Kaliabbau

Wird Salzabwasser in Osthessen zum Trinkwasser-Problem?

Kassel. Bis Ende November darf der Kali-Hersteller K+S Salzabwasser in die osthessische Erde pressen. Ein Antrag auf eine neue Genehmigung wird vorbereitet. Doch das könnte gefährliche Folgen haben.

Seit Jahren wird über das Abwasser beim Kaliabbau in Osthessen gestritten. Regelmäßig gehen Umweltverbände und Bürgerinitiativen gegen Genehmigungen der Behörden vor, nach denen das Abwasser in die Werra oder in den Boden geleitet werden darf - bislang ohne großen Erfolg. Ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" sorgte kürzlich für Aufsehen. Hat die hessische Landesregierung ein Gutachten zurückgehalten, in dem von einer Trinkwassergefährdung ausgegangen wird? Der Kali-Hersteller K+S will derweil eine neue Genehmigung beantragen. Fragen und Antworten:

Was ist das Problem des Kaliabbaus?

Schon seit mehr als einem Jahrhundert wird Salzabwasser aus dem Kalibergbau an der hessisch-thüringischen Grenze in die Werra geleitet. Das Werra-Abwasser fließt in die Weser und schließlich bei Bremerhaven in die Nordsee. Umweltschützer wettern gegen die Einleitung, denn die Werra ist der am stärksten mit Salz belastete Fluss in Mitteleuropa. Dafür gibt es noch eine Genehmigung bis 2020. Zudem wird ein Teil des Abwassers in den Untergrund gepresst, dies darf - Stand heute - noch bis Ende November 2015 geschehen. Die Anrainer befürchten durch die Versenkung der Lauge in tiefere Gesteinsschichten eine Versalzung des Trinkwassers.

Warum ist das Thema akut? 

Ein Mitte des Monats bekanntgewordenes Gutachten des hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) stellt nach Auffassung der Landtagsopposition die derzeit gültige Versenkungserlaubnis von 2011 infrage, weil demnach eine Gefährdung von Grund- und Trinkwasser nicht ausgeschlossen werden kann. Zudem soll die Landesregierung das Gutachten zurückgehalten haben. Dies weist Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) aber zurück. Bis Ende April will der Kali- und Salz-Produzent K+S beantragen, im Abbaugebiet in Osthessen Abwasser über 2015 hinaus in den Boden pressen zu dürfen.

Was sagen die Beteiligten?

Laut K+S bescheinigt die Expertise, dass die laufende Versenkung kein Trinkwasser gefährde. Es gebe zudem fortlaufende Überwachungen. Auch das Umweltministerium betont, kein Experte sehe eine akute Gefährdung des Trinkwassers.

Steht die Genehmigung auf der Kippe?

Die Versenkung ist nach derzeitiger Erlaubnis noch bis Ende dieses Jahres erlaubt und soll nach dem Vier-Phasen-Plan von Umweltministerium und K+S bis 2021 verlängert werden. Mehrere Landesverbände des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordern die sofortige Rücknahme der Versenkerlaubnis für K+S. Hessens Umwelt-Staatssekretärin Beatrix Tappeser (Grüne) schließt einen Widerruf der Erlaubnis zur Entsorgung von Salzabwässern des Kali-Konzerns K+S nicht aus - allerdings nicht wegen einer möglichen Grundwassergefährdung, sondern, weil offenbar ein dreidimensionales Modell des Untergrunds von Osthessen fehlt. Das Regierungspräsidium Kassel will bis Ende März über die aktuelle Erlaubnis entscheiden.

Wie soll in Zukunft mit Salzabwasser umgegangen werden?

Der Konzern muss für eine mögliche Verlängerung der Versenkerlaubnis bis 2021 nachweisen, dass Trink- und Grundwasser nicht gefährdet werden. Diese Verlängerung ist zentraler Teil des Vier-Phasen-Plans zur dauerhaften Salzabwasserentsorgung. Dieser sieht unter anderem ein Ende der Verpressung des Abwassers in den Boden im Jahr 2021 vor. Bis 2075 soll die Einleitung von derzeit jährlich rund 7 Millionen auf 1,5 Millionen Kubikmeter in Flüsse reduziert werden. Langfristig sollen Werra und Oberweser Süßwasserqualität erreichen. Der Plan ist in den anderen Bundesländern und bei Umweltverbänden umstritten. (dpa)

Lesen Sie auch

Kalibergbau schafft riesige Mengen Abfall - 1000 Jahre Salz für die Werra

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.
Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.