seine Person scheint ihm fast ein wenig unangenehm zu sein.

Zwischen Lärm und Schutt

„Ich wollte das eigentlich sogar verheimlichen“, gibt der 22-Jährige zu, der auf seiner aktuellen Baustelle zwischen Lärm, Schutt und Maschinen die Souveränität eines Routiniers ausstrahlt. Irgendwann sei seine Bestleistung dann aber doch bekannt geworden – was kein Wunder ist, wenn plötzlich Fernsehen und Zeitung am Arbeitsplatz auftauchen.

Der ist im Normalfall ein ganzes Stück über dem Boden, hinter Hebeln und einer großen Baggerschaufel, mit der Bedranowski Böschungen, Schrägen und Flächen zieht. Ein GPS-System unterstützt ihn bei dieser fast schon filigranen Arbeit, das Signal ist bis auf zwei Zentimeter genau. „Ordentlich muss es aussehen“, so beschreibt er den eigenen Anspruch an sein Tun.

Gelernt hat Bedranowsky, der aus dem thüringischen Lindewerra stammt, in der Konzernlehrwerkstatt von Strabag in Bebra. Mittlerweile wurde er von Strabag in Bad Hersfeld übernommen, aktuell arbeitet er mit seinen Kollegen bei Eschwege an der geplanten Anschlussstelle an die A 44.

Seine Kollegen, mit denen er einen zwanglosen, oft flapsige Umgang pflegt, die Arbeit mit großen Maschinen und der Alltag an der frischen Luft, das sind laut Bedranowsky die Gründe für ihn, seine Arbeit zu lieben. „Das ist das, was eine Baustelle ausmacht“, sagt er, zieht grinsend einen Mundwinkel hoch und schweigt dann wieder. Seine Passion bedarf nicht vieler Worte. Ziemlich sympathisch irgendwie.

Heute Bau, morgen Museum

Wenn er gerade keine Böschungen zieht oder Interviews gibt, geht Bedranowski seinem, wie er sagt, „großen Hobby“ nach. Dann arbeitet er ehrenamtlich im Grenzmuseum Schifflersgrund und unterstützt den Trägerverein unter anderem in Sachen Fahrzeugtechnik. „Es fasziniert mich, wenn meine Eltern von früher erzählen“, sagt er, er wolle schlichtweg mehr über die ehemalige innerdeutsche Grenze und die damalige Zeit erfahren. Seine Leidenschaft aber sind und bleiben Baustellen, nächstes Jahr will er sich für ein Studium im Bauingenieurwesen bewerben. Wer hätte das damals gedacht, als der kleine Julian im Auto seiner Eltern auf Autobahnen klarstellte, man solle ihn bloß wecken, wenn eine Baustelle zu bestaunen sei.

Trotz aller Begeisterung und Hingabe, eines stört den Baggerfahrer dann aber doch an seinem Beruf. „Von der Arbeit auf Montage hören die Frauen nicht so gerne“, sagt Bedranowsky. Schließlich sei man ständig unterwegs. Und so gilt wohl auch für Bundessieger: Keine Leidenschaft bleibt ohne Leid.

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